Die Commerzbank-Aktie konnte den zuletzt starken Kursanstieg nicht fortsetzen und korrigierte wieder leicht. Am Mittwoch notiert sie aktuell bei 41,70 €. Solche kleinen Rücksetzer sind nach einem stärkeren Kursanstieg durchaus normal, insbesondere wenn das Börsenumfeld schwächer ist. Die wichtigere Frage ist inzwischen jedoch: Wie geht es bei den Gesprächen zwischen UniCredit, der Commerzbank und dem Bund weiter?
Beiderseitige Beurteilungen des Gesprächs
Beim Treffen von UniCredit-CEO Andrea Orcel und Bundesfinanzminister Lars Klingbeil am 14. September legte der Bund seine zentralen Interessen dar.
Berlin fordert unter anderem, dass die Commerzbank börsennotiert bleibt, ihren Sitz in Frankfurt behält und ihre wichtige Rolle bei der Finanzierung des deutschen Mittelstands fortführt. Auch die Interessen der mehr als 40.000 Beschäftigten stehen für die Bundesregierung im Mittelpunkt.
Finanzminister Klingbeil bezeichnete das Gespräch als konstruktiv. Auch Orcel sprach von einem konstruktiven ersten Austausch. Damit ist der Dialog zwischen Berlin und UniCredit eröffnet, obwohl bei wichtigen Punkten weiterhin unterschiedliche Vorstellungen bestehen.
Klingbeil erklärte:
Ich habe in einem konstruktiven Gespräch mit Herrn Orcel deutlich gemacht: Die weiteren Verhandlungen müssen verantwortungsbewusst geführt werden.
Die konkreten Bedingungen müssen nun in weiteren Gesprächen geklärt werden. Dabei verhandeln grundsätzlich die beiden Banken über ihren weiteren Weg; der Bund bringt seine Interessen und Bedingungen in diesen Prozess ein. Das hat die Bundesregierung ausdrücklich betont.
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Große Unterschiede bei wichtigen Punkten
Trotz der gegenseitigen Bekenntnisse über ein konstruktives Gespräch dürften wichtige Aspekte weiterbestehen. Hier müssen Lösungen gefunden werden.
Wer führt die Gespräche?
Die Bundesregierung hat sich vor dem Treffen eng mit der Commerzbank, dem Betriebsrat und weiteren Beteiligten abgestimmt. Gleichzeitig stellt Berlin klar, dass die eigentlichen Verhandlungen über die Zukunft der beiden Banken zwischen Commerzbank und UniCredit stattfinden.
Die Commerzbank selbst betont inzwischen, dass ein konstruktiver Dialog mit UniCredit der richtige Weg sei, um eine nachhaltig wertschaffende Lösung zu erreichen. Gleichzeitig verweist sie weiterhin auf ihre eigene Strategie und die Weiterentwicklung als eigenständiges Unternehmen. Damit hat sich die Situation gegenüber der früheren Abwehrhaltung zwar verändert, ein gemeinsames Konzept für die Zukunft gibt es aber noch nicht.
Die UniCredit hält Gespräche auf Ebene mit dem Bund für wichtiger. Hier gilt es eine Lösung zu finden. Es dürfte zwar zu Gesprächen mit dem Bankvorstand der Commerzbank kommen, diese sind aus Sicht der italienischen Großbank nur zweitrangig.
Eigenständigkeit und Börsennotierung im Mittelpunkt
Der Bund möchte, dass die Commerzbank als börsennotiertes Unternehmen mit Sitz in Frankfurt erhalten bleibt. Für UniCredit ist dagegen entscheidend, wie die Zusammenarbeit wirtschaftlich und gesellschaftsrechtlich ausgestaltet werden kann.
UniCredit hält inzwischen 47,59 % des Commerzbank-Kapitals beziehungsweise 49,65 % der Stimmrechte. Damit verfügt der italienische Konzern über eine sehr starke Position, besitzt aber noch keine formale Mehrheit der Stimmrechte.
Die Aussage, UniCredit habe bereits automatisch die Mehrheit in der nächsten Hauptversammlung, wäre deshalb zu weitgehend. Aufgrund des hohen Anteils kann UniCredit allerdings erheblichen Einfluss auf wichtige Entscheidungen ausüben.
Führung und Stellenabbau als Konfliktpunkte
Besonders deutlich werden die unterschiedlichen Vorstellungen bei der künftigen Führung.
Reuters berichtete nach dem Treffen am 15. September unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen, dass Orcel Bettina Orlopp nicht dauerhaft als Commerzbank-Chefin sehen wolle und sich gegen zwei Aufsichtsratsmandate des Bundes ausgesprochen habe. Ebenfalls wurde berichtet, dass UniCredit einen Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrats anstrebe. Dabei handelt es sich um berichtete Positionen von UniCredit, nicht um bereits beschlossene Personalentscheidungen.
Auch beim Thema Beschäftigung gibt es unterschiedliche Interessen. Die Bundesregierung stellt den Schutz der Beschäftigten ausdrücklich in den Mittelpunkt. Gleichzeitig ist es sinnvoll, dass UniCredit bei einer Zusammenführung mit der eigenen deutschen Tochter HypoVereinsbank nach möglichen Doppelstrukturen und Einsparpotenzialen suchen wird.
Ein Stellenabbau dürfte mittelfristig kaum auszuschließen sein.
Bewertung
Das erste Treffen zwischen Klingbeil und Orcel war vor allem ein gegenseitiges Abtasten. Der Gesprächsfaden ist nun hergestellt, doch die zentralen Fragen sind weiterhin ungeklärt.
Beide Seiten werden ihre Grundpositionen dargestellt haben. Jetzt kommt es auf weiter Gespräche an.
In welchem Kontext Gespräche auf Managementebene ablaufen ist ungewiss. Gerade hier zeigen die jüngsten Berichte, dass die Vorstellungen beider Seiten weit auseinanderliegen.
Damit bleibt der weitere Verlauf offen. Ein Kompromiss bei Börsennotierung, Standort, und Beschäftigung könnte den Weg für eine Vereinbarung ebnen. Sollten die Positionen dagegen unvereinbar bleiben, dürfte der Übernahmeprozess deutlich schwieriger werden.
Die Gespräche sind einen wichtigen Schritt weitergekommen, von einer Einigung kann allerdings noch keine Rede sein.
Auf dem jetzigen Kursniveau eignet sich die Aktie aus meiner Sicht nicht mehr für einen Neueinstieg. Wer bereits investiert ist, kann die weiteren Gespräche zunächst abwarten.
Die Dividendenrendite von rund 2,6% spricht zwar für die Aktie, ist im Hinblick auf die Gesamtsituation weniger entscheidend.
Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.
Commerzbank in Kürze
- Die Commerzbank (WKN: CBK100) ist eine Universalbank mit Sitz in Frankfurt am Main. Gemessen an der Bilanzsumme ist sie das viertgrößte Geldhaus Deutschlands.
- Das Bankinstitut betreut rund elf Millionen Privat- und Firmenkunden in Deutschland und Europa und besitzt mit rund 400 Filialen eines der dichtesten Filialnetze aller deutschen Privatbanken.
- Die Aktie ist im DAX gelistet, an der Börse ist die Commerzbank derzeit aktuell mit 45,1 Milliarden € bewertet.
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