Die Aktie von First Solar hat sich in den vergangenen Monaten trotz einer überwiegend positiven operativen Entwicklung schwächer als erwartet entwickelt. Nach politischen Turbulenzen und starken Kursschwankungen könnte sich das Umfeld nun stabilisieren und den Blick stärker auf Wachstum, Margen und Ertragskraft des Solarkonzerns lenken.

Der Markt honoriert die Fortschritte bislang nicht

Aktien können enttäuschen, weil entweder das Unternehmen hinter den Erwartungen zurückbleibt oder der Markt die Entwicklung anders bewertet als erwartet. Bei First Solar scheint derzeit vor allem der zweite Faktor eine Rolle zu spielen.

Seit der positiven Einschätzung im Februar hat First Solar knapp 3 Prozent verloren und liegt auch langfristig kaum über den Niveaus von Anfang 2023. Dabei ist der Nachrichtenfluss zum operativen Geschäft überwiegend positiv. Der zunächst enttäuschende Ausblick für 2026 wurde nach den Ergebnissen des ersten und zweiten Quartals bestätigt.

Politische und regulatorische Entwicklungen haben den Kurs immer wieder stark bewegt. Zwei Erholungsrallyes wurden allerdings vollständig wieder abverkauft. Besonders auffällig ist die schwache Entwicklung im Vergleich zum S&P 500, der im gleichen Zeitraum mehr als 11 Prozent zulegte.

Das ist ein Warnsignal. Gleichzeitig erscheint das externe Umfeld inzwischen berechenbarer. Damit könnte sich die Aufmerksamkeit wieder stärker auf die fundamentalen Stärken von First Solar richten.

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Die günstige Bewertung täuscht auf den ersten Blick

Die Bewertung von First Solar ist komplizierter, als die üblichen Kennzahlen vermuten lassen. Auf Basis der Prognose für 2026 liegt das Verhältnis von Unternehmenswert zu EBITDA bei rund dem 7,5-Fachen, während das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis unter zwölf liegt.

Diese Werte enthalten jedoch die erheblichen Steuergutschriften nach Section 45X. First Solar erwartet 2026 ein bereinigtes EBITDA von rund 2,7 Milliarden US-Dollar, wovon etwa 2,145 Milliarden US-Dollar auf diese Förderungen entfallen.

Ohne die Steuergutschriften wäre das operative Ergebnis aufgrund hoher Abschreibungen vermutlich nur knapp positiv oder sogar leicht negativ. Gleichzeitig liegt die Marktkapitalisierung bei mehr als 22 Milliarden US-Dollar.

Andererseits werden die 45X-Gutschriften noch über mehrere Jahre erhebliche Einnahmen liefern. Der Barwert dieser zukünftigen Zahlungen könnte bei rund 8 Milliarden US-Dollar liegen. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren und der Kosten aus einer noch nicht vollständigen Auslastung erscheint die Aktie eher mit etwa dem 20-Fachen des EBITDA bewertet.

First Solar ist damit keine klassische Value-Aktie. Die Bewertung setzt weiterhin auf Wachstum. Entscheidend ist deshalb, ob das Unternehmen in den kommenden Jahren Umsätze und Margen deutlich steigern kann.

Die größten Risiken liegen in der Branche

Skeptiker haben gute Argumente. Der Anteil leerverkaufter Aktien liegt bei rund 10 Prozent, was zeigt, dass ein erheblicher Teil des Marktes auf fallende Kurse setzt.

Das größte Risiko bleibt die Solarindustrie. First Solar ist einer der wenigen verbliebenen großen US-Hersteller, nachdem der heimische Markt über Jahrzehnte durch günstige Konkurrenz aus dem Ausland stark unter Druck geraten war.

Staatliche Unterstützung hat dem Unternehmen geholfen. Dennoch stellt sich die Frage, ob First Solar langfristig auch ohne politische Förderung ausreichend wettbewerbsfähig bleibt. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz in den USA.

Sollte das Unternehmen seine Preise nicht halten können, könnten die Margen nach dem schrittweisen Auslaufen der 45X-Gutschriften erheblich unter Druck geraten. Politische Entscheidungen, Zölle und Handelsbeschränkungen bleiben ebenfalls wichtige Risikofaktoren.

Neue Kapazitäten schaffen Wachstumschancen

Die positive Investmentthese basiert vor allem auf zwei Faktoren: steigenden Produktionskapazitäten und einer möglichen Verbesserung der Margen.

First Solar erwartet einen Anstieg seiner Produktionskapazität von rund 19 auf 22,1 Gigawatt. Eine neue Anlage in South Carolina soll einen wesentlichen Beitrag leisten.

