Die Atos-Aktie befindet sich seit dem Hoch im Mai bei etwa 45 € wieder deutlich im Abwärtstrend. Am Mittwoch notiert sie aktuell bei 28,60 €. Damit liegt sie erneut in der Nähe des Tiefststands nach der Rekapitalisierung Mitte 2025. Hier stellt sich die Frage: Ist der Vertrauensverlust berechtigt – und bietet das aktuelle Kursniveau bereits wieder attraktive Einstiegschancen?

Restrukturierungsprogramm weit fortgeschritten

Nach der existenzbedrohenden Finanzsituation wurde 2025 das Restrukturierungsprogramm „Genesis“ aufgelegt.

Ziel ist es, den Konzern durch einen umfassenden Transformationsprozess neu aufzustellen und wieder nachhaltig profitabel zu machen.

Dazu gehören unter anderem eine Bereinigung des Portfolios, deutliche Kostensenkungen sowie die Umwandlung von Schulden in Eigenkapital.

Der Konzernumbau soll bis 2028 abgeschlossen sein. Erste wesentliche Verbesserungen sollen bereits 2026 und 2027 sichtbar werden.

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Ambitionierte Ziele

Nach Abschluss des Programms soll Atos wieder auf einen profitablen Wachstumskurs zurückkehren.

Für 2028 wird ein Umsatz von 9 bis 10 Milliarden € angestrebt. Gleichzeitig soll eine operative Marge von 10% erreicht werden. Auch der Free Cashflow soll dann wieder positiv sein.

Damit sind die Ziele durchaus ambitioniert. Entscheidend wird sein, ob Atos die operative Verbesserung tatsächlich über mehrere Jahre fortsetzen kann.

Ertrag deutlich verbessert

Erste Erfolge des Restrukturierungsprogramms zeigen sich bereits bei der Ertragslage.

Das operative EBIT verbesserte sich im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 43% auf 190 Millionen €. Gleichzeitig stieg die EBIT-Marge von 3,6 auf 5,7%.

Beim Umsatz musste Atos dagegen einen Rückgang hinnehmen. Dieser reduzierte sich im ersten Halbjahr auf 3,3 Milliarden €, davon entfielen 1,67 Milliarden € auf das zweite Quartal.

Der Umsatzrückgang war allerdings vom Unternehmen erwartet worden und ist Teil der strategischen Neuausrichtung.

Auch die Liquiditätssituation hat sich verbessert. Nach der Rückzahlung von Schulden in Höhe von 1 Milliarde € verfügte Atos Ende Juni über liquide Mittel von rund 0,9 Milliarden €.

Damit zeigt sich: Während der Umsatz noch unter dem Konzernumbau leidet, entwickelt sich die Profitabilität bereits in die richtige Richtung.

Prognose bestätigt

Aufgrund der bisherigen Geschäftsentwicklung bestätigte Atos seine Jahresprognose.

Beim Umsatz wird gegenüber dem Vorjahreswert von rund 8 Milliarden € mit einem Rückgang von etwa 5% gerechnet.

Die operative EBIT-Marge soll dagegen bei rund 7% liegen. Gleichzeitig soll sich die Liquidität weiter verbessern.

Atos-CEO Philippe Salle sieht den Konzern bereits an einem wichtigen Wendepunkt:

Vor einem Jahr lag unsere Priorität auf der Erholung. Heute liegt unsere Priorität auf Wachstum.

Nach seinen Angaben wurde das Geschäft stabilisiert, die Bilanz gestärkt und die operative Leistungsfähigkeit verbessert.

Bewertung

Die Restrukturierung zeigt damit bereits erste positive Ergebnisse. Besonders wichtig ist die deutliche Verbesserung beim operativen EBIT.

Um die angestrebte EBIT-Marge von 7% für das Gesamtjahr zu erreichen, müsste sich die Profitabilität im zweiten Halbjahr weiter verbessern. Genau darauf sollten Anleger beim nächsten Quartalsbericht achten.

Der Umsatzrückgang sollte dagegen nicht isoliert betrachtet werden. Atos befindet sich mitten in einem umfassenden Konzernumbau. Entscheidend ist daher weniger das kurzfristige Umsatzwachstum als die Frage, ob das Unternehmen seine Margen nachhaltig steigern und wieder positiven Cashflow erzielen kann.

Der aktuelle Kursrückgang erscheint deshalb weniger durch eine Verschlechterung der operativen Kennzahlen als durch einen anhaltenden Vertrauensverlust der Anleger geprägt.

Genau darin liegt zugleich die Chance – aber auch das hohe Risiko.

Sollte Atos die Restrukturierung erfolgreich abschließen, könnte die heutige Bewertung erhebliches Aufwärtspotenzial bieten. Bleiben die Fortschritte dagegen hinter den Erwartungen zurück, sind weitere deutliche Kursverluste möglich.

Aus meiner Sicht bietet das aktuelle Kursniveau wieder interessante Einstiegsmöglichkeiten für risikobereite Anleger. Die fundamentalen Daten gehen in die richtige Richtung.

Entscheidend wird sein, ob Atos das Vertrauen der Anleger durch weitere positive Quartalsergebnisse zurückgewinnen kann. Gelingt der Konzernumbau wie geplant, sind Kurse von 50 € wieder realistisch. Die aktuelle Bewertung ist für einen Tech-Konzern sehr niedrig. Insbesondere dann, wenn der Konzern wieder profitabel wächst.

Vorerst sollten dennoch nur Anleger mit einer höheren Risikobereitschaft einsteigen, weitere Rückschläge sind nicht auszuschließen.

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ℹ Atos in Kürze

  • Atos SE (WKN: 877757 ist ein international führender Anbieter von IT-Dienstleistungen. Der Konzern gliedert sich in die beiden Sparten Tech Foundation (klassische IT-Dienstleistungen) sowie die Sparte Cybersicherheit & Digitalisierung.
  • Neben dem Hauptsitz im französischen Bezon unterhält der Konzern Niederlassungen in über 73 Ländern.
  • Die Hauptbörse der Aktie ist die Euronext in Paris. Die Markkapitalisierung beträgt aktuell rund 565 Millionen €.

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