Die Nebius-Aktie erwischte am gestrigen Mittwoch einen rabenschwarzen Tag und brach um -17% ein. Was hat den massiven Kurssturz des Neocloud-Providers ausgelöst und sollten Anleger die Gelegenheit für einen Kauf nutzen?

Eine Schocknachricht ausgerechnet vom Partner

Der gestrige Kurseinbruch der Nebius-Aktie hat einen klaren „Schuldigen“, und der heißt Meta Platforms. Ein Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg hat den gesamten Sektor der Neocloud-Provider gestern auf dem falschen Fuß erwischt. Auch die Aktie von CoreWeave gab zweistellig nach.

Bloomberg berichtete, dass Meta im Hintergrund eine eigene kommerzielle Cloud namens „Meta Compute“ aufbaut. Meta möchte damit ungenutzte, überschüssige Kapazitäten seiner gigantischen Rechenzentren an externe Kunden/Entwickler vermieten.

Meta plant angabegemäß einen zweigleisigen Ansatz: Neben dem Hosten von Modellen will der Tech-Gigant auch rohe Rechenleistung auf „Bare-Metal“-Basis anbieten. Genau dieses Vermieten von nackter GPU-Power ist das absolute Kerngeschäft und das einzige Wachstumsversprechen von Nebius.

Die Börse macht sich demnach große Sorgen, dass ein kleiner Neocloud-Provider wie Nebius gegen einen Technologiegiganten wie Meta, der für 2026 ein unvorstellbares KI-Infrastruktur-Budget von 125 bis 145 Milliarden US$ aufweist, langfristig kaum eine Chance hat.

Die bittere Ironie ist zudem, dass durch den Move von Meta der größte Kunde von Nebius plötzlich zu einem der mächtigsten Rivalen wird. Erst im März hatte Nebius ein monumentales, über fünf Jahre laufendes Abkommen mit Meta Platforms über die Bereitstellung von KI-Infrastruktur im Wert von bis zu 27 Milliarden US$ geschlossen.

Nun besteht an der Wall Street die akute Sorge, dass Meta langfristig keine Kapazitäten mehr bei Nebius zukauft, sobald die eigenen Rechenzentren voll einsatzbereit sind. Das stellt die langfristige Planbarkeit des gigantischen Umsatz-Backlogs von Nebius schlagartig infrage.

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Der Aufwärtstrend ist dahin

Ich würde den Strategieschwenk von Meta Platforms nicht überbetonen. Zweifellos ist er für Nebius keine gute Nachricht, aber meiner Überzeugung nach wird Meta mittel- bis langfristig nur einer von vielen Kunden für den Neocloud-Provider sein. Ich bin deshalb guter Dinge, dass Nebius in den kommenden Jahren eine Reduzierung des Auftragsvolumens durch Meta gut verkraften wird.

In meiner letzten Analyse der Nebius-Aktie Anfang Juni habe ich eine Kaufempfehlung ausgesprochen. Damals notiert die Aktie in etwa auf dem gleichen Niveau wie heute, weshalb ich mein Buy-Rating wiederhole.

Kaum ein anderer Neocloud-Provider wächst derzeit so explosiv wie Nebius. Der Umsatz dürfte sich 2026 auf 3,4 Milliarden US$ versechsfachen. 2027 wird eine weitere mehr als Verdreifachung auf 11,5 Milliarden US$ prognostiziert.

Das Forward-KUV auf Basis des nächstjährigen Umsatzes reduziert sich damit auf ca. 5. Ein hoher, aber meiner Meinung nach akzeptabler Wert für eine Wachstumsmaschine wie Nebius.

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Eine Sache sollten Anleger bei einem potenziellen Investment in die Nebius-Aktie im Hinterkopf haben. Die Short-Quote ist mit rund 24% extrem hoch. Das bedeutet, dass sehr viele Investoren auf einen weiteren Kursrückgang setzen.

Ich glaube, dass die Leerverkäufer die falsche Strategie verfolgen. Im europäischen Handel hat sich der Kurs der Nebius-Aktie heute Morgen bereits stabilisiert. Ich rechne deshalb mit keinem weiteren Kurseinbruch. Anleger mit guten Nerven, die sich im KI-Cloud-Bereich engagieren wollen, sollten auf Nebius setzen und das trotz der auf den ersten Blick katastrophalen Nachrichten.

Auf den zweiten Blick sind sie gar nicht so desaströs. Meta Platforms wird meiner Meinung nach nicht zum Killer von Nebius.

ℹ Nebius in Kürze

  • Nebius (WKN: A1JGSL) mit Sitz in Amsterdam ist ein Technologieunternehmen, das KI-Cloud-Infrastruktur anbietet.
  • Das Unternehmen betreibt Rechenzentren und verkauft Rechenleistungen und sonstige Mehrwertdienste an große Tech-Konzerne.
  • Zudem besitzt Nebius zahlreiche Beteiligungen an Technologieunternehmen, darunter Avride (Robotaxis), TripleTen (Edtech-Plattform), Toloka (KI-Trainingsdaten) und Clickhouse (Datenbankmanagement).
  • Nebius wurde 1989 als Holding für die russische Suchmaschine Yandex gegründet. 2024 wurde das komplette Russlandgeschäft aufgrund des Ukrainekrieges veräußert.
  • Nebius notiert an der US-Technologiebörse Nasdaq und ist ca. 58 Milliarden US$ wert.

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