Seit unserer positiven Einschätzung im Juni hat die Aktie von JPMorgan Chase zweistellig zugelegt. Der Konzern gehört zu den größten und bekanntesten Finanzinstituten der Welt. Für Anleger stellt sich nach den jüngsten Quartalszahlen vor allem die Frage, ob die hohe Qualität der Bank den aktuellen Kurs der Stammaktie noch rechtfertigt oder ob die Vorzugsaktien inzwischen das interessantere Chance-Risiko-Verhältnis bieten.

Erneut überzeugende Quartalszahlen

Die Vorzugsdividenden von JPMorgan sind seit Langem komfortabel durch die Erträge der Bank gedeckt. Dennoch lohnt sich ein Blick auf die operative Entwicklung, denn die Ertragskraft des Instituts bildet letztlich die Grundlage für die Sicherheit der Ausschüttungen.

Auch im zweiten Quartal 2026 konnte JPMorgan überzeugen. Der Nettozinsertrag stieg im Jahresvergleich um knapp 10 Prozent auf 25,5 Milliarden Dollar. Noch stärker entwickelte sich jedoch das zinsunabhängige Geschäft, dessen Erträge um nahezu 50 Prozent zulegten. Besonders das Investmentbanking und die Erträge aus Handelsgeschäften entwickelten sich dynamisch.

Der Anstieg der Erträge ging zwar mit höheren operativen Kosten einher, dennoch erreichte das Ergebnis vor Steuern und Kreditvorsorge im zweiten Quartal rund 30 Milliarden Dollar. Damit lag der Wert mehr als 40 Prozent über dem entsprechenden Vorjahresniveau.

Zusätzlichen Rückenwind erhielt das Ergebnis durch die Kreditvorsorge, die um mehr als 10 Prozent zurückging. Der Nettogewinn belief sich auf 21,2 Milliarden Dollar, davon entfielen 20,75 Milliarden Dollar auf die Stammaktionäre. Der Gewinn je Aktie erreichte 7,71 Dollar. Für das erste Halbjahr 2026 ergibt sich damit ein Gewinn je Aktie von 13,65 Dollar, mehr als 30 Prozent über dem Vorjahreswert.

Für Anleger in Vorzugsaktien ist insbesondere die Ausschüttungsdeckung relevant. JPMorgan musste im vergangenen Quartal lediglich rund 2 Prozent des Nettogewinns für die Dividenden auf die Vorzugsaktien aufwenden. Damit verfügt die Bank über einen erheblichen Sicherheitspuffer, selbst wenn sich die Kreditqualität künftig deutlich verschlechtern sollte.

Vorzugsaktie bietet weiterhin attraktives Ertragspotenzial

JPMorgan hatte vor rund fünf Jahren 80 Millionen Vorzugsaktien der Serie MM mit der ISIN US48128B5232 ausgegeben. Die nicht kumulative Vorzugsaktie zahlt eine jährliche Dividende von 4,20 Prozent beziehungsweise 1,05 Dollar je Aktie, verteilt auf vier vierteljährliche Zahlungen. Das gesamte Emissionsvolumen belief sich auf 2 Milliarden Dollar und war damit für JPMorgan durchaus bedeutend. Die Bank profitierte seinerzeit von den niedrigen Finanzierungskosten an den Kapitalmärkten.

Das heutige Zinsumfeld stellt diese Vorzugsaktien in ein deutlich anderes Licht. Die Serie MM notiert derzeit erheblich unter ihrem Rückzahlungspreis von 25 Dollar. Gleichzeitig erscheint das Risiko einer kurzfristigen Kündigung begrenzt, obwohl die Wertpapiere seit dem 1. September kündbar sind.

