Der DAX hat den Abverkauf vorerst gestoppt. In der abgelaufenen Handelswoche legte das größte deutsche Börsenbarometer unter dem Strich mehr als 100 Punkte zu und schloss +0,41% höher mit 25.408 Punkten. Die höchsten Gewinne gab es bei MTU und Beiersdorf, Scout24 war schwächster DAX-Wert. Wie geht es nun weiter?
Ein harter Kampf zwischen Bären und Bullen
Die Hoffnung auf eine Annäherung zwischen den USA und dem Iran sorgte zum Wochenauftakt für gute Laune. Am Dienstag ging es zunächst weiter nach oben, ehe die Gewinne im Tagesverlauf wieder abgegeben wurden. Zur Mitte der Woche drückten wieder anziehende Ölpreise auf die Stimmung und auch am Donnerstag hielt der Verkaufsdruck an. Am Freitag konnte sich der Markt wieder etwas berappeln.
Hoffen auf Diplomatie
Nach den jüngsten Turbulenzen versucht der Markt wieder Tritt zu fassen. Ein etwas nachgebender Ölpreis und neue diplomatische Signale im Iran-Konflikt haben den Verkaufsdruck zunächst reduziert. Doch von Entwarnung kann keine Rede sein: Brent notiert weiterhin um 100 US$, die Anleiherenditen sind hoch und die Konjunktursignale aus Deutschland bleiben durchwachsen. Damit steht der deutsche Leitindex vor einer entscheidenden Woche.
Entspannung am Ölmarkt bleibt der wichtigste kurzfristige Kurstreiber. Jeder Rückgang beim Ölpreis nimmt etwas Druck aus den Inflationserwartungen und damit auch von den Anleiherenditen. Umgekehrt könnte eine erneute Eskalation im Nahen Osten den DAX schnell wieder unter Druck setzen. Die Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung sind zwar gestiegen, konkrete Fortschritte stehen allerdings noch aus. Anleger dürften deshalb sehr genau auf jede neue Entwicklung rund um den Iran und die Straße von Hormus schauen.
Fed und Konjunktur liefern die Richtung
Auch die Geldpolitik bleibt ein zentraler Unsicherheitsfaktor. Die Kombination aus hohen Energiepreisen, hartnäckiger Inflation und schwächerem Konsum lässt zunehmend Stagflationssorgen aufkommen. Für die Aktienmärkte wäre das eine unangenehme Mischung, da steigende Preise den Spielraum der Notenbanken für Zinssenkungen begrenzen.
Entsprechend wichtig werden in der kommenden Woche die Konjunkturdaten. Am Mittwoch und Donnerstag stehen die Einkaufsmanagerindizes aus Europa, den USA und Asien auf der Agenda. Sie liefern wichtige Hinweise darauf, wie robust die Wirtschaft in das vierte Quartal startet. Zum Wochenschluss rücken zudem der US-Arbeitsmarktbericht und die europäischen Verbraucherpreise in den Mittelpunkt. Beide Daten können neue Impulse für die Zinserwartungen liefern.
Dabei lohnt auch ein Blick nach Deutschland. Die Konsumlaune hat sich angesichts der hohen Spritpreise deutlich eingetrübt. Gleichzeitig fielen die Auftragseingänge im Bauhauptgewerbe im Juli um 9,2%. Die deutsche Wirtschaft bleibt damit ein Sorgenkind – auch wenn einzelne Frühindikatoren zuletzt wieder etwas Hoffnung machten.
Micron und Nike liefern frische Unternehmenssignale
Auf Unternehmensseite ist die Agenda zwar überschaubar, dafür stehen einige interessante Termine an. Am Dienstag legt Hornbach den vollständigen Quartalsbericht vor, während BMW mit einer zweitägigen Kapitalmarktveranstaltung beginnt.
International richtet sich der Blick zur Wochenmitte auf Micron. Die Zahlen und der Ausblick des Halbleiterkonzerns werden insbesondere für den KI- und Technologiesektor von großer Bedeutung sein. Am Donnerstag folgt Nike mit seinen Quartalszahlen. Beide Berichte können damit auch über den DAX hinaus für Bewegung an den Märkten sorgen.
Zusätzlich endet am Freitag eine wichtige Frist im Zusammenhang mit der geplanten Übernahme von Ceconomy durch JD.com.
MTU und Beiersdorf legen zu, Scout24 bricht ein
In der vergangenen Woche waren die Aktien von MTU und Beiersdorf die besten Performer im DAX mit einem Wochenplus von +8,83% bzw. +5,73%. MTU profitierte von einer doppelten Hochstufung der Citigroup und nähert sich wieder der 400-€-Marke.
Nach einer schwachen ersten Septemberhälfte kann sich Beiersdorf seit Mitte des Monats wieder stabilisieren. Zuletzt gelang der Wiederanstieg über die 50-Tage-Linie, wodurch sich das Chartbild wieder etwas aufgehellt hat.
Weniger gut lief es bei der Aktie von Scout24, die auf Wochensicht -8,68% einbüßte und auf ein Zweimonatstief abrutschte. Hintergrund ist die Debatte um den Einfluss von KI-Agenten.
Charttechnik: DAX behauptet sich über 100-Tage-Linie
Der DAX hat sich wieder etwas stabilisiert, unterlag dabei aber starken Schwankungen. Zu Wochenbeginn zog der Index zunächst an, prallte dann aber von der 50-Tage-Linie nach unten ab.
Am Donnerstag fiel der Leitindex zeitweise auf den tiefsten Stand seit Ende Juli und auch unter die 100-Tage-Linie. Der Schlusskurs lag aber über dem Tagestief und auf Höhe des Eröffnungskurses. So kam es zu einer Doji-Kerze, die Unentschlossenheit zum Ausdruck bringt und oftmals einer Kurswende vorausgeht.
So konnte der DAX am Freitag auch wieder zulegen und beendete die Woche oberhalb der 100-Tage-Linie. Für die neue Handelswoche ergeben sich damit folgende Szenarien: Durchbricht der Index die 100-Tage-Linie nach unten, wäre eine Ausweitung der Korrektur und ein Test der 200-Tage-Linie möglich. Diese befindet sich bei 24.808 Punkten.
Auf der Oberseite bleiben die 50-Tage-Linie im Bereich 25.800 Punkte und die darüber verlaufende 26.000-Punkte-Marke essenziell. Bei einem erfolgreichen Ausbruch würde das Rekordhoch von Ende August bei 26.618,74 Punkten wieder in den Fokus rücken.
Für den deutschen Leitindex bleibt damit vor allem eines entscheidend: die Kombination aus Ölpreis und Renditen. Gelingt eine nachhaltige Entspannung im Nahen Osten, könnte der DAX seine Erholung fortsetzen. Bleiben Öl und Anleiherenditen dagegen hoch, dürfte die Luft für die Aktienmärkte schnell wieder dünner werden.
Die Marke von 26.000 Punkten bleibt dabei eine wichtige psychologische Hürde. In der kommenden Woche entscheidet sich, ob der jüngste Erholungsversuch mehr ist als nur eine kurze Verschnaufpause.
Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.
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