Es gibt Unternehmen, bei denen der wichtigste Wettbewerbsvorteil nicht in einer App, einem Patent oder künstlicher Intelligenz steckt. Er liegt buchstäblich auf Schienen. 

Union Pacific (WKN: 858718) besitzt eines der größten und wertvollsten Eisenbahnnetze der USA – und verdient damit seit Generationen Geld – nicht gerade wenig, um ehrlich zu sein. Für Einkommensanleger besonders interessant: Der Konzern zahlt seit 127 Jahren Dividenden und hat seine jährliche Ausschüttung inzwischen 20 Jahre in Folge erhöht.

Aber was macht dieses Unternehmen so erfolgreich und verlässlich? Dazu lohnt ein Blick in die Burggräben.

Dieser Burggraben lässt sich kaum kopieren

Union Pacific betreibt ein weit verzweigtes Schienennetz in 23 westlichen US-Bundesstaaten. Die Bahn verbindet wichtige Industriezentren, Häfen und Wirtschaftsräume und transportiert unter anderem Agrarrohstoffe, Chemikalien, Energieprodukte, Autos und Container.

Das Geschäftsmodell ist damit auf den ersten Blick recht langweilig. Kunden bezahlen Union Pacific dafür, Güter über lange Strecken zuverlässig und effizient zu transportieren. Doch gerade diese Einfachheit empfinde ich eher als eine Stärke.

Denn das eigentliche Kapital des Konzerns sind nicht nur Lokomotiven und Güterwagen, sondern die Infrastruktur selbst. Warum?

Nun, ein Konkurrent müsste für ein vergleichbares Netz enorme Summen investieren, Grundstücke sichern, Genehmigungen erhalten, Brücken und Tunnel bauen und zahlreiche Anschlüsse schaffen. Das macht den Burggraben ausgesprochen robust, ja vielleicht sogar unmöglich.

Und falls doch, wäre der Markt für einen weiteren Wettbewerber ohnehin nicht groß genug, um profitabel zu sein. Zudem handelt es sich nicht um einen gesättigten Markt mit geringen Wachstumsraten. 

Für Union Pacific spielt wichtiger Skaleneffekt, denn das Schienennetz verursacht hohe Fixkosten. Aber: Je mehr Fracht darüber transportiert wird, desto besser können diese Kosten verteilt werden.

Dank seines Burggrabens kann Union Pacific die Preise recht gut anpassen und seine Produktivität verbessern, ohne für jeden zusätzlichen Transport eine komplett neue Infrastruktur errichten zu müssen.

In der Vergangenheit klappte das bilderbuchmäßig. Die EBIT-Marge liegt heute regelmäßig über 40 %. 

Aus meiner Sicht scheint das größte Problem eher das Wachstum zu sein. Aber auch hier gibt es Perspektiven.

Woher Union Pacific künftig wachsen kann

Das Wachstum muss nicht allein aus immer größeren Transportmengen kommen. Preissteigerungen, höhere Auslastung, effizientere Abläufe und eine bessere Netzproduktivität können die Profitabilität ebenfalls erhöhen.

Besonders interessant ist der grenzüberschreitende Handel mit Mexiko. Gleichzeitig könnten steigende Investitionen in die US-Industrie und die Verlagerung von Transporten vom Lkw auf die Schiene zusätzliche Nachfrage erzeugen.

Fazit: Ein Burggraben auf Schienen – aber nicht um jeden Preis

Union Pacific ist kein Unternehmen, das mit spektakulärem Wachstum auf sich aufmerksam macht. Seine Stärke ist etwas Unspektakuläreres: eine Infrastruktur, die sich kaum nachbauen lässt, eine wichtige Rolle im US-Güterverkehr und ein Geschäftsmodell mit langfristig attraktiven Skaleneffekten.

Für langfristige Anleger wie mich ist genau diese Kombination interessant. Der entscheidende Punkt bleibt jedoch die Bewertung. Denn selbst ein außergewöhnliches Unternehmen kann eine schlechte Investition sein, wenn der Preis zu hoch ist. Und die scheint für das aktuell gebotene Wachstum mit einem 22er-KGV der Fall zu sein.

Wer Union Pacific oder andere Burggraben-Aktien analysieren möchte, sollte jedoch nicht nur auf Umsatz, Gewinn und das KGV achten. Ausschlaggebend ist, was hinter den Zahlen steckt und ob die Qualität des Geschäfts den aktuellen Aktienkurs rechtfertigt. Genau hier wird die richtige Bilanzanalyse zum entscheidenden Werkzeug.

Der Artikel Diese Burggraben-Aktie ist fast unzerstörbar – und zahlt seit 127 Jahren Dividende! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.