Der hohe Auftragsbestand liegt weiterhin deutlich über der verfügbaren Produktionskapazität. Dadurch kann First Solar bei neuen Aufträgen selektiver vorgehen. Gleichzeitig könnte eine bessere Auslastung der Werke die Profitabilität verbessern.

Der Markt rechnet im kommenden Jahr mit einem Umsatzwachstum von rund 17 Prozent. Die höhere Produktionskapazität sollte damit zu einem wichtigen Wachstumstreiber werden.

Margen bieten erhebliches Aufwärtspotenzial

Besonders interessant ist die aktuelle Profitabilität. Ohne die Steuergutschriften liegt die operative Marge derzeit bei lediglich rund 7 Prozent. Zusätzlich belasten Kosten aus einer nicht vollständigen Auslastung.

Historisch hat First Solar deutlich höhere Margen erzielt. Eine Normalisierung könnte daher erhebliche Auswirkungen auf EBITDA und operatives Ergebnis haben.

Die Kombination aus steigenden Umsätzen und einer Verbesserung der Bruttomarge könnte die Ertragskraft des Unternehmens in den kommenden Jahren deutlich erhöhen. Gleichzeitig dürften die Investitionsausgaben zurückgehen, wodurch sich der freie Cashflow ab 2027 verbessern könnte.

First Solar hat zudem in der Vergangenheit bewiesen, dass das Unternehmen schwierige Marktphasen überstehen kann. Die führende Stellung in der US-Solarproduktion und technologische Weiterentwicklungen wie CuRe könnten die Wettbewerbsposition zusätzlich stärken.

Die politische Lage könnte zum Vorteil werden

Auch das politische Umfeld entwickelt sich derzeit tendenziell positiv. Die 45X-Gutschriften wurden zwar angepasst, blieben aber grundsätzlich erhalten. Weitere Maßnahmen gegen günstige Importe könnten die Position amerikanischer Hersteller stärken.

Geopolitische Risiken und die wachsende Bedeutung sicherer Lieferketten sprechen ebenfalls für eine stärkere heimische Produktion. Davon könnte First Solar als einer der führenden US-Hersteller profitieren.

Zölle bergen allerdings auch Risiken. Steigende Preise für Solarmodule könnten Projekte unwirtschaftlicher machen und die Nachfrage der gesamten Branche belasten. Entscheidend wird sein, ob die politischen Maßnahmen vor allem die Wettbewerbsposition von First Solar verbessern oder den Solarmarkt insgesamt schwächen.

Die steigende Stromnachfrage, unter anderem durch Rechenzentren und künstliche Intelligenz, bietet gleichzeitig langfristige Chancen. Es erscheint schwierig, den wachsenden Energiebedarf ohne einen erheblichen Ausbau der Solarenergie zu decken.

Die fundamentale Entwicklung spricht für mehr Optimismus

First Solar bleibt eine komplexe Investmentstory mit zahlreichen politischen und wirtschaftlichen Einflussfaktoren. Die wichtigsten fundamentalen Treiber sind jedoch vergleichsweise klar.

Die Produktionskapazitäten steigen, der Auftragsbestand ist hoch und die derzeit niedrigen Margen bieten erhebliches Verbesserungspotenzial. Wenn diese Faktoren zusammenwirken, könnte die Ertragskraft in den kommenden Jahren deutlich wachsen.

Der hohe Kassenbestand, die erwarteten Steuergutschriften und das Potenzial für steigenden freien Cashflow schaffen zusätzlich eine solide Grundlage. Sollte die politische Unsicherheit weiter abnehmen, könnte sich der Markt wieder stärker auf diese fundamentalen Faktoren konzentrieren.

First Solar bleibt eine chancenreiche, aber risikoreiche Wachstumsaktie. Steigende Kapazitäten und eine mögliche Margenerholung könnten der First-Solar-Aktie deutliches Aufwärtspotenzial verschaffen, sofern die Solarbranche und das politische Umfeld stabil bleiben.

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ℹ First Solar in Kürze

  • First Solar (WKN: A0LEKM) ist ein US-Solartechnikunternehmen mit Sitz in Tempe im Bundesstaat Arizona.
  • Das Unternehmen ist auf die Herstellung von Dünnschicht-Solarmodulen spezialisiert und zählt zu den größten Modulherstellern der Welt.
  • Darüber hinaus bietet First Solar ein breites Spektrum an Systemlösungen und Dienstleistungen im Bereich der Photovoltaik an.
  • Das Unternehmen notiert an der Nasdaq und ist derzeit rund 22 Milliarden US$ wert.

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