Die Petrobras-Aktie zählt trotz ihrer anhaltend günstigen Bewertung weiterhin zu den interessantesten Werten im internationalen Ölsektor. Während viele Anleger vor allem auf den Ölpreis und die Dividende blicken, könnte in den kommenden Quartalen vor allem die steigende Produktion zum wichtigsten Kurstreiber werden.

Die Investmentthese für Petrobras stützt sich üblicherweise auf mehrere Faktoren. Dazu gehören die im Branchenvergleich niedrige Bewertung, attraktive Dividendenausschüttungen sowie die Aussicht auf eine weitere Reduzierung der Bruttoverschuldung auf rund 65 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen lag Ende 2026 bei etwa 67 Milliarden US-Dollar und arbeitet weiter am Schuldenabbau.

Allerdings ist die niedrige Bewertung kein neues Phänomen. Petrobras wird bereits seit Jahren deutlich günstiger gehandelt als viele Wettbewerber. Das Unternehmen notiert beim Verhältnis von Unternehmenswert zum erwarteten EBITDA ungefähr auf der Hälfte des Branchenmedians. Allein auf eine Neubewertung der Aktie zu setzen, erscheint daher wenig überzeugend, da sich dieser Bewertungsabschlag bislang hartnäckig gehalten hat.

Auch die Frage nach der Dividendenentwicklung hängt letztlich davon ab, wie sich Gewinne und freier Cashflow künftig entwickeln.

Übrigens, 3 Trend-Aktien sollest Du jetzt auf dem Zettel haben: Hier geht’s zum Gratis-Report für das Schlussquartal 2026!

Produktionswachstum könnte die Erwartungen übertreffen

Entscheidender erscheint daher die Entwicklung der Fördermengen. In den kommenden Quartalen dürfte Petrobras die Ölproduktion deutlich ausweiten und damit einen möglichen Gegenwind durch niedrigere Ölpreise zumindest teilweise ausgleichen.

Der aktuelle Analystenkonsens geht ab 2027 von rückläufigen Umsätzen aus. Diese Einschätzung könnte jedoch zu pessimistisch sein, da sie den erwarteten Produktionsanstieg möglicherweise nicht ausreichend berücksichtigt. Selbst bei moderaten Annahmen für den Brent-Ölpreis könnten höhere Fördermengen einen erheblichen Ausgleich schaffen.

Nach Angaben des Unternehmens sollen bereits vertraglich gesicherte schwimmende Förder-, Speicher- und Verladeeinheiten die Produktion bis Ende 2027 gegenüber dem Produktionsniveau vom April 2026 um rund acht Prozent steigern. Diese Entwicklung dürfte vom Markt bislang noch nicht vollständig eingepreist sein.

Kurzfristig könnte sich diese Einschätzung allerdings noch nicht im Aktienkurs widerspiegeln. Politische Einflussfaktoren und das Wahljahr in Brasilien dürften zunächst weiter belasten. Daher handelt es sich eher um eine langfristig orientierte Kaufchance als um eine Spekulation auf schnelle Kursgewinne.

Starkes erstes Quartal mit Sondereffekten

Das erste Quartal verlief operativ überzeugend. Sowohl EBITDA als auch Nettogewinn legten deutlich zu. Die eigene Produktion erreichte im April eine Fördermenge von 2,733 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag und lag damit rund 14 Prozent über dem Durchschnitt des Jahres 2025.

Hinter den Zahlen standen jedoch mehrere Besonderheiten. Ein Teil der Exporte aus März wurde noch zu den niedrigeren Februarpreisen abgerechnet. Dieser zeitliche Effekt belastete das erste Quartal und dürfte sich im zweiten Quartal umkehren. Zusätzlich wurden rund 80.000 Barrel pro Tag an Exportvolumen in das zweite Quartal übertragen und profitieren dort von höheren Verkaufspreisen.

Auf dem brasilianischen Heimatmarkt verhinderten staatliche Preisstützungen dagegen, dass höhere Ölpreise unmittelbar den operativen Cashflow verbesserten. Stattdessen entstanden Forderungen gegenüber dem Staat, die zwar das EBITDA beeinflussen können, den tatsächlichen Mittelzufluss jedoch verzögern.

Zweites Quartal dürfte keine große Überraschung bringen

Die Ergebnisse des zweiten Quartals dürften zwar stark ausfallen, gelten jedoch weitgehend als erwartet. Die positiven Preiseffekte aus den zeitlichen Verschiebungen sowie die nachgeholten Exporterlöse sprechen für solide Kennzahlen.

Entscheidender für den Aktienkurs könnte vielmehr die Entwicklung am Ölmarkt sein. Die erneuten Spannungen im Nahen Osten nach dem Ende der Waffenruhe im Juni haben den Brent-Preis wieder gestützt. Obwohl dieser noch unter den Höchstständen aus dem Frühjahr liegt, notiert er über den Prognosen der US-Energiebehörde, die Anfang Juli veröffentlicht wurden.

Die geopolitischen Risiken verdeutlichen zudem, dass der Ölmarkt auf absehbare Zeit anfällig für neue Spannungen bleiben dürfte. Für Petrobras wäre ein anhaltend stabiles Ölpreisniveau kurzfristig deutlich wichtiger als ein einzelner starker Quartalsbericht.

Im zweiten Quartal dürfte deshalb insbesondere beobachtet werden, wie sich die staatlichen Forderungen entwickeln und ob wichtige Förderprojekte wie die Plattform P-80 planmäßig voranschreiten.

