4 % Dividendenrendite klingen zunächst deutlich attraktiver als 0,7 %. Doch an der Börse entscheidet nicht die heutige Ausschüttung allein über die langfristige Rendite.
Viel wichtiger ist die Frage, wie stark ein Unternehmen seinen Gewinn und freien Cashflow über viele Jahre ohne Verwässerung steigern kann. Genau hier wird der Vergleich zwischen einem Unternehmen wie Visa (WKN: A0NC7B) und PepsiCo (WKN: 851995) interessant.
Denn Visa hat etwas, das PepsiCo in dieser Form aktuell nicht besitzt: einen großen strukturellen Wachstumsspielraum. Aber reicht dieser Vorsprung aus, um eine höhere Bewertung dauerhaft zu rechtfertigen?
Visa wächst nicht nur – der Konzern hat noch viel vor sich
Der entscheidende Punkt bei Visa ist das Geschäftsmodell. Der Konzern muss nicht selbst mehr Produkte verkaufen.
Visa verdient einfach nur daran, dass immer mehr Geld digital über sein Netzwerk bewegt wird. Und da die Digitalisierung des Zahlungsverkehrs noch längst nicht abgeschlossen ist, dürfte über Jahre hinaus noch Potenzial bestehen.
Visa verarbeitet inzwischen mehr als 250 Mrd. Transaktionen pro Jahr. Im Geschäftsjahr 2025 stieg der Zahlungsverkehr auf 14,2 Bio. US-Dollar, während 40 Mrd. US-Dollar an Umsatz generiert wurde – ein Plus von 11 %. Im jüngsten Q3-Quartal zog die Umsatzdynamik nochmals an. Das Plus lag hier bei 14 %.
Noch wichtiger ist der sogenannte Runway. Nach Angaben von Visa werden weltweit weiterhin mehr als 40 Bio. US-Dollar an Konsumausgaben über Bargeld, Schecks, klassische Banküberweisungen oder andere Zahlungswege abgewickelt. Ein erheblicher Teil dieser Zahlungsströme könnte langfristig digitalisiert werden und bei Visa als Umsatz in den Büchern landen.
Die Wachstumstreiber von Visa im Detail
Und so sieht der Kern der Wachstumsthese aus: Visa muss nicht darauf hoffen, dass Verbraucher plötzlich doppelt so viel konsumieren. Es reicht bereits, wenn zukünftig ein immer größerer Anteil der bestehenden Zahlungsströme über digitale Netzwerke läuft.
Hinzu kommen neue Wachstumsfelder. Visa baut sein Geschäft mit kommerziellen Zahlungen, internationalen Geldtransfers und sogenannten Value-Added Services aus. Letztere erzielten 2025 bereits knapp 11 Mrd. US-Dollar Umsatz und wuchsen seit 2021 mit mehr als 20 % pro Jahr auf Basis konstanter Wechselkurse.
Aber es gibt noch mehr Fantasie, wenn man an Künstliche Intelligenz, Tokenisierung und Stablecoins denkt. Sie verändern zwar die Infrastruktur des Zahlungsverkehrs, doch was für Visa zunächst wie eine Bedrohung aussieht, könnte sich als riesige Wachstumsopportunität entpuppen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Visa ewig zweistellig wachsen muss. Je größer das Unternehmen wird, desto schwieriger wird es natürlich, die bisherigen Wachstumsraten zu halten.
Genau deshalb ist auch immer die Bewertung vor einem Aktienkauf entscheidend. Und hier gilt: Je höher der Preis der Aktie, desto länger muss das Wachstum anhalten, damit die Renditeerwartung aufgeht.
PepsiCo ist aktuell der Gegenpol. Das Unternehmen besitzt zwar starke Marken und eine enorme Vertriebskraft, doch das organische Wachstum ist strukturell deutlich niedriger. 4 % Einstiegsrendite sind verlockend, aber bei schwachem Wachstum deutlich weniger wert.
Für 2026 erwartet PepsiCo ein organisches Umsatzwachstum von 2 bis 4 % und ein Wachstum des bereinigten Gewinns je Aktie von 4 bis 6 %. Nicht schlecht, aber im Vergleich zu den zweistelligen EPS-Zuwächsen von Visa deutlich weniger.
Fazit: Der Wachstumshorizont entscheidet
Eine Aktie mit 0,7 % Dividendenrendite kann langfristig die bessere Investition sein als ein Unternehmen mit 4 % Ausschüttung. Dafür muss sie aber nicht nur heute schneller wachsen. Ihr Wachstumsvorsprung muss groß genug und vor allem dauerhaft sein.
Das das bei Visa der Fall sein kann, dafür sprechen mehrere strukturelle Trends. Die entscheidende Grenze ist jedoch die Bewertung.
Der Artikel 0,7 % Dividende sind nur unter dieser Bedingung besser als 4 % von PepsiCo ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.