Die Evonik-Aktie schoss am gestrigen Freitag um über +8% in die Höhe auf den höchsten Stand seit Mai 2025. Welche Nachricht steckte hinter dem Kurssprung des Chemiekonzerns und wie sollten Anleger darauf reagieren?
BASF bekundet Übernahmeinteresse
Es ist ein Paukenschlag, der die gesamte deutsche Chemieindustrie massiv verändern würde. Bereits seit einigen Tagen halten sich hartnäckige Gerüchte um eine mögliche Übernahme von Evonik durch den Chemieriesen BASF — nun ist die Katze aus dem Sack.
BASF hat der RAG-Stiftung, dem Hauptaktionär von Evonik, eine Übernahme vorgeschlagen. Diese Meldung wurde inzwischen von Evonik bestätigt.
Bei BASF wurde eine potenzielle Akquisition offenbar schon seit längerer Zeit vorbereitet. Medienberichten zufolge spricht das Management des Ludwigshafener Konzerns bereits seit Jahresbeginn mit Banken über eine mögliche Übernahme.
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Das würde ein Zusammenschluss bringen
Selbst für BASF, das momentan rund 47 Milliarden € an der Börse auf die Waage bringt, wäre Evonik mit rund 8,5 Milliarden € Börsenwert kein kleiner Fisch. Entscheidend für den Fortgang der Gespräche ist nun die Haltung der RAG-Stiftung. Mit 44% der Evonik-Anteile entscheidet sie über eine mögliche Übernahme.
Ein Zusammenschluss der beiden Chemiekonzerne würde BASF vor allem im Bereich der Spezialchemie stärken. Während BASF traditionell stark im Verbund- und Massengeschäft sowie bei Grundchemikalien aufgestellt ist, gilt Evonik als hochspezialisierter Player, unter anderem bei Additiven, Beschichtungen, Kieselsäuren und Hochleistungskunststoffen. Die Kombination würde ein absolutes europäisches Schwergewicht für margenstärkere Spezialprodukte formen.
Beide Konzerne haben ihren Hauptsitz in Deutschland (Ludwigshafen und Essen) und überschneiden sich in vielen Bereichen. Ein Zusammenschluss würde enormes Potenzial bieten, um interne Strukturen zu straffen, Verwaltungskosten zu senken und Werke oder F&E-Budgets zusammenzulegen.
Zudem wäre der BASF-Evonik-Konzern mit einem Jahresumsatz von rund 74 Milliarden € ein gewaltiges Schlachtschiff unter den globalen Chemiekonzernen. Er könnte seine Marktposition in wichtigen Kundenindustrien (Automobil, Bau, Konsumgüter) weltweit ausbauen.
Aber eine Integration der beiden Chemiekonzerne wäre auch eine überaus komplexe Angelegenheit. BASF befindet sich selbst mitten im Umbau des Konzerns. Darüber hinaus werden auch die Wettbewerbshüter in Europa und weltweit den Zusammenschluss genau unter die Lupe nehmen.
Bald wieder über 20 €?
Die Evonik-Aktie befindet sich seit Ende Januar in einem starken Aufwärtstrend, der heute in einem neuen 12-Monatshoch gipfelte. Sollte nun auch noch der Widerstand bei 19,70 € überwunden werden, steht Kursen über 20,00 € nichts mehr im Wege.
Nicht auf eine Übernahmeprämie spekulieren
Da es sich seitens BASF nur um eine unverbindliche Ansprache von Evonik handelt, gibt es selbstverständlich noch kein offizielles Übernahmeangebot. Das lässt viel Interpretationsspielraum in Bezug auf die Bewertung der Evonik-Aktie.
Ich rate Anlegern, nicht auf eine hohe Übernahmeprämie durch BASF zu spekulieren. Der Grund? Die Bewertung der Evonik-Aktie ist meiner Überzeugung nach bereits ziemlich ausgereizt.
Seit Jahresbeginn hat der Chemietitel schon um über +45% zugelegt. Inzwischen wird die Evonik-Aktie mit einem KGV von 15 gehandelt. Für einen recht wachstums- und margenschwachen Spezialchemiekonzern ist mit das eine viel zu ambitionierte Bewertung. Ich sehe fast keine Möglichkeit für BASF, hier noch einen Schnaps obendrauf zu legen.
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Anleger lassen besser die Finger von der Evonik-Aktie. Sie ist mir in den letzten Monaten zu heißgelaufen. Die aktuelle Bewertung steht meines Erachtens in einem Missverhältnis zum Potenzial des Chemiekonzerns.
In Bezug auf die potenzielle Übernahme von BASF kann noch sehr viel schief gehen. Anleger sollten besser nicht darauf setzen und schon gar nicht auf eine höhere Übernahmeprämie spekulieren.
Evonik in Kürze
- Evonik Industries AG (WKN: EVNK01), kurz Evonik, ist ein weltweit führender Konzern für Spezialchemie. Die Produkte kommen sowohl im Nahrungsmittelbereich als auch im Industriebereich zum Einsatz.
- Neben dem Hauptsitz in Essen unterhält das Unternehmen 27 internationale Produktionsstandorte, und ist in mehr als 100 Ländern tätig.
- Das im MDAX gelistete Unternehmen wird an der Börse aktuell mit ca. 9,0 Milliarden € bewertet.
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