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Mittwoch, 30. Mai 2012 | 16:51
FRANKFURT (Dow Jones)--Die internationalen Investoren drehen dem Euroraum derzeit in Scharen den Rücken zu. Weder die europäischen Politiker noch die Europäische Zentralbank (EZB) schaffen es momentan, Zuversicht zu streuen. In den vergangenen zwei Tagen folgten Berichten über den Rettungsweg für die spanischen Banken innerhalb kürzester Zeit ein Dementi. Vertrauensbildende Massnahmen sehen anders aus. Das flüchtige Gut Geld zieht es aus dem Euroraum. Mit Kursen unter 1,24 zum Dollar notierte der Euro auf dem niedrigsten Stand seit 1. Juli 2010. Der Euro-Stoxx-50 schloss mit einem Minus von 2 Prozent bei 2.116 Punkten. Der DAX verlor 1,8 Prozent auf 6.281 Punkte.
Spanien bleibt das bestimmende Thema
Weiterhin ist die Entwicklung in Spanien und die Rettung der heimischen Banken das Thema in den Handelsräumen. Die Sanierung des nach dem Platzen einer Immobilienblase unter faulen Krediten ächzenden Bankensystems kommt die Iberer immer teurer. Die Analysten von Nomura schätzen, dass die Madrider Regierung dafür 50 bis 60 Milliarden Euro aufwenden muss. Gleichzeitig verschlechtern sich allerdings die Refinanzierungsbedingungen für das Land dramatisch. So steigt die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen weiter auf 6,61 Prozent. Damit marschiert sie stramm in Richtung von 7 Prozent, ein Niveau, das bereits Irland und Portugal unter den Rettungsschirm von EU und IWF zwang.
Für Verwirrung sorgten die letzten 24 Stunden, wie die spanische Bankenlandschaft gerettet werden soll