Am 17.08.2000 endete einer der spektakulärsten Bieterwettbewerbe der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Nach 173 Bieterrunden hatten sechs Unternehmen beziehungsweise Konsortien die begehrten deutschen UMTS-Lizenzen ersteigert. Die Summe der Gebote belief sich zunächst auf 98,8072 Mrd. Deutsche Mark, also rund 50,5 Mrd. Euro. Durch eine zusätzliche Frequenzversteigerung am folgenden Tag erhöhte sich der Gesamterlös schließlich auf 99,3682 Mrd. DM, also 50,806 Mrd. Euro.

Die Dimension dieser Summe war damals kaum vorstellbar. Jeder der sechs erfolgreichen Bieter musste durchschnittlich mehr als 16,5 Mrd. DM beziehungsweise knapp 8,5 Mrd. Euro für seine Lizenz bezahlen. Dabei handelte es sich zunächst nur um das Recht, bestimmte Frequenzen zu nutzen. Damit war noch kein einziges UMTS-Funknetz gebaut, keine Basisstation errichtet, kein Mobiltelefon verkauft und noch kein einziger Kunde gewonnen. Die Unternehmen standen also erst am Anfang eines gewaltigen Investitionsprogramms.

Gleichzeitig schien die Zukunft des Mobilfunks geradezu grenzenlos. Das Internet hatte sich innerhalb weniger Jahre von einem Spezialmedium zu einem Massenphänomen entwickelt, Mobiltelefone verbreiteten sich rasant und die Börsen bewerteten Telekommunikations- und Internetunternehmen mit teilweise absurden Multiplikatoren. UMTS versprach, diese beiden Welten miteinander zu verschmelzen: das Mobiltelefon sollte zum mobilen Internet-Terminal werden. E-Mail, Webseiten, Online-Banking, E-Commerce, Videotelefonie, Musik, Nachrichten und andere digitale Dienste sollten jederzeit und überall verfügbar sein.

Die Euphorie war so groß, dass die hohen Lizenzpreise zunächst nicht als Warnsignal, sondern als Ausdruck einer gewaltigen wirtschaftlichen Chance interpretiert wurden. Nur wenige Monate später sollte sich das Bild dramatisch verändern. Die Dotcom-Blase platzte, die Aktienkurse von Telekommunikations- und Internetunternehmen brachen ein, die Finanzierungsmöglichkeiten trockneten aus und gleichzeitig erwies sich die neue Technologie als technisch schwieriger und langsamer marktreif als erwartet. Aus dem vermeintlichen Goldesel UMTS wurde für zahlreiche Unternehmen ein finanzieller Mühlstein.

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