Die Aktie des Rüstungskonzerns Rheinmetall bleibt eine klare Kaufempfehlung. Die jüngsten Quartalszahlen zeigen, dass die vorherige Kursschwäche weniger mit einer nachlassenden Nachfrage als mit verzögerten Umsätzen, langsamen Vergabeprozessen und hohen Investitionen zusammenhing.

Zweites Quartal liefert den Beleg

Im zweiten Quartal 2026 erzielte Rheinmetall 3,29 Milliarden Euro Umsatz, 69 Prozent mehr als im Vorjahr. Das operative Ergebnis mehr als verdoppelte sich auf 562 Millionen Euro, die Marge stieg von 13,4 auf 17,1 Prozent. Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Umsatz um 39 Prozent auf 5,23 Milliarden Euro, während das operative Ergebnis um 74 Prozent auf 786 Millionen Euro zulegte.

Damit bestätigt sich die Annahme, dass ein Teil der schwächeren Entwicklung im ersten Quartal lediglich auf Verschiebungen bei Lieferungen zurückzuführen war. Gleichzeitig erreichte der Auftragsbestand 80,5 Milliarden Euro und stieg damit um 44 Prozent.

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Verzögerte Umsätze werden nachgeholt

Im ersten Quartal waren rund 200 Millionen Euro an Lkw-Umsätzen und weitere 100 Millionen Euro aus Munitionslieferungen aufgrund von Liefer- und Abnahmezeitpunkten verschoben worden. Das zweite Quartal zeigt nun, dass diese Umsätze nicht verloren gingen.

Auch ohne diese Verschiebungen lag das Umsatzwachstum bei mehr als 50 Prozent. Besonders stark entwickelten sich Vehicle Systems, Weapon and Ammunition sowie Air Defense. Digital Systems steigerte ebenfalls deutlich sein operatives Ergebnis.

Der hohe Auftragsbestand sorgt zugleich für außergewöhnliche Umsatzvisibilität. Er entspricht inzwischen fast dem Sechsfachen des für 2026 erwarteten Umsatzes.

Fahrzeuggeschäft bleibt wichtiger Wachstumstreiber

Vehicle Systems steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 21 Prozent auf 1,45 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg um 84 Prozent auf 180 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich auf 12,5 Prozent.

Zu den wichtigen neuen Aufträgen zählen 298 Lynx-Fahrzeuge für Rumänien sowie die Ausweitung der deutschen Puma-Beschaffung. Die Auftragseingänge des Bereichs beliefen sich im ersten Halbjahr auf 6,69 Milliarden Euro.

Munition und Luftverteidigung wachsen besonders stark

Weapon and Ammunition erzielte 1,16 Milliarden Euro Umsatz, 60 Prozent mehr als im Vorjahr. Das operative Ergebnis stieg um 82 Prozent auf 298 Millionen Euro, die Marge erreichte 25,8 Prozent.

Noch schneller wuchs Air Defense. Der Umsatz legte um 78 Prozent auf 285 Millionen Euro zu, das operative Ergebnis mehr als verdoppelte sich auf 46 Millionen Euro. Digital Systems steigerte das operative Ergebnis um 80 Prozent bei 30 Prozent Umsatzwachstum.

Auftragsbestand bietet enorme Visibilität

Ende Juni lag der Auftragsbestand bei 80,47 Milliarden Euro. Davon entfielen 56,34 Milliarden Euro auf feste Aufträge und 24,13 Milliarden Euro auf Rahmenaufträge. Rund 90 Prozent der erwarteten Umsätze aus dem Auftragsbestand für die kommenden zweieinhalb Jahre sind bereits durch feste Aufträge abgesichert.

Weitere große Programme könnten den Auftragsbestand bis Jahresende auf mehr als 100 Milliarden Euro und möglicherweise in Richtung 120 Milliarden Euro treiben. Dazu zählt insbesondere das deutsche Arminius-Programm mit einem erwarteten Fahrzeugauftrag von rund 12,4 Milliarden Euro.

Weniger Investitionen verbessern die Cashflow-Perspektive

Rheinmetall erwartet für 2026 inzwischen Investitionen von lediglich 8 bis 9 Prozent des Umsatzes. Ursprünglich waren rund 16 Prozent vorgesehen.

