Die Netflix-Aktie (WKN: 552484) ist nach der Präsentation der neuesten Quartalszahlen erneut deutlich korrigiert. Zwar hat der US-amerikanische Videostreaming-Pionier zuletzt die Übernahme von Time Warner abgesagt. Das beendete ein womöglich sehr teures und fragwürdiges Kapitel für die Wertschöpfung. Auf der Haben-Seite steht jedoch, dass man nach einer eigentlich exklusiven vorvertraglichen Vereinbarung von einem Sondereffekt in Form von einer Kompensationszahlung profitieren konnte.

Netflix-Aktie: Zu den Zahlen

Netflix steigerte den Umsatz im ersten Quartal um gute 16,2 % auf 12,25 Mrd. US-Dollar. Das operative Ergebnis erreichte mit 3,95 Mrd. US-Dollar einen Rekordwert. Die Marge kletterte dadurch auf 32,3 %. Das entspricht im direkten Jahresvergleich einem Margenplus von 0,6 %. Beim Nettoergebnis glänzt Netflix dank der Zahlung von Time Warner mit einem Wert von 5,28 Mrd. US-Dollar. Das entspricht einem Ergebnis je Netflix-Aktie von 1,23 US-Dollar.

Natürlich können wir diesen Wert nicht eins zu eins als Referenz nehmen. Das Gewinnwachstum liegt mit +88 % über den üblichen Wachstumsraten. Die 2,8 Mrd. US-Dollar, die Time Warner gezahlt hat, spielen hier eine große Rolle. Dadurch stieg auch der freie Cashflow auf über 5 Mrd. US-Dollar. Denn die Zahlung ist bereits eingegangen.

Der Quartalsausblick enttäuscht – na und?!

Netflix enttäuschte die Investoren allerdings mit dem Ausblick. Im zweiten Quartal erwartet das Management mit 12,57 Mrd. US-Dollar Umsatz lediglich ein Wachstum von 13 %. Noch schwerwiegender: Das Nettoergebnis soll mit 3,3 Mrd. US-Dollar oder 0,78 US-Dollar je Netflix-Aktie im Vergleich zum Vorjahreswert von 3,125 Mrd. US-Dollar (0,72 US-Dollar je Aktie) lediglich leicht wachsen.

Hier haben die Investoren mehr erwartet. Eines sollten wir aber nicht vergessen: Das Geschäft von Netflix basiert auf gewissen leichten Zyklen, was Investitionen in Content angeht. In der Vergangenheit gab es stets mal einzelne, schwächere Quartale. Bislang jedes Mal hat Netflix aber in einem der folgenden Quartale wieder aufgetrumpft. Korrekturen waren daher stets eine Chance und die Wachstumsgeschichte von Netflix scheint noch längst nicht ausgereizt.

Der längerfristige Blick auf die Netflix-Aktie

Das sieht das Management ähnlich. Netflix will jetzt mit einer neuen, dreigeteilten Strategie ein langfristiges Wachstum sichern. Zunächst plane man den Wert für die Nutzer durch mehr Inhalte zu erhöhen. Dadurch soll die Abwanderungsquote verringert und mehr Nutzer vom eigenen Angebot überzeugt werden. Kleiner Hinweis von unserer Seite: Vermutlich will Netflix damit auch die angedachten Preiserhöhungen rechtfertigen. Zweitens soll die Technologie des eigenen Ökosystems verbessert werden. Wir lesen hier KI-Einsatz heraus, der gegebenenfalls bessere Vorschläge für die Nutzer macht. Oder auch Prozesse wie den Kundenservice optimiert. Kosteneinsparungen und mehr Zufriedenheit können die Folge sein. Zu guter Letzt plane man aktiv, die Monetarisierung zu verbessern. Das umfasst die Preispolitik des eigenen Angebots. Aber auch das werbefinanzierte Abo-Modell soll in diesem Jahr erstmals auf 3 Mrd. US-Dollar Umsatz kommen.

Wir denken: Netflix besitzt weiterhin eine gute Zukunft. Es bleibt jedenfalls kein Stein auf dem anderen. Deshalb denken wir auch dieses Mal, dass bei dem aktuellen Dip der Netflix-Aktie eher die Chance überwiegt und die Risiken begrenzt erscheinen.

Der Artikel Netflix-Aktie: Ist dieser Dip aus langfristiger Sicht ein Kauf? ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.