Der Boom rund um künstliche Intelligenz treibt die Nachfrage nach leistungsfähiger Halbleiterinfrastruktur weiter an. Während Nvidia seine führende Position bei KI-Beschleunigern ausgebaut hat, profitiert Micron insbesondere von der stark gestiegenen Nachfrage nach Arbeitsspeichern und Speicherlösungen. Welche der beiden Aktien langfristig die besseren Aussichten bietet, hängt daher vor allem davon ab, wie nachhaltig die aktuellen Wachstumstrends sind.

Nvidia-Aktie

Nvidia gehört zu den größten Gewinnern des bisherigen KI-Booms und verfügt weiterhin über entscheidende Wettbewerbsvorteile. Trotz seiner inzwischen enormen Größe verzeichnet der Konzern weiterhin außergewöhnlich hohe Wachstumsraten. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 verdoppelte Nvidia seinen Umsatz auf 96,2 Milliarden US-Dollar. Besonders dynamisch entwickelte sich das Rechenzentrumsgeschäft, das um 117 Prozent zulegte. Für das folgende Quartal stellte das Unternehmen ein Umsatzwachstum von 89 Prozent in Aussicht, für das Geschäftsjahr 2028 wird weiterhin ein Wachstum von rund 70 Prozent erwartet.

Bemerkenswert ist dabei, dass Nvidia nach eigenen Angaben nach wie vor durch begrenzte Produktionskapazitäten ausgebremst wird. Die Nachfrage nach den Produkten ist demnach höher als das derzeit verfügbare Angebot. Sollte der Konzern seine Kapazitäten weiter ausbauen können, könnte dies zusätzliches Wachstum ermöglichen.

Das Fundament der Marktstellung bilden weiterhin die Grafikprozessoren (GPUs) und die Softwareplattform CUDA. Ein großer Teil der frühen KI-Software wurde für CUDA und Nvidia-Prozessoren entwickelt und optimiert. Dadurch entstand ein erhebliches Ökosystem, das Wettbewerbern den Einstieg erschwert und Nvidia insbesondere im Bereich des KI-Trainings einen starken Wettbewerbsvorteil verschafft.

Gleichzeitig hat sich Nvidia längst von einem reinen GPU-Hersteller zu einem Anbieter umfassender KI-Infrastruktur entwickelt. Das Unternehmen bietet komplette Serversysteme und Rechenzentrumsplattformen für unterschiedliche KI-Anwendungen an, darunter Training, Inferenz und sogenannte agentische KI. Auch im Bereich der KI-Inferenz versucht Nvidia, seine Position auszubauen. Durch die Integration von Technologien des auf spezialisierte Prozessoren ausgerichteten Unternehmens Groq soll insbesondere die Verarbeitung von KI-Modellen effizienter und latenzärmer werden.

Darüber hinaus entwickelt Nvidia eigene Arm-basierte Prozessoren, die speziell für Anwendungen im Bereich agentischer KI konzipiert sind. Ergänzt wird das Angebot durch ein umfangreiches Netzwerkgeschäft, das die verschiedenen Komponenten der KI-Infrastruktur miteinander verbindet. Damit positioniert sich Nvidia nicht mehr lediglich als Lieferant einzelner Chips, sondern als Anbieter eines weitgehend integrierten Systems für KI-Rechenzentren.

Für die kommenden fünf Jahre bietet diese breite Aufstellung erhebliches Wachstumspotenzial. Nvidia ist bereits Marktführer beim KI-Training und verfügt zugleich über gute Ausgangspositionen in den schnell wachsenden Bereichen Inferenz und agentische KI. Trotz der hohen Bewertung in absoluten Zahlen erscheint die Aktie gemessen an den erwarteten Gewinnen vergleichsweise moderat bewertet.

