Kaum eine DAX-Aktie polarisiert derzeit so stark wie Volkswagen (WKN: 766403). Anleger waren zwar schon immer wegen der schwachen Autokonjunktur und des harten Wettbewerbs skeptisch, doch aktuell lockt die Bewertung mit einem außergewöhnlich niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis von unter 3 für 2027.
Das wirkt auf den ersten Blick wie ein echtes Geschenk – doch an der Börse haben vermeintliche Schnäppchen oft einen Haken. Kann der neue Sanierungsplan den Autobauer tatsächlich zurück auf die Erfolgsspur bringen?
Sanierungsplan soll bei Volkswagen die Trendwende einleiten
Volkswagen kämpft gleich an mehreren Fronten. Die Nachfrage in Europa bleibt verhalten, gleichzeitig drücken hohe Produktionskosten auf die Profitabilität.
Besonders im wichtigen Elektroauto-Markt wächst der Konkurrenzdruck. Vor allem chinesische Hersteller überzeugen mit wettbewerbsfähigen Preisen, kurzen Entwicklungszyklen und modernen Technologien.
Volkswagen kontert, investiert Milliarden in die Bereiche Elektromobilität, Software und Digitalisierung. Diese Zukunftsinvestitionen sind zwar unverzichtbar, belasten jedoch über Jahre die Gewinne unter Ausschluss einer Erfolgsgarantie.
In der Vergangenheit gab es schon mehrfach Fehlschläge. So wurde die eigene Software-Entwicklung für künftige E-Autos de facto an Rivian (WKN: A3C47B) abgegeben und in China versucht man nur noch, über Partner im Markt etwas zu bewirken.
Genau deshalb zweifeln viele Investoren auch daran, dass der Konzern seine frühere Ertragskraft schnell wieder erreichen kann. Dabei sind nicht nur die Umsätze, sondern auch die hohe Kostenstruktur das Problem. Genau hier setzt der Sanierungsplan an. Meiner Meinung nach nicht die beste Lösung.
Das Management will die Kostenbasis nachhaltig senken und die Effizienz im gesamten Konzern steigern. Geplant sind schlankere Verwaltungsstrukturen, produktivere Werke und schnellere Entwicklungsprozesse. Besonders die Kernmarke Volkswagen Pkw soll wieder deutlich profitabler werden und langfristig höhere Renditen erzielen.
Für Anleger ist das der entscheidende Punkt. Gelingt die Umsetzung, könnte bereits eine moderate Verbesserung der Margen ausreichen, damit die derzeit außergewöhnlich niedrige Bewertung Auftrieb erhält. Das Umsatzproblem wäre damit aber nicht gelöst.
Chance oder Value-Falle? Darauf kommt es jetzt an!
Volkswagen bleibt damit eine klassische Turnaround-Investition. Auf der Habenseite stehen starke Marken wie Porsche, Audi und Skoda, eine weltweit etablierte Marktposition sowie erhebliche Größenvorteile im Einkauf und in der Produktion. Sollte der Sanierungsplan greifen und sich die Nachfrage wieder erholen, besitzt die Aktie durchaus das Potenzial für eine deutliche Neubewertung.
Gleichzeitig dürfen die Risiken aber nicht unterschätzt werden. Eine anhaltende Schwäche des chinesischen Marktes, weiterer Preisdruck bei Elektroautos oder Verzögerungen bei der Software-Offensive könnten die Erholung ausbremsen. Auch geopolitische Spannungen und mögliche Handelskonflikte bleiben Unsicherheitsfaktoren.
Für langfristig orientierte Anleger könnte Volkswagen deshalb zu den spannendsten Turnaround-Kandidaten im DAX gehören. Entscheidend wird jedoch sein, ob das Management seine ambitionierten Sanierungsziele tatsächlich erreicht.
Spannend dürfte dagegen sein, ob die Strahlkraft von Volkswagen leiden wird. Denn sie ist es letztlich, die für die Auslastung in den Werken sorgt. Sollte sich hier eine Abwärtsspirale in Gang setzen, dürften die Kostensenkungen zu weiteren Umsatzeinbußen führen.
In den kommenden Quartalen wird sich zeigen, ob das niedrige KGV ein außergewöhnliches Schnäppchen war oder ein ernstzunehmendes Warnsignal darstellt.
Wer Unternehmen wie Volkswagen fundiert bewerten möchte, sollte sich niemals allein auf das KGV verlassen. Oft entscheiden wenige Bilanzkennzahlen darüber, ob eine Aktie wirklich günstig ist oder nur günstig aussieht.
Der Artikel Sanierungsplan enthüllt: Ist die VW-Aktie jetzt das extreme Schnäppchen mit KGV 3? ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.