Die Amazon-Aktie könnte nach einer Phase relativer Schwäche vor einer Neubewertung stehen. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass der Konzern sowohl im traditionellen Geschäft als auch bei Cloud Computing und künstlicher Intelligenz stark wächst.

Starkes Quartal auf breiter Basis

Amazon erzielte im zweiten Quartal mehr als 200 Milliarden US-Dollar Umsatz und bewegt sich damit auf einen annualisierten Umsatz von über einer Billion US-Dollar zu. Sowohl Nordamerika als auch das internationale Geschäft wuchsen zweistellig.

Besonders dynamisch entwickelte sich AWS. Die Cloud-Sparte steigerte ihren Umsatz um 37 Prozent auf 42 Milliarden US-Dollar. Der operative Gewinn erreichte 16,6 Milliarden US-Dollar nach rund 10 Milliarden US-Dollar im Vorjahr.

Auch der Nettogewinn fiel außergewöhnlich stark aus, wurde allerdings teilweise durch die Finanzierungsrunde des KI-Unternehmens Anthropic beeinflusst. Dieser Effekt ist einmaliger Natur.

Massive Investitionen drücken den Cashflow

Der operative Cashflow stieg auf Sicht von zwölf Monaten um 33 Prozent auf mehr als 160 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig fiel der freie Cashflow wegen der enormen Investitionen auf rund minus 8 Milliarden US-Dollar.

Amazon investierte zuletzt fast 170 Milliarden US-Dollar auf Zwölfmonatssicht und plant für 2026 inzwischen rund 220 Milliarden US-Dollar. Damit gehört der Konzern zu den aggressivsten Investoren in KI-Infrastruktur. Weitere steigende Ausgaben im Jahr 2027 sind möglich.

Die Belastung des freien Cashflows ist erheblich, könnte aber vorübergehend sein. Entscheidend wird sein, ob Amazon den Investitionsanstieg langfristig mit weiter wachsendem operativem Cashflow ausgleichen kann.

Eigene Chips stärken das KI-Geschäft

AWS bleibt einer der wichtigsten Wachstumstreiber des Konzerns. Gleichzeitig erzielt Amazons KI-Geschäft inzwischen einen annualisierten Umsatz von rund 25 Milliarden US-Dollar und wächst dreistellig.

Besonders interessant ist der Ausbau eigener Chips. Mit Trainium und Graviton kann Amazon einen größeren Teil der Wertschöpfung innerhalb des eigenen Cloud-Geschäfts halten. Statt externe Chipanbieter für die gesamte Hardwareleistung zu bezahlen, kann der Konzern eigene Chips einsetzen und die Rechenleistung über AWS monetarisieren.

Die Nachfrage ist hoch. Im zweiten Quartal entfielen auf Bedrock mehr Ausgaben als in allen vorherigen Quartalen zusammen. Zusätzlich bestehen langfristige Vereinbarungen mit großen KI-Unternehmen über Amazons eigene Chips.

Werbung wird zum wichtigen Gewinnbringer

Auch das Werbegeschäft entwickelt sich rasant. Die Werbeumsätze stiegen um 26 Prozent auf 19,8 Milliarden US-Dollar und entsprechen damit bereits einem annualisierten Umsatz von rund 80 Milliarden US-Dollar.

Bei anhaltendem Wachstum könnte die Sparte innerhalb des kommenden Jahres die Marke von 100 Milliarden US-Dollar Umsatz auf Jahresbasis erreichen. Amazon profitiert dabei von seiner riesigen Kundenbasis und der direkten Verbindung zwischen Werbung und Marktplatz.

Das Kerngeschäft bleibt robust

Trotz des KI-Booms bleibt das klassische Amazon-Geschäft eine wichtige Wachstumssäule. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten von rund 192 Milliarden auf 220 Milliarden US-Dollar.

Besonders bemerkenswert ist das weiterhin zweistellige Wachstum in Nordamerika. Gleichzeitig verbessert Amazon seine operative Effizienz und baut seine Logistik weiter aus.

Mit Amazon Now wurde das Angebot zuletzt auf mehr als 80 weitere Städte und Gemeinden ausgeweitet. Millionen Kunden können dort Tausende Produkte innerhalb von 30 Minuten oder weniger erhalten. Der Bruttowarenumsatz dieses Geschäfts stieg um 80 Prozent, die Kundenzahl um 60 Prozent.

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Hohe Investitionen bleiben das größte Risiko

Die Investmentthese für Amazon bleibt angesichts des starken Kerngeschäfts, des AWS-Wachstums und der zunehmenden Bedeutung von KI überzeugend. Der Konzern verfügt über mehrere voneinander unabhängige Wachstumstreiber und investiert gleichzeitig massiv in die nächste Generation seiner Infrastruktur.

Das größte Risiko liegt in der Höhe dieser Investitionen. Amazon baut Rechenkapazitäten auf Grundlage einer erwarteten langfristig hohen KI-Nachfrage auf. Sollte diese Entwicklung hinter den Erwartungen zurückbleiben, könnten ungenutzte Infrastruktur und hohe Abschreibungen den Cashflow erheblich belasten.

Amazon verbindet weiterhin starkes operatives Wachstum mit einer führenden Position bei Cloud Computing und künstlicher Intelligenz. Die hohen Investitionen belasten kurzfristig den Cashflow, schaffen aber zugleich die Grundlage für weiteres Wachstum und potenziell höhere Margen. Der Aktienkurs besitzt das Potenzial, über die nächsten Monate einen weiteren deutlichen Schub zu erfahren.

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