Ein Teil der Entlastung entsteht durch Verschiebungen, doch das Unternehmen sieht auch Effizienzgewinne. In einigen Produktionsstätten soll der Output um 10 bis 15 Prozent stärker ausfallen können als ursprünglich geplant.

Das ist für Anleger besonders relevant, weil die zentrale Frage bei Rheinmetall nicht das Gewinnwachstum, sondern dessen Umwandlung in freien Cashflow ist. Weniger Kapitalbedarf bei gleichzeitig steigender Produktion könnte die langfristige Cashflow-Entwicklung deutlich verbessern.

F126 ist ein Rückschlag, aber kein Strategiewechsel

Die Einstellung des F126-Fregattenprogramms ist der größte negative Punkt der aktuellen Zahlen. Rheinmetall reduzierte deshalb die Umsatzprognose für 2026 um 300 Millionen Euro. Die Belastung entfällt vollständig auf Naval Systems.

Die Umsatzprognose für den Bereich wurde auf 1,0 bis 1,2 Milliarden Euro gesenkt, die erwartete Marge auf 10 bis 11 Prozent. Der damit verbundene Auftragsbestand von 2,15 Milliarden Euro wurde im Juli abgeschrieben.

Langfristig ist die Bedeutung jedoch begrenzt. Rheinmetall erwartet weiterhin rund fünf Milliarden Euro Umsatz und eine Profitabilität von etwa 15 Prozent bei Naval Systems im Jahr 2030. Neue deutsche und internationale Programme sollen die frei werdenden Kapazitäten ausgleichen.

Rumänien liefert ein Modell für Europas Aufrüstung

Rumänien zeigt, wie steigende Verteidigungsausgaben schneller in konkrete Aufträge umgesetzt werden können. Das Land kombiniert umfangreiche Beschaffungspakete mit lokaler Produktion, Technologietransfer und industriellen Partnerschaften.

Das SAFE-Paket umfasst unter anderem Kampffahrzeuge, Luftverteidigungssysteme, Munition und Marineschiffe. Für Rheinmetall entsteht dadurch nicht nur zusätzlicher Umsatz, sondern auch eine langfristige industrielle Präsenz.

Prognose bleibt abseits von Naval Systems stabil

Die gesenkte Umsatzprognose wirkt auf den ersten Blick negativer, als sie tatsächlich ist. Sie geht ausschließlich auf das weggefallene F126-Geschäft zurück.

Das Margenziel von rund 19 Prozent sowie das Ziel einer Cash-Conversion von mehr als 40 Prozent bleiben unverändert. Auch die Prognosen für Vehicle Systems, Weapon and Ammunition, Air Defense und Digital Systems wurden bestätigt.

Hohe Bewertung wird durch Wachstum relativiert

Mit einem erwarteten EV/EBITDA von rund über 27 und einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 47 ist die Aktie auf den ersten Blick teuer. Die Bewertung muss allerdings im Zusammenhang mit dem erwarteten Gewinnwachstum betrachtet werden.

Bis 2028 wird ein Umsatzwachstum von rund 35 Prozent pro Jahr erwartet, während das EBITDA um etwa 40 Prozent jährlich steigen könnte. Gleichzeitig sollen die Margen auf mehr als 24 Prozent klettern.

Die freien Cashflows dürften wegen der hohen Investitionen zunächst langsamer wachsen. Dennoch könnten die niedrigeren Investitionsanforderungen die Cash-Generierung schneller verbessern als bislang erwartet.

Das zweite Quartal zeigt, dass die schwächere Entwicklung zu Jahresbeginn vor allem eine Frage des Timings war. Umsatz, Margen, operative Gewinne und Auftragsbestand entwickeln sich weiterhin dynamisch.

F126 ist ein Rückschlag, verändert aber nicht die langfristige Investmentthese. Die Kombination aus hoher Nachfrage, einem außergewöhnlichen Auftragsbestand und steigender Profitabilität spricht weiterhin klar für Rheinmetall.

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ℹ Rheinmetall in Kürze

  • Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
  • Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
  • Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
  • Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und Euro Stoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 56 Milliarden €.

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