Die Erfolgsgeschichte von Rheinmetall (WKN: 703000) schien an der Börse lange unaufhaltsam. Aus einem klassischen Industriekonzern wurde ein Symbol für Europas neue Verteidigungsrealität – und die Aktie entwickelte sich zum Anlegerliebling. Von 50 Euro auf 2.000 Euro in wenigen Jahren.
Doch nach einem Kursverlust von rund 51 % vom Hoch fragen sich immer mehr Investoren, ob der Absturz eine gesunde Korrektur oder das Ende einer übertriebenen Rally sein kann? Eine Antwort darauf ist nicht leicht zu geben. Leichter fällt es, sich die jüngsten Entwicklungen zu vergegenwärtigen.
Zwischen Rüstungsboom und Realitätsschock: Warum Rheinmetall jetzt neu bewertet wird
Die Rheinmetall-Aktie hat Anleger in den vergangenen Jahren mit enormen Kursgewinnen verwöhnt. Grundsätzlich profitiert der Konzern von steigenden Verteidigungsausgaben in Europa, gefüllten Auftragsbüchern und dem politischen Druck, militärische Kapazitäten auszubauen. Der Markt hatte diese Zukunft allerdings bereits mit einer hohen Bewertung eingepreist.
Der jüngste Kursrutsch zeigt deshalb weniger ein Scheitern des Geschäftsmodells als vielmehr eine Abkühlung der Erwartungen. Besonders belastend war die Nachricht, dass Deutschland das geplante F126-Fregattenprojekt nicht an Rheinmetall vergeben will.
Den Zuschlag erhielt stattdessen die ehemalige Marinesparte von Thyssenkrupp (WKN: 750000), die jüngst unter dem Namen TKMS (WKN: TKMS00) an die Börse ging. Deren Aktie reagierte mit einem deutlichen Kurssprung, während das Papier des bisherigen Favoriten Rheinmetall massiv einbrach.
Verständlich ist das, da das Projektvolumen von 10 bis 12 Mrd. Euro nicht gerade klein war. Allerdings handelt es sich hierbei ebenfalls nur um Zukunftsprojekte, die in der Vergangenheit noch keine Umsatzbuchungen ausgelöst haben.
Die Entwicklung zeigt außerdem, dass selbst ein Rüstungskonzern mit politischem Rückenwind nicht automatisch der Gewinner jedes Milliardenauftrags sein muss. Das Geschäft ist, wie wir es hier schon häufiger ausgeführt haben, von politischen Entscheidungen und Zyklen geprägt.
Zudem steigt der Druck, die hohen Erwartungen operativ zu erfüllen. Ein großer Auftragsbestand garantiert noch lange keine steigenden Gewinne. Ausschlaggebend ist mittlerweile, ob Rheinmetall seine Produktionskapazitäten schnell genug ausbauen, seine Margen verteidigen und neue Projekte profitabel umsetzen kann.
Für Aktionäre zeichnet sich damit ein ganz neues Szenario: Es ist nicht die Nachfrage nach Rüstung, die belastet, sondern die Bewertung, die fällt, wenn das Wachstum langsamer ausfällt als erhofft.
Mit einem erwarteten KGV von 27 für 2026 bzw. 18 für 2027 ist die Aktie aber keineswegs mehr so teuer wie bei einem Aktienkurs von 2.000 Euro, richtig günstig ist sie aber auch noch nicht.
Fazit: Nach dem Kurssturz ein Kauf oder eine Falle?
Der Absturz macht die Rheinmetall-Aktie nicht automatisch zu einem Schnäppchen. Die Aktie bleibt ein Investment mit Chancen, aber auch mit Risiken.
Derzeit entlädt sich gerade viel Spannung im Kurs, die Bewertung normalisiert sich. Zum Einstieg wäre es wohl noch zu früh. Hier greift das Sprichwort: Greife niemals in ein fallendes Messer.
Dennoch sehe ich auch Perspektiven. Die Sicherheitslage Europas hat sich langfristig strukturell verändert und Rheinmetall gehört definitiv zu den wichtigsten Lieferanten von Munition, Fahrzeugen und Verteidigungssystemen. Aber die PS müssen auch auf die Straße gebracht und die Burggräben vertieft werden. Die Zukunft wird zeigen, ob dies wirklich gelingt.
Der Artikel Rheinmetall-Aktie -51% vom Peak: So riskant ist dein Investment wirklich! ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.