Eine Million Euro für den Ruhestand. Kaum eine Zahl hat sich so tief in den Köpfen vieler Anlegerinnen und Anleger festgesetzt. Wer siebenstelliges Vermögen besitzt, gilt als finanziell abgesichert. Wer darunter liegt, glaubt oft, noch weit vom Ziel entfernt zu sein.

Je länger ich mich mit Vermögensaufbau beschäftige, desto mehr überzeugt mich jedoch eine andere Sichtweise. Denn im Ruhestand kann man keine Depotgröße ausgeben. Bezahlt werden Rechnungen, Lebensmittel oder Urlaubsreisen letztlich mit Geld, das aus dem Vermögen entnommen wird.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht: Wie groß ist das Depot? Sondern: Welches Einkommen kann es erzeugen?

Die 4-%-Regel macht Vermögen greifbar

Eine bekannte Orientierung für langfristige Entnahmen ist die sogenannte 4-%-Regel. Vereinfacht gesagt geht sie davon aus, dass langfristig etwa 4 % des Vermögens pro Jahr entnommen werden können, ohne das Kapital sofort aufzubrauchen.

Natürlich ist das keine Garantie. Aber sie hilft dabei, Vermögen in eine deutlich greifbarere Größe zu übersetzen: monatliches Einkommen. Und genau dadurch verändert sich die Perspektive.

Was 250.000 Euro tatsächlich bedeuten

Nehmen wir zunächst ein ETF-Depot im Wert von 250.000 Euro. Bei einer jährlichen Entnahme von 4 % ergibt sich ein Betrag von 10.000 Euro pro Jahr. Das entspricht rund 833 Euro monatlich.

Allerdings landet dieser Betrag nicht vollständig auf dem Konto. Liegt der Sparerpauschbetrag bereits hinter einem, fallen auf Kapitalerträge grundsätzlich die Abgeltungsteuer, der Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls die Kirchensteuer an.

Nach Steuern bleiben daher vereinfacht gerechnet eher rund 620 Euro monatlich übrig. Davon wird vermutlich kaum jemand seinen Ruhestand finanzieren. Gleichzeitig kann ein solcher Betrag bereits einen Teil der Fixkosten übernehmen und den finanziellen Druck deutlich reduzieren.

Ab 500.000 Euro wird es interessant

Bei einem ETF-Vermögen von 500.000 Euro ergibt sich nach der 4-%-Regel eine jährliche Entnahme von 20.000 Euro beziehungsweise rund 1.667 Euro pro Monat. Nach Steuern verbleiben daraus grob etwa 1.250 Euro monatlich.

Plötzlich bewegt man sich in einer Größenordnung, die für viele Menschen bereits einen erheblichen Teil der laufenden Ausgaben decken kann. Zusammen mit einer gesetzlichen Rente oder anderen Einkommensquellen entsteht daraus häufig ein deutlich entspannteres Gesamtbild.

Die Million sieht plötzlich anders aus

Natürlich bleibt auch die Million Euro eine beeindruckende Marke. Doch bei einer Entnahme von 4 % wird daraus letztlich ein Einkommen von etwa 40.000 Euro pro Jahr oder rund 3.333 Euro pro Monat. Nach Steuern bleiben davon vereinfacht gerechnet eher etwa 2.500 Euro monatlich übrig.

Das ist immer noch ein komfortables Zusatzeinkommen. Gleichzeitig zeigt die Rechnung, dass die Million kein Selbstzweck ist. Sie ist lediglich die Grundlage für einen bestimmten Einkommensstrom. Und genau dieser Einkommensstrom ist es, der am Ende zählt.

Warum ich lieber in Einkommen denke

Viele Anlegerinnen und Anleger konzentrieren sich beim Vermögensaufbau auf große Zahlen. Das ist verständlich, denn Depotstände lassen sich leicht messen.

Für den Ruhestand halte ich jedoch eine andere Denkweise für hilfreicher. Wer in monatlichen Einnahmen denkt, bekommt ein viel klareres Gefühl dafür, wie nah oder fern die eigenen Ziele tatsächlich sind.

Die Million Euro bleibt eine beeindruckende Marke. Für den Ruhestand ist sie jedoch nicht die entscheidende Kennzahl. Viel wichtiger ist die Frage, welches Einkommen nach Steuern tatsächlich daraus entsteht.

Denn am Ende lebt niemand von einer Depotgröße. Man lebt von dem Einkommen, das daraus entsteht. Und genau deshalb ist diese Zahl aus meiner Sicht deutlich wichtiger als die erste Million.

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