
Die Bank of Canada beließ ihren Leitzins am Mittwoch unverändert bei 2,75 % und legte damit nach sieben aufeinanderfolgenden Senkungen erstmals eine Pause ein.
Laut einer am Mittwoch veröffentlichten Erklärung der Bank wurde diese Entscheidung angesichts der erhöhten wirtschaftlichen Unsicherheit getroffen, die sich aus den großen Veränderungen in der US-Handelspolitik und den Inflationssorgen ergibt.
Die Zentralbank erklärte außerdem, dass die Unsicherheit bezüglich der US-Zölle es derzeit unmöglich mache, Standard-Wirtschaftsprognosen abzugeben.
Zwei Szenarien für das Wirtschaftswachstum
Der MPR (Bericht zur Geldpolitik) enthält außerdem zwei Szenarien, die zwei unterschiedliche Wege der US-Handelspolitik und deren Auswirkungen auf die kanadische Wirtschaftslage darstellen.
Dieses Ausgangsszenario birgt zwar hohe Unsicherheit, begrenzt aber den Umfang der Zölle.
In diesem Szenario verlangsamt sich das kanadische Wachstum kurzfristig, die Inflation bleibt aber nahe dem 2%-Ziel der Bank.
In diesem Fall könnten niedrige Zölle Kanada vor größeren wirtschaftlichen Schäden bewahren.
Das andere Szenario hingegen sieht einen langwierigen Handelskrieg voraus, der Kanada in eine Rezession stürzen würde.
Das würde die Inflation im nächsten Jahr über 3 % steigen lassen.
Diese Spaltung ist symptomatisch für eine umfassendere Tatsache – die Unklarheit über die Aussichten der Handelspolitik in Verbindung mit der bemerkenswerten Geschwindigkeit der politischen Veränderungen in den USA macht die Wirtschaftsprognose besonders schwierig.
Globaler wirtschaftlicher Kontext
Das globale Wirtschaftsumfeld ist komplex, wobei Anzeichen starken Wachstums Ende 2024 neuen Risiken weichen.
Mit der Verlangsamung der US-Wirtschaft und der zunehmenden politischen Unsicherheit hat sich die Stimmung deutlich verschlechtert.
Das Wachstumstempo der Eurozone ist Anfang 2025 moderat, was hauptsächlich auf anhaltende Rückschläge im verarbeitenden Gewerbe zurückzuführen ist.
China zeigte Ende 2024 eine gute Leistung, aber aktuelle Indikatoren deuten auf einen leichten Rückgang hin.
Die durch handelspolitische Ankündigungen geschaffene Unsicherheit hat zu enormen Schwankungen an den Finanzmärkten geführt, Investitionsentscheidungen erschwert und traditionellere Quellen der Wirtschaftsentwicklung wie Konsum und Unternehmensinvestitionen eingeschränkt.
Kanadas wirtschaftliche Abschwächung
In Kanada deuten die Wirtschaftsindikatoren auf einen deutlichen Rückgang hin. Das Vertrauen der Verbraucher und Unternehmen scheint erschüttert zu sein, da die Auswirkungen von Zöllen und Handelsbedenken immer deutlicher werden.
Schlüsselbereiche wie Konsum, Wohnungsbauinvestitionen und Unternehmensausgaben zeigten im ersten Quartal des Jahres allesamt Anzeichen einer Abschwächung.
Darüber hinaus haben die Handelsspannungen negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt gehabt, wobei die Beschäftigungszahlen im März zurückgingen und Unternehmen Pläne zur Reduzierung der Einstellungsaktivitäten ankündigten.
Auch das Lohnwachstum, ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Stärke, hat sich in letzter Zeit verlangsamt und das wirtschaftliche Bild verkompliziert.
Der Druck hält an, die Inflation erreichte im März 2,3 %, etwas niedriger als im Februar, aber immer noch höher als die 1,8 % zum Zeitpunkt des MPR im Januar.
Die Dynamik der Inflation meistern
Die Bank of Canada wird sich bei ihren weiteren Schritten auf die Inflationsdynamik konzentrieren. Im April wird die CO2-Steuer für Verbraucher abgeschafft, was die Verbraucherpreisinflation wahrscheinlich leicht senken wird.
Die Pattsituation der Bank of Canada bei den Zinssätzen, zusammen mit Handelsunsicherheiten, unterschiedlichen Inflationserwartungen und sich verschlechternden Wirtschaftsindikatoren, schafft ein fragmentiertes politisches Umfeld.
Da Unternehmen und Verbraucher mit der Anpassung an die instabile Makroökonomie zu kämpfen haben, sind die langfristigen Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung unklar.
Marktteilnehmer erwarten in den kommenden Monaten Volatilität, da sich die Verbesserungen schnell vollziehen.
Insgesamt werden die kommenden Monate entscheidend für die Weltwirtschaft und die neue Handelspolitik sein.
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