Die Volkswagen-Aktie konnte sich zuletzt bei knapp über 75 € stabilisieren. Doch diese Stabilisierung gerät zu Beginn der neuen Handelswoche schon wieder in Gefahr. Was setzt den Kurs des deutschen Autokonzerns erneut unter Druck und wie sollten Anleger jetzt handeln?

Der Konflikt eskaliert

Es ist der Konflikt um das im Raum stehende drastische Sparprogramm, das den Kurs der Volkswagen-Aktie zum Wochenbeginn ein weiteres Mal belastet. Über das Wochenende haben sich die Positionen des Aktionärslagers auf der einen Seite und der Arbeitnehmervertreter auf der anderen Seite noch einmal deutlich verschärft.

Die Anteilseigner machten zunehmend Druck auf das Management, den Sparkurs des Autokonzerns zu verschärfen. Medienberichten zufolge soll die Familie Porsche-Piëch als Hauptanteilseigner des Konzerns ein höheres Tempo bei den Sparbemühungen verlangen.

Hans Dieser Pötsch, seines Zeichens Chef des Mehrheitsaktionärs Porsche SE, drängt auf die rasche Umsetzung des Sparprogramms bei VW. In einem Interview bezeichnete Pötsch die aktuelle Situation bei den Wolfsburgern als kritischen historischen Wendepunkt und forderte schnelle Entscheidungen der Führungsspitze.

Der Porsche SE-Vorstandsvorsitzende hat auch allen Grund zur Unzufriedenheit. Der Gewinnrückgang von Volkswagen führte auch beim Mutterkonzern zu einem um fast 15% geringeren Ergebnis als im Vorjahr.

Stein des Anstoßes ist derzeit die Schließung von vier Werken in Deutschland. Auf der Sparliste des Vorstandes stehen die Produktionsstätten in Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau. Im Zuge dieser Schließungen stehen bis zu einer 100.000 Stellen im gesamten VW-Konzern zur Disposition.

Der Graben zwischen Management und Eigentümern sowie der Gewerkschaft ist dementsprechend groß. Betriebsratschefin Cavallo sieht das Fass inzwischen zum Überlaufen gekommen wirft dem Vorstand ein unerträgliches Maß an Respektlosigkeit vor. Die IG Metall lehnt Werkschließungen bei VW kategorisch ab.

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Charttechnisch brenzlig

Die Volkswagen-Aktie befindet sich immer noch in einer charttechnisch brenzligen Situation. Zwar konnte sie sich seit Anfang Juli über der Marke von 70 € halten, aber eine Erholung über 77 € gelang dem DAX-Titel bislang nicht. Es steht zu befürchten, dass die VW-Aktie bei einer weiteren Eskalation im Sparkonflikt abermals das 15-Jahrestief bei 70 € testen wird — dann möglicherweise mit einem Durchbruch.

Keine Zeit mehr zu verlieren

Ich glaube nicht, dass sich die Volkswagen-Aktie länger über der Marke von 75 € halten wird. Die Zeichen stehen wieder auf Kursrückgänge.

Die massive Auseinandersetzung zwischen Vorstand und Aktionären auf der einen und den Arbeitnehmervertretern auf der anderen Seite zeigt das historisch verwurzelte Grundproblem des deutschen Autokonzerns. Volkswagen ist ein zutiefst politisch geführter Konzern mit Arbeitnehmerrechten, die es bei anderen Autoherstellern nicht einmal ansatzweise gibt. Das macht es für die Konzernführung so wahnsinnig schwierig, den Sparstift anzusetzen.

Und diesmal muss ein sehr großer Sparstift angesetzt werden, denn es geht schlichtweg um die Existenz und Zukunftsfähigkeit von Volkswagen. Das Ergebnis brach im letzten Quartal um ein Drittel ein. Der Absatz von VW sank um fast 9%, was eine Senkung der Umsatzprognose für 2026 zur Folge hatte. Das VW-Management geht nun von einem leichten Umsatzrückgang im laufenden Jahr aus.

Volkswagen kann es sich schlichtweg nicht mehr leisten, schwach ausgelastete Werke über Jahre hinweg am Leben zu erhalten. Um die operative Zielmarge von über 5% zu erreichen, muss sich der Autokonzern massiv verschlanken. Das wird ohne die Schließung von Fabriken und einen damit einhergehenden Personalabbau nicht gehen.

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Ich habe jedoch die Befürchtung, dass durch den Kampf der Gewerkschaft mit dem Vorstand Volkswagen mal wieder wertvolle Zeit bei der Sanierung verlorengeht. Diese Zeit haben die Wolfsburger aber nicht mehr.

Besser gesagt, diese Zeit geben ihnen die chinesischen Wettbewerber nicht mehr. Sie machen dem deutschen Branchenprimus bereits heute das Leben in China zur Hölle und in Deutschland zunehmend schwer. Daran wird sich in Zukunft nichts ändern — ganz im Gegenteil. Kein gutes Omen für die Volkswagen-Aktie.

ℹ Volkswagen in Kürze

  • Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
  • Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
  • Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und aktuell ca. 41 Milliarden € wert.

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