Einmal investieren, regelmäßig Geld erhalten und irgendwann vom eigenen Depot leben: Die Vorstellung von 10.000 Euro Dividende im Jahr ist für viele Anleger ein ernstzunehmendes Ziel.
Doch die Rechnung hinter diesem Ziel ist weniger glamourös. Denn entscheidend ist nicht, welche Aktie die höchste Dividendenrendite verspricht, sondern ob die Ausschüttung langfristig überhaupt sicher ist.
Die Dividendenrendite ist nur die halbe Wahrheit
Auf dem Papier sieht eine hohe Dividendenrendite attraktiv aus. In der Praxis kann sie allerdings eine Falle sein.
Fällt der Aktienkurs eines Unternehmens stark, steigt die Dividendenrendite rechnerisch automatisch – obwohl sich die wirtschaftliche Situation des Unternehmens verschlechtert haben kann. Eine außergewöhnlich hohe Rendite ist daher nicht selten ein Warnsignal statt ein Geschenk.
Wichtiger als die nackte Prozentzahl ist die Frage, wie nachhaltig die Dividende finanziert wird. Anleger sollten deshalb auf Gewinne, freien Cashflow, Verschuldung und die Ausschüttungsquote achten.
Auch die Entwicklung der Dividende über viele Jahre liefert wichtige Hinweise. Ein Unternehmen, das seine Ausschüttung regelmäßig und aus eigener Kraft steigern kann, ist für langfristige Einkommensstrategien interessanter als ein Konzern, der mit einer zweistelligen Rendite lockt, aber finanziell auf wackligen Beinen steht.
Und dann wären da noch Steuern und Inflation. 10.000 Euro Bruttodividende sind nicht automatisch 10.000 Euro verfügbares Einkommen.
Gleichzeitig sinkt die Kaufkraft des Geldes mit der Zeit. Wer heute eine bestimmte Summe anstrebt, sollte deshalb auch überlegen, wie hoch das benötigte Einkommen in zehn oder 20 Jahren sein muss.
Am Ende reicht ein durchschnittliches Dividendenwachstum nicht aus. Es muss überdurchschnittlich im hohen einstelligen Bereich oder sogar zweistellig wachsen, damit man real reicher wird.
Das funktioniert nur mit besonders guten Aktien, die über dem normalen Inflationsniveau wachsen. Dafür müssen entsprechende Burggräben, ein attraktives asset-light Geschäftsmodell und Wachstumspotenziale vorhanden sein.
Fazit: Nicht die höchste Dividende, sondern die Qualität dahinter ist entscheidend
10.000 Euro Dividende pro Jahr sind kein unrealistisches Ziel. Sie erfordern jedoch Kapital, eine disziplinierte Strategie und vor allem eine sorgfältige Auswahl der Unternehmen.
Wer nur auf die höchste Dividendenrendite schaut, riskiert, eine vermeintlich attraktive Ausschüttung mit einem schwachen Geschäftsmodell zu verwechseln. Mein Rat: Setze daher lieber auf Unternehmen mit stabil wachsenden Gewinnen, hohen freien Cashflows und einer soliden Bilanz. Erst dann wird aus einem Dividendeninvestment wirklich ein passives Einkommen und keine Mogelpackung.
Der Artikel Passives Einkommen oder Mogelpackung? Worauf du für 10.000 Euro Dividende wirklich achten musst! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.