Förderausbau spricht gegen sinkende Umsätze

Die erwarteten Umsatzrückgänge in den Jahren 2027 und 2028 erscheinen angesichts des bereits fest geplanten Produktionsausbaus nur schwer nachvollziehbar. Dafür müssten die zugrunde liegenden Ölpreisannahmen außergewöhnlich pessimistisch ausfallen.

Die bekannten Projekte sprechen vielmehr für eine kontinuierliche Produktionssteigerung bis Ende 2027. Selbst unter vorsichtigen Annahmen ergibt sich ein Produktionsplus von rund acht Prozent gegenüber dem Niveau vom April 2026.

Damit entsteht ein zusätzlicher Wachstumstreiber, der in den aktuellen Markterwartungen möglicherweise unterschätzt wird.

Kostenvorteile verbessern die Wettbewerbsposition

Die steigenden Fördermengen bringen nicht nur höhere Erlöse, sondern verbessern auch die Kostenstruktur. Neue Produktionskapazitäten stammen überwiegend aus dem Búzios-Pre-Salt-Feld, einem der profitabelsten Fördergebiete im Portfolio des Unternehmens.

Gleichzeitig sinkt die Gewinnschwelle kontinuierlich. Während Petrobras derzeit einen Ölpreis von etwa 59 US-Dollar je Barrel benötigt, um kostendeckend zu arbeiten, soll dieser Wert bis 2030 auf rund 48 bis 50 US-Dollar fallen.

Auch operative Fortschritte unterstützen diese Entwicklung. So könnte die Plattform P-79 ihre maximale Förderleistung bereits mit drei statt der ursprünglich geplanten vier Bohrlöcher erreichen. Die Plattform Almirante produziert bereits deutlich über ihrer ursprünglichen Auslegung. Weitere vergleichbare Anlagen sollen in den kommenden Jahren folgen.

Schuldenabbau erhält zusätzlichen Rückenwind

Ein weiterer positiver Aspekt betrifft die Finanzierung der neuen Produktionsanlagen. Die Plattformen P-80, P-82 und P-83 werden zunehmend als unternehmenseigene Vermögenswerte aufgebaut und reduzieren damit die Abhängigkeit von Leasingmodellen.

Zugleich wurden wesentliche Investitionen für die Plattformen P-78 und P-79 bereits abgeschlossen. Nach Unternehmensangaben stehen vor allem noch die Anbindungen der Förderbohrungen aus. Dadurch dürften die Investitionsausgaben in den kommenden Quartalen sinken und zusätzliche Mittel für den Schuldenabbau freisetzen.

Langfristige Perspektiven bleiben attraktiv

Insgesamt spricht vieles dafür, dass Petrobras durch steigende Fördermengen seine Abhängigkeit vom Ölpreis schrittweise reduziert. Kurzfristig bleiben stabile Ölpreise zwar entscheidend, doch mit zunehmendem Produktionswachstum gewinnt das Unternehmen zusätzliche Stabilität.

Sollte sich der erwartete Produktionsanstieg wie geplant realisieren, könnten die Umsätze in den Jahren 2027 und 2028 besser ausfallen als derzeit von Analysten prognostiziert. Gleichzeitig dürfte der Einfluss staatlicher Subventionen gegen Ende des Jahres nachlassen und den Cashflow zusätzlich entlasten.

Eine Neubewertung der Aktie bleibt zwar möglich, sollte jedoch nicht als zentrale Annahme dienen. Petrobras könnte trotz verbesserter Fundamentaldaten noch längere Zeit mit einem Bewertungsabschlag gehandelt werden. Für langfristig orientierte Anleger über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren erscheint die Kombination aus steigenden Fördermengen, sinkenden Produktionskosten und fortschreitendem Schuldenabbau dennoch attraktiv.

Die größten Unsicherheiten bleiben operative Risiken

Die größte Herausforderung besteht in einer planmäßigen Umsetzung der neuen Förderprojekte. Verzögerungen bei Plattformen wie P-80 könnten den erwarteten Produktionsanstieg und damit auch die langfristigen Renditeaussichten verschieben.

Hinzu kommt das Risiko sinkender Ölpreise, insbesondere falls diese bereits einsetzen, bevor die neuen Produktionskapazitäten vollständig verfügbar sind. Ebenfalls aufmerksam zu beobachten sind mögliche Investitionen außerhalb des Kerngeschäfts, etwa in Mexiko, Venezuela oder Braskem. Solche Projekte könnten Kapital binden, das andernfalls in den Ausbau des Búzios-Feldes oder den Schuldenabbau fließen würde.

Schließlich bleibt auch der Wechselkurs des brasilianischen Real gegenüber dem US-Dollar ein wichtiger Einflussfaktor für internationale Anleger. Derzeit erscheinen diese Risiken jedoch überschaubar und sprechen eher für mögliche zeitliche Verzögerungen als für eine grundsätzliche Veränderung der langfristigen Perspektiven.

Petrobras bleibt vor allem wegen des erwarteten Produktionswachstums interessant. Gelingt der geplante Ausbau ohne größere Verzögerungen, könnten die höheren Fördermengen die Geschäftsentwicklung in den kommenden Jahren stärker stützen als derzeit am Markt erwartet wird.

Tipp: In unserem exklusiven Rohstoff Anleger Club erzielen Mitglieder eine deutliche Outperformance gegenüber dem Markt.

The post Petrobras-Aktie: Darum könnte 2027 besser werden als erwartet first appeared on sharedeals.de.