Micron-Aktie

Auch Micron profitiert massiv vom KI-Boom, allerdings auf andere Weise als Nvidia. Der Speicherspezialist erlebt derzeit einen außergewöhnlich starken Aufschwung im Halbleitermarkt. Im vergangenen Quartal stieg der Umsatz auf 41,5 Milliarden US-Dollar, nachdem im Vorjahreszeitraum lediglich 9,3 Milliarden US-Dollar erzielt worden waren. Gleichzeitig weitete sich die Bruttomarge von 37,7 auf 84,6 Prozent aus. Der bereinigte Gewinn je Aktie vervielfachte sich dadurch von 1,91 auf 25,11 US-Dollar.

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Hinter dieser Entwicklung steht vor allem ein erhebliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Speichermarkt. Micron gehört neben SK Hynix und Samsung zu den drei großen DRAM-Herstellern weltweit. Rund drei Viertel des Umsatzes entfallen auf DRAM-Speicher, während etwa ein Viertel mit NAND-Flash erzielt wird.

Künstliche Intelligenz sorgt in beiden Bereichen für zusätzliche Nachfrage. Moderne KI-Beschleuniger wie die GPUs von Nvidia benötigen High Bandwidth Memory (HBM), eine spezielle Form von DRAM, die hohe Übertragungsraten ermöglicht und die Latenz reduziert. Gleichzeitig müssen die enormen Datenmengen, die für das Training und den Betrieb von KI-Modellen benötigt werden, gespeichert werden. Davon profitieren wiederum SSDs, die auf NAND-Flash-Speicher basieren.

Die entscheidende Frage für Micron ist deshalb, wie lange die derzeitige Knappheit auf dem Speichermarkt anhalten kann. Der Konkurrent SK Hynix geht davon aus, dass der DRAM-Markt mindestens bis 2030 von einem begrenzten Angebot geprägt sein könnte. Gleichzeitig beginnen die großen Speicherhersteller, langfristige Lieferverträge mit Laufzeiten von bis zu fünf Jahren abzuschließen. Eine solche Entwicklung könnte die traditionell hohe Zyklik der Speicherbranche zumindest teilweise abschwächen.

Auch die Bewertung spricht zunächst für Micron. Auf Basis der erwarteten Gewinne für das Geschäftsjahr 2027 wird die Aktie mit einem vergleichsweise niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis gehandelt. Allerdings ist eine niedrige Bewertung bei einem zyklischen Unternehmen nicht automatisch ein Zeichen für eine dauerhaft günstige Aktie. Entscheidend wird sein, ob die aktuell hohen Speicherpreise und Margen strukturell Bestand haben oder ob der Markt nach einer Phase der Knappheit wieder in einen Angebotsüberschuss kippt.

Auf den ersten Blick erscheint Micron aufgrund des enormen Gewinnwachstums und der niedrigen erwarteten Bewertung als besonders attraktive KI-Aktie. Für einen Anlagehorizont von fünf Jahren spricht jedoch mehr für Nvidia. Micron profitiert derzeit außergewöhnlich stark vom Speicher-Superzyklus, bleibt trotz möglicher struktureller Veränderungen aber ein zyklisches Unternehmen. Über einen Zeitraum von fünf Jahren besteht daher das Risiko, dass sich die derzeit außergewöhnlich günstigen Marktbedingungen wieder normalisieren.

Nvidia verfügt dagegen über ein deutlich breiteres Geschäftsmodell und eine stärkere technologische Positionierung. Der Konzern ist nicht nur führend beim Training von KI-Modellen, sondern baut seine Stellung bei Inferenz, agentischer KI, Prozessoren und Netzwerktechnologie kontinuierlich aus. Angesichts des erwarteten weiteren Wachstums und der starken Wettbewerbsvorteile erscheint Nvidia daher langfristig als die überzeugendere Wahl der beiden Aktien.

Alternativ hatten wir kürzlich mit Western Digital eine weitere Aktie aus der Branche als bessere Alternative im Vergleich zu Micron identifiziert.

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