2.500 Euro Dividende jeden Monat – allein mit vier Aktien? Das ist möglich, hängt aber vor allem vom eingesetzten Kapital und dem eingegangenen Risiko ab.
Aktien wie die von Realty Income (WKN: 899744), Nestlé (WKN: A0Q4DC), Altria (WKN: 200417) oder Enbridge (WKN: 885427) passen da auf den ersten Blick genau in dieses Beuteschema. Sie bieten eine hohe Einstiegsrendite und verfügen gleichzeitig über eine lange Dividendenhistorie.
Doch eine hohe verlässliche Dividende allein macht noch kein solides Depot. Entscheidend sind unter anderem die Qualität des Geschäftsmodells, die Nachhaltigkeit des Cashflows und die Bewertung der Aktie. Wer sich jedoch von hohen Ausschüttungsrenditen blenden lässt, übersieht schnell die Risiken eines solchen Portfolios.
4 Dividenden Champions mit hoher Einstiegsrendite
Realty Income ist ein US-amerikanischer REIT, der auf vermietete Gewerbeimmobilien spezialisiert ist. Das Unternehmen verfügt über ein großes Immobilienportfolio und setzt auf langfristige Mietverträge.
Defensive gehört hier irgendwie doch zum Geschäft, aber es gibt auch Risiken wie das aktuell steigende Zinsniveau. Dieses verteuert Immobilienkredite und übt Druck auf das Immobilienportfolio aus. Eine Einstiegsrendite von 5,7 % erscheint dennoch zunächst attraktiv.
Ein Unternehmen wie Nestlé spürt diesen Druck dagegen weniger, obwohl es ebenfalls gut verschuldet ist. Starke Marken wie Nescafé, KitKat und Maggi sorgen für eine breite internationale Präsenz und einen defensiven Charakter des Geschäftsmodells.
Der Schweizer Lebensmittelkonzern kann zudem auf eine jahrzehntelange Dividendenhistorie zurückblicken. Doch Discountmarken holen auf. Das Portemonnaie der Kunden wird aufgrund einer schwachen Konjunktur und hoher Inflation außerdem noch stark belastet, was das organische Wachstum ein wenig bremst. 4,1 % Dividendenrendite sind historisch hoch für den europäischen Dividenden Champion.
Altria steht dagegen vor allem für hohe laufende Ausschüttungen aus dem Tabakgeschäft. Der Konzern hat seine Dividende über viele Jahre hinweg erhöht.
Gleichzeitig verändert sich der Tabakmarkt strukturell, weshalb Anleger neben der attraktiven Ausschüttung auch die langfristigen Wachstumsperspektiven betrachten müssen. Ich sehe die Chancen auf einen Turnaround jedoch optimistisch. Eine Dividendenrendite von 6,2 % bei 61 Dividendenerhöhungen in 57 Jahren spricht für sich.
Auf immerhin über 30 Dividendenerhöhungen kommt Enbridge. Das Unternehmen aus Kanada verdient sein Geld vor allem mit Energie-Infrastruktur.
Pipelines und Gasnetze können vergleichsweise planbare Cashflows liefern und bilden damit die Grundlage für die hohe Ausschüttung. Allerdings sind Energieunternehmen politischen, regulatorischen und konjunkturellen Einflüssen ausgesetzt.
Traditionell konnte man hier hohe Dividenden einstreichen. Die Einstiegsrendite liegt bei rund 5,7 %.
Größtes Risiko: Mangelnde Diversifikation
Nimmt man die genannten Dividendenrenditen grob zusammen und unterstellt eine gleichmäßige Gewichtung, ergibt sich eine Rendite von rund 5,4 %. Für 30.000 Euro jährliche Bruttodividenden – also 2.500 Euro pro Monat – wären damit rechnerisch etwa 555.000 Euro Anlagekapital erforderlich.
Und genau hier liegt der Haken: Die 2.500 Euro sind kein garantiertes Einkommen. Steuern, Quellensteuern und mögliche Veränderungen der Dividende sind in dieser einfachen Rechnung noch nicht berücksichtigt.
Die lange Dividendenhistorie der vier Unternehmen ist zweifellos interessant. Trotzdem wäre ein Depot, das ausschließlich aus diesen vier Aktien besteht, keineswegs automatisch empfehlenswert.
Der Grund ist die starke Konzentration. Selbst vier Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen können gleichzeitig unter steigenden Zinsen, Währungsschwankungen, regulatorischen Änderungen oder gar unternehmensspezifischen Problemen leiden.
Zudem werden die Ausschüttungen nicht zwingend jeden Monat auf dem Konto gutgeschrieben. Während Realty Income monatlich zahlt, erfolgt die Ausschüttung bei Altria und Enbridge nur quartalsweise und bei Nestlé jährlich. Zwar lässt sich der Zahlungsrhythmus modellieren, doch die Absicherung von Währungsrisiken kostet am Ende wieder Geld.
Die Rechnung mit 2.500 Euro pro Monat sollte deshalb eher als Gedankenexperiment verstanden werden und nicht als Versprechen für ein dauerhaft stabiles passives Einkommen. Viel wichtiger ist für mich ohnehin die Frage nach einer nachhaltigen Dividende, die meine persönliche Rentenlücke langfristig verringert oder sogar komplett schließt.
Dafür sind Dividendenaktien grundsätzlich das richtige Mittel der Wahl. Es kommt nur darauf an, die Power der Dividenden richtig einzusetzen.
Der Artikel Mit 4 Dividendenaktien 2.500 Euro im Monat verdienen? Die Rechnung hat einen Haken! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.