Man kann den heutigen Tag durchaus als historisch für die Bayer-Aktie bezeichnen. Das Papier der Leverkusener ist mit einem Kursplus von über +6% nicht nur klarer Spitzenreiter im DAX und im Eurostoxx 50, sondern steigt zum ersten Mal seit September 2023 wieder über die Marke von 50 €. Was gibt dem Chemie- und Pharmakonzern heute so viel Rückenwind und wird er weiter anhalten?
Die nächste gute Glyphosat-Nachricht
Es ist die zweite gute Nachricht für die Bayer-Aktie innerhalb weniger Tage. Nach dem Sieg vor dem Obersten Gerichtshof in den USA gibt der Konzern in der Causa Glyphosat nun weiter Gas, um die Probleme mit dem Unkrautvernichtungsmittel endgültig vom Tisch zu kriegen.
Bayer wird das komplette Glyphosatgeschäft in den USA in eine eigenständige Geschäft namens Ruveon auslagern. Der Konzern will damit Angaben zufolge agiler handeln und besser auf die Wettbewerbsdynamik auf dem US-Markt reagieren können.
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Das ist der wahre Grund
Dieser Grund ist selbstverständlich nur vorgeschoben. In erste Linie geht es den Leverkusenern natürlich darum, das problematischen Glyphosat-Geschäft rechtlich vom restlichen Konzern abzutrennen.
Für die verbleibenden Klagen fungiert die neue US-Gesellschaft wie eine Haftungsfeuerwand. Durch die Abspaltung des US-Geschäfts in eine eigenständige juristische Person (eine Tochtergesellschaft) werden auch die dortigen Rechtsrisiken rechtlich isoliert.
Im US-Recht gilt der Grundsatz der beschränkten Haftung. Das bedeutet, dass im Falle einer Verurteilung der US-Gesellschaft im Regelfall nur sie mit ihrem eigenen Vermögen haftet. Der deutsche Mutterkonzern Bayer AG ist dadurch vor dem direkten Zugriff der US-Kläger geschützt.
Die US-Gesellschaft wird mit den bereits bestehenden Rückstellungen (Bayer hatte zuletzt rund 7,25 Milliarden US$ für Vergleiche avisiert) ausgestattet. Sollten in Zukunft doch noch unerwartet hohe Schadensersatzsummen von US-Gerichten verhängt werden, betrifft das im schlimmsten Fall nur diese ausgegliederte Einheit.
Charttechnisch Analyse
Eine ausführliche charttechnische Analyse findet ihr bei meinem Kollegen Christian Kämmerer.
Die Bewertung ist zu euphorisch
Trotz der erneut guten Nachrichten herrscht mir derzeit an der Börse etwas zu viel Euphorie in Bezug auf die Bayer-Aktie. Bayer-Chef Anderson scheint es tatsächlich zu schaffen, das zentrale Thema, das den deutschen Chemie- und Pharmakonzern jahrelang massiv belastet hat, vom Tisch zu kriegen.
Das jüngste Urteil des US Supreme Courts hat den allermeisten Klagen die juristische Grundlage entzogen. Und die Auslagerung des Glyphosat-Geschäfts in den USA in eine eigenständige Gesellschaft dämmt die verbleibenden Risiken ein.
Alles schön und gut. Aber die Bewertung der Bayer-Aktie stimmt meiner Meinung nach trotzdem nicht.
Ein Forward-KGV von 11 ist für einen Konzern mit einer massiven Wachstumsschwäche einfach viel zu hoch. Zwar haben wichtige Medikament wie das Krebsmittel Nubeqa und der Nierenmedikament Kerendia zuletzt sehr hohe Wachstumsraten (57 bzw. 84%) gezeigt. Aber Bayer ist darauf auch angewiesen, um die Patentklippe bei Blockbustern wie Xarelto abzufedern.
Für das laufende Jahr rechnen Analysten mit einem leichten Umsatzrückgang. Erst im kommenden Jahr könnte Bayer wieder minimal mit 2% wachsen.
Abschließend: An diese Top-Picks 2026 glauben wir mehr als an die Bayer-Aktie.
Die Nachrichten aus den USA zur Causa Glyphosat sind zweifellos sehr gut, aber sie sollten Anleger nicht zu euphorisch werden lassen. Sobald das Thema in naher Zukunft weitgehend vom Tisch ist, wird wieder das operative Geschäft von Bayer in den Fokus rücken.
Und darum ist es nicht besonders gut bestellt. Die Wachstumsschwäche des Konzerns wird sich nicht von heute auf morgen beheben lassen. Es wird Jahre dauern, um aus Bayer wird ein dynamisches Unternehmen zu machen. Dafür ist die Bewertung allerdings zu ambitioniert.
Bayer in Kürze
- Die Bayer AG ist einer der weltgrößten Chemie- und Pharmakonzerne. Der Konzern ist in drei Geschäftsbereiche untergliedert: Pharmaceuticals (rezeptpflichtige Arzneimittel), Consumer Health (rezeptfreie Medikamente) und Crop Science (Pflanzenschutz und Schädlingsbekämpfung).
- Bayer hat seine Konzernzentrale in Leverkusen und unterhält weltweit Niederlassungen.
- Bayer ist im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 gelistet. An der Börse wird der Konzern aktuell mit ca. 51 Milliarden € bewertet.
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