Der jüngste Vorschlag von BASF für eine mögliche Übernahme von Evonik sorgte bei Anlegern und Analysten für Verwunderung. Dahinter steht die Frage, ob aus zwei angeschlagenen Chemiekonzernen durch einen Zusammenschluss ein wettbewerbsfähigerer Großkonzern entstehen könnte. Die BASF-Aktie litt zuletzt unter den Überlegungen. Am Mittwoch notiert sie bei 51,10 €. Hier stellt sich die Frage: Wie sinnvoll wäre ein Zusammengehen mit Evonik – und bietet das aktuelle Kursniveau eine Einstiegschance?

BASF und Evonik – passt das zusammen?

Auf dem Deutschland-Gipfel von Handelsblatt und WirtschaftsWoche in Berlin bezeichnete BASF-Chef Markus Kamieth das mögliche Zusammengehen mit einem anderen bedeutenden Player aus der Spezialchemie als interessante Kombination. Evonik nannte er dabei nicht ausdrücklich. Vor dem Hintergrund der bereits bestätigten Gespräche über eine mögliche Übernahme liegt der Bezug allerdings nahe.

Kamieth rechnet offenbar mit einer zunehmenden Konsolidierung der Chemiebranche. Größere Unternehmen könnten dadurch ihre internationale Wettbewerbsposition stärken.

Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: BASF verfügt über eine starke Position in der Basischemie, während Evonik stärker auf Spezialchemikalien ausgerichtet ist. In einem integrierten Konzern könnten sich dadurch Geschäftsfelder, Produktionsstrukturen und Kundenbeziehungen ergänzen.

Doch Größe allein ist noch kein Wettbewerbsvorteil.

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Zwei Unternehmen in der Transformation

Sowohl BASF als auch Evonik befinden sich derzeit in tiefgreifenden Transformationsprozessen. Die deutsche Chemieindustrie leidet insbesondere unter hohen Energie- und Personalkosten sowie einer schwachen Nachfrage in wichtigen Abnehmerbranchen.

Beide Konzerne reagieren darauf mit Kapazitätsanpassungen, Kostensenkungen und einer stärkeren Fokussierung auf profitable Geschäftsbereiche.

BASF hat bereits mehrere Aktivitäten verkauft beziehungsweise deren strategische Optionen überprüft. Zudem wird die Agrarsparte Agricultural Solutions als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen vorbereitet.

Auch Evonik baut um. Das Unternehmen plant den Abbau von rund 3.200 Stellen, davon etwa 2.150 in Deutschland. Gleichzeitig sollen Geschäftsbereiche veräußert und das Portfolio stärker auf profitable Kernaktivitäten ausgerichtet werden.

Eine Übernahme würde daher zwei Unternehmen zusammenbringen, die beide noch mitten in ihrer Transformation stecken.

Politik schaltet sich ein

Der größte Aktionär von Evonik ist die RAG-Stiftung mit einem Anteil von rund 43%.

Seitens der SPD-Fraktion in Nordrhein-Westfalen wurde die Prüfung einer direkten Beteiligung des Landes an Evonik vorgeschlagen. Ziel wäre es, gemeinsam mit der RAG-Stiftung die Mehrheit an dem Unternehmen zu sichern.

Begründet wird dies unter anderem mit der Bedeutung von Evonik für Nordrhein-Westfalen, den dortigen Standorten und den vorhandenen Arbeitsplätzen.

Die politische Diskussion dürfte sich dabei nicht ausschließlich auf eine mögliche Übernahme durch BASF beziehen. Sie könnte auch Ausdruck des Interesses sein, den Einfluss Nordrhein-Westfalens auf ein für das Bundesland bedeutendes Unternehmen zu erhalten und mögliche andere Übernahmen zu verhindern.

Für BASF könnte dies die Verhandlungen allerdings zusätzlich erschweren.

Bewertung

Die entscheidende Frage ist daher, ob BASF durch die Übernahme von Evonik tatsächlich profitabler werden könnte.

Grundsätzlich ist das möglich. Ein Zusammenschluss könnte erhebliche Synergien ermöglichen und die Marktposition stärken.

Allerdings müsste BASF dafür einen angemessenen Preis bezahlen und die Integration erfolgreich bewältigen. Je höher die Übernahmeprämie ausfällt, desto größer muss auch das Synergiepotenzial sein.

Hinzu kommt die politische Dimension. Mit der RAG-Stiftung verfügt Evonik über einen sehr großen Einzelaktionär. Eine mögliche Beteiligung des Landes Nordrhein-Westfalen könnte die Situation zusätzlich verkomplizieren.

Für BASF wäre eine Übernahme deshalb keineswegs ein Selbstläufer.

Konsolidierungen dürften kommen, für BASF könnte es sinnvoller sein ein ausländisches Chemieunternehmen zu übernehmen.

Aus meiner Sicht macht die Übernahme von Evonik nur dann Sinn, wenn BASF sie zu einem attraktiven Preis durchführen und erhebliche Synergien realisieren kann.

Die reine Größe des neuen Konzerns wäre für mich kein ausreichender Grund. Zwei Unternehmen mit strukturellen Problemen werden nicht automatisch wettbewerbsfähiger, nur weil sie zusammengeschlossen werden.

Für die BASF-Aktie sehe ich kurzfristig daher wenig positive Impulse. Mittel- und langfristig könnte die Aktie dagegen wieder interessanter werden, wenn sich die Nachfrage nach Chemieprodukten verbessert und die laufende Transformation Wirkung zeigt.

Was für die Aktie spricht, ist die aktuelle Dividendenrendite von 4,3%.

Passend dazu: Während viele nur auf die Dividendenrendite schauen, bieten einige Titel derzeit beides – regelmäßige Ausschüttungen und deutliches Aufwärtspotenzial. Hier findest Du zehn konkrete Kandidaten für das kommende Jahr.

ℹ BASF in Kürze

  • BASF (WKN: BASF11) ist der nach Umsatz größte Chemiekonzern der Welt. Er ist in den sechs Segmenten Chemicals, Materials, Industrial Solutions, Surface Technologies, Nutrition & Care und Agricultural Solutions tätig.
  • Neben dem Hauptwerk in Ludwigshafen am Rhein betreibt der Konzern weltweit über 230 Produktionsstandorte in mehr als 90 Ländern.
  • Der 1865 gegründete Traditionskonzern ist Mitglied im DAX und aktuell an der Börse mit etwa 44,1 Milliarden € bewertet.

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