Drei Jahrzehnte Dividende ist schon eine Ansage. Aber 30 Jahre Dividendenerhöhung ist noch deutlich ambitionierter. Dennoch findet man bei einer tieferen Recherche immer noch genügend Aktien, die dieses Kriterium erfüllen.
Kimberly-Clark (WKN: 873124) und die schweizerische Nestlé (WKN: A0Q4DC) gehören zu ihnen. Es sind keine Glamour-Aktien – sie sind das, was erfahrene Anleger ins Depot legen, während andere auf den nächsten Hype warten.
Beide Titel bieten aktuell Renditen, die Festgeldkonten alt aussehen lassen. Doch der Blick hinter die Ausschüttungszahlen lohnt sich.
Windeln, Taschentücher und ein Burggraben wie ein Kontinent
Kimberly-Clark ist der stille Riese des Alltags. Wer Kleenex, Huggies oder Kotex kennt, kennt das Unternehmen – meist ohne es zu wissen. Es ist die Markenbekanntheit, die tief in den Konsumgewohnheiten verankert ist, gepaart mit einem globalen Distributionsnetzwerk, dessen Aufbau Jahrzehnte in Anspruch nahm.
Kimberly-Clark hat seine Dividende 54 Jahre in Folge erhöht. Sie wird mittlerweile seit 92 Jahren ohne Unterbrechung gezahlt – eine Leistung, die nur echten Dividendenkönigen vorbehalten ist.
Die aktuelle Dividendenrendite liegt bei über 5 %, die jährliche Ausschüttung bei 5,12 US-Dollar je Aktie. Eine solch hohe Rendite hat jedoch ihre Gründe.
In einem Markt mit wachsendem Preisdruck durch Handelsmarken und sinkenden Absatzvolumina in einzelnen Kategorien kämpft der Konzern um Wachstum und das bei hoher Verschuldung. Die laufende Konzernrestrukturierung soll mehr Effizienz bringen.
Mit der Übernahme von Kenvue (WKN: A3EEHU) für fast 50 Mrd. US-Dollar soll außerdem ein globaler Gesundheits- und Hygienekonzern entstehen. Die geschätzten jährlichen Synergien sind auf 2,1 Mrd. US-Dollar hochgerechnet. Ob das ausreicht, bleibt abzuwarten.
Nespresso, Maggi und eine Strategie, die endlich klarer wird
Nestlé dagegen steht für die Nahrungsmittelindustrie. Wer morgens Nespresso trinkt, mittags Maggi zum Essen gibt und abends dem Hund Felix-Futter hinstellt, verbringt den ganzen Tag quasi irgendwie mit dem Schweizer Konzern.
Dieser portfolioartige Burggraben aus ikonischen Marken, globaler Logistik und Preismacht ist nur schwer zu replizieren und erzeugt einen hohen Cashflow. Kein Wunder also, dass die Dividende Jahr für Jahr steigt – zum 30. Mal in Folge auf 3,10 Franken je Aktie bei einer aktuellen Rendite von rund 4 %.
Doch der Konzern steckt in ernsthaften Turbulenzen. So sank der Umsatz 2025 um zwei Prozent auf 89,5 Milliarden Franken, der operative Gewinn brach um 8,4 % ein und der Nettogewinn lag 17 % unter dem des Vorjahres.
Damit nicht genug: Ein Rückruf verunreinigter Babynahrung kostete den Konzern rund 185 Mio. Schweizer Franken und der neue CEO Philipp Navratil plant den Abbau von rund 16.000 Stellen binnen zwei Jahren.
Der Fokus soll künftig auf Kaffee, Tiernahrung, Ernährung und Snacks liegen. Der Rest steht zur Disposition.
Die jüngsten Quartalszahlen zeigen bereits eine Besserung des organischen Wachstums auf 3,5 %. Der Großteil davon stammt zwar noch von Preiserhöhungen (2,3 %), aber die Richtung stimmt.
Langfristig soll das organische Gesamtwachstum zur historischen Marke von 4 % zurückkehren. Die angestrebte operative Ergebnismarge soll über 17 % liegen. Gelingt das, könnte die derzeit günstig bewertete Aktie wieder einen deutlichen Qualitätsaufschlag verdienen.
Dividende ist Geduld – und Geduld hat ihren Preis
Wer Qualität mit strukturellen Burggräben verbindet, überlebt Krisen und ist trotzdem rentabel. Beides trifft auf Kimberly-Clark und Nestlé zu.
Aktuell befinden sich beide Konzerne in einer kleinen Krise, was die hohen Einstiegsrenditen und günstigen Bewertungen erklären mag. Kimberly-Clark kämpft mit den Margen, Nestlé auch irgendwie mit sich selbst. Beide leiden zudem unter dem Aufstieg der Handelsmarken und zu viel Komplexität. Dennoch liefern sie robuste Erträge.
Langfristig sehe ich hier konkretes Turnaround-Potenzial. Eine Erholung der Aktien ist meiner Meinung nach nicht ausgeschlossen.
Der Artikel Unglaublich: Diese 2 Aktien schütten seit 30 Jahren Dividende aus – die 4 % Rendite steigt! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.