Sollte JPMorgan die Vorzugsaktien in drei, vier oder fünf Jahren zum Nennwert von 25 Dollar zurückzahlen, könnte daraus für Anleger eine attraktive annualisierte Gesamtrendite entstehen. Ausgehend von einem aktuellen Kurs von 16,44 Dollar würde eine Rückzahlung zu 25 Dollar allein einen Kursgewinn von rund 52 Prozent bedeuten.

Bei diesem Kurs liegt die laufende Rendite der Vorzugsaktie bei etwa 6,39 Prozent. Damit beträgt der Renditeaufschlag gegenüber zehnjährigen US-Staatsanleihen rund 166 Basispunkte und gegenüber fünfjährigen US-Staatsanleihen etwa 216 Basispunkte. Angesichts der Bonität von JPMorgan erscheint diese Verzinsung attraktiv, insbesondere weil zusätzlich die Möglichkeit eines langfristigen Kursgewinns besteht.

Bereits eine moderate Veränderung der Marktbedingungen könnte die Bewertung deutlich beeinflussen. Würde der Markt beispielsweise in zwei Jahren eine Rendite von 6 Prozent für die JPMorgan-Vorzugsaktie verlangen, ergäbe sich daraus ein theoretischer Wert von 17,50 Dollar. Zusammen mit den erhaltenen Dividenden könnte dies einer Gesamtrendite von nahezu 10 Prozent pro Jahr entsprechen.

Allerdings funktioniert dieser Mechanismus auch in die andere Richtung. Sollten die Marktzinsen weiter steigen, könnte die Vorzugsaktie weiterhin unter Druck geraten. Das Zinsniveau bleibt daher ein wesentlicher Faktor für die künftige Kursentwicklung.

Stammaktie bleibt hochwertig, aber ambitioniert bewertet

Die Stammaktien von JPMorgan sind derzeit nicht günstig. Allerdings zeigt die Entwicklung der Bank, weshalb Anleger bereit sind, für die Qualität des Instituts eine Bewertungsprämie zu zahlen.

Eine Bewertung von etwa dem 12- bis 14-Fachen des erwarteten Gewinns erscheint weiterhin vertretbar. Bei einem für das Geschäftsjahr 2027 erwarteten Gewinn je Aktie von rund 25 Dollar wird JPMorgan jedoch bereits am oberen Ende dieser Bewertungsspanne gehandelt.

Damit ist die Stammaktie aus heutiger Sicht kein offensichtliches Schnäppchen. Bei deutlicheren Kursrückgängen könnte JPMorgan jedoch wieder interessanter werden. Ein Kursniveau im Bereich von etwas über 300 Dollar würde die Bewertung aus Sicht eines langfristig orientierten Anlegers deutlich attraktiver machen.

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Attraktive Kombination aus laufender Rendite und Kurspotenzial

Für einkommensorientierte Anleger erscheint die Vorzugsaktie der Serie MM derzeit besonders interessant. Die laufende Rendite von rund 6,39 Prozent wird durch die starke Ertragskraft von JPMorgan komfortabel gedeckt, während eine mögliche Rückzahlung zum Nennwert zusätzlich erhebliches Kurspotenzial eröffnet.

Gleichzeitig ist das Investment nicht ohne Risiken. Steigende Marktzinsen könnten die Vorzugsaktie weiter belasten, und auch eine Veränderung der Kapitalstruktur oder der Refinanzierungsbedingungen von JPMorgan könnte die Attraktivität beeinflussen. Angesichts der aktuellen Bewertung und der finanziellen Stärke der Bank erscheint das Verhältnis zwischen laufenden Erträgen und möglichen Kursgewinnen jedoch weiterhin interessant.

Die Stammaktie von JPMorgan bleibt ein hochwertiges Unternehmen zu einer entsprechend anspruchsvollen Bewertung. Die Vorzugsaktie der Serie MM mit der ISIN US48128B5232 bietet dagegen eine attraktive laufende Rendite und zusätzliches Kurspotenzial, weshalb sie für einkommensorientierte Anleger derzeit besonders interessant erscheint.

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