Die SK Hynix-Aktie setzt ihre Talfahrt unvermindert fort. Nach Vorlage der aktuellen Quartalszahlen brach der Kurs am Mittwoch an der Heimatbörse in Seoul erneut um bis zu -20% ein, nachdem es bereits am Dienstag um mehr als -14% hinabgegangen war. Sind die Zahlen des südkoreanischen Speicherriesen wirklich so schlecht oder eröffnet der Kurseinbruch eine einmalige Kaufgelegenheit?
Rekordquartal mit kleinem Schönheitsfehler
Fundamental spricht zunächst wenig für den massiven Ausverkauf. SK Hynix erzielte im zweiten Quartal mit einem Umsatz von 79,32 Billionen Won bzw. 56,66 Milliarden US$ (+257% zum Vorjahr) und einem operativen Gewinn von 60,54 Billionen Won (+557%) die besten Ergebnisse der Unternehmensgeschichte. Die operative Marge erreichte mit 76% einen neuen Höchststand. Unter dem Strich schoss der Nettogewinn auf 93,92 Billionen Won nach oben, begünstigt durch Sondererträge aus dem Verkauf der Kioxia-Beteiligung.
Der Markt hatte allerdings noch mehr erwartet. Analysten waren im Vorfeld von rund 84 Billionen Won Umsatz und 64 Billionen Won operativem Gewinn ausgegangen. Hauptgrund für die leichte Enttäuschung waren verzögerte Auslieferungen der neuen HBM4-Speicherchips, wodurch sich ein Teil der Umsätze in das laufende Quartal verschiebt. Von einer schwachen Nachfrage kann daher keine Rede sein.
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KI-Boom bleibt intakt
Der Ausblick des Unternehmens fällt entsprechend optimistisch aus. SK Hynix rechnet im dritten Quartal sowohl bei DRAM als auch bei NAND mit weiterem Wachstum. Vor allem Betreiber großer KI-Rechenzentren und Cloud-Anbieter würden unverändert mehr Hochleistungsspeicher nachfragen, als derzeit verfügbar sei, so das Management.
Gleichzeitig erhöht der Konzern seine Investitionen auf einen Betrag im hohen 40-Billionen-Won-Bereich. Die Serienproduktion der HBM4-Chips läuft bereits, HBM4E-Muster wurden an wichtige Kunden ausgeliefert. Langfristige Liefervereinbarungen mit rund zehn internationalen Großkunden schaffen zusätzliche Planungssicherheit.
Die größten Risiken liegen derzeit weniger im operativen Geschäft als vielmehr im Marktumfeld. Anleger sorgen sich zunehmend, dass Hyperscaler ihre milliardenschweren KI-Investitionen künftig drosseln könnten. Hinzu kommen die technologischen Fortschritte chinesischer Wettbewerber wie CXMT, die mittelfristig den Wettbewerb im DRAM-Markt verschärfen könnten.
Kurzfristig gibt es allerdings weiterhin keinerlei Anzeichen für ein Ende des Speicherchip-Booms. Im Gegenteil: SK Hynix selbst erwartet auch für 2026 und darüber hinaus eine anhaltend angespannte Versorgungslage bei High-Bandwidth-Memory.
Analysten bleiben trotz Kurssturz optimistisch
Bemerkenswert ist, dass sich die Einschätzungen der Analysten trotz des Kursdebakels kaum verändert haben. Rund 45 von 47 Experten empfehlen die Aktie weiterhin zum Kauf, lediglich zwei empfehlen die Position zu halten.
Viele Analysten sehen den leichten Earnings-Miss lediglich als zeitliche Verschiebung von HBM4-Umsätzen und nicht als strukturelles Problem. Das durchschnittliche Kursziel liegt mit rund 3,26 Millionen Won weiterhin mehr als doppelt so hoch wie das aktuelle Kursniveau.
Auch die Bewertung ist nach dem Absturz wieder deutlich attraktiver geworden. Während das historische KGV zwar noch im mittleren Zehnerbereich liegt, bewegt sich das erwartete Forward-KGV nur noch zwischen etwa 4,5 und 6. Für einen Technologieführer mit zweistelligen Wachstumsraten und hoher Profitabilität erscheint das ausgesprochen günstig.
Charttechnik: Wichtige Unterstützungen rücken näher
Charttechnisch befindet sich die Aktie seit dem Rekordhoch Ende Juni bei knapp 3,0 Millionen Won in einer außergewöhnlich scharfen Korrektur. Bis zum Tagestief vom Mittwoch summierten sich die Verluste auf nahezu -60% – innerhalb von etwas mehr als einem Monat. Damit wurde das letzte offene Gap von Anfang Mai vollständig geschlossen.
Nach dem Bruch der 50- und 100-Tage-Linie richtet sich der Blick nun auf die 200-Tage-Linie bei 1.163.000 Won. Sie wurde seit Mai 2025 nicht mehr unterschritten und dürfte als erste bedeutende Unterstützung dienen. Darunter wartet mit dem ehemaligen Rekordhoch von Ende Februar bei 1.099.000 Won eine weitere Schlüsselmarke.
Positiv ist, dass die zuvor extrem überkaufte Marktlage inzwischen vollständig abgebaut wurde. Der RSI hat sich auf Tages-, Wochen- und Monatsbasis deutlich normalisiert und nähert sich im Tageschart bereits dem überverkauften Bereich. Der übergeordnete Aufwärtstrend bleibt trotz der heftigen Korrektur intakt – schließlich liegt die Aktie seit Jahresbeginn immer noch rund +115% im Plus.
Der Markt bestraft SK Hynix derzeit vor allem für verfehlte Erwartungen – nicht für eine schwache Geschäftsentwicklung. Die Nachfrage nach KI-Speicherchips bleibt hoch, die technologische Führungsposition ist intakt und auch die Analysten halten überwiegend an ihren Kaufempfehlungen fest.
Risiken durch mögliche Überinvestitionen im KI-Sektor oder eine stärkere chinesische Konkurrenz sollten Anleger zwar nicht ausblenden. Nach dem Kurssturz um fast -60%, einer wieder attraktiven Bewertung und einer deutlich bereinigten technischen Ausgangslage spricht jedoch vieles dafür, dass der jüngste Ausverkauf eher eine überfällige Korrektur einer zuvor heiß gelaufenen Rallye als das Ende des KI-Speicherbooms markiert.
Für langfristig orientierte Anleger könnte sich daraus eine der interessantesten Einstiegschancen im Halbleitersektor seit Langem ergeben.
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SK Hynix in Kürze
- SK Hynix (WKN: 909110) mit Hauptsitz im südkoreanischen Icheon ist der weltweit zweitgrößte Hersteller von Speicherchips und ein technologischer Pionier der Halbleiterindustrie.
- Das Unternehmen ist der globale Marktführer im Bereich von Hochgeschwindigkeits-Speicherchips (High Bandwidth Memory – HBM), die als unverzichtbare Schlüsselkomponente in KI-Beschleunigern von Branchenriesen wie Nvidia zum Einsatz kommen.
- Neben HBM produziert SK Hynix ein breites Spektrum an Speicherlösungen, darunter dynamische Schreib-Lese-Speicher (DRAM) sowie NAND-Flash-Speicher für Smartphones, PCs, Rechenzentren und Automobilanwendungen.
- Mit hochmodernen Produktionsstätten in Südkorea und China sowie globalen Entwicklungszentren treibt das Unternehmen die Errichtung des weltweit größten Halbleiter-Megaclusters voran.
- Die Aktie ist an der koreanischen Börse in Seoul gelistet (KOSPI-Index) und feiert durch ein milliardenschweres ADR-Listing zudem ihr Debüt an der US-Technologiebörse Nasdaq. Der Börsenwert beträgt umgerechnet rund 710 Milliarden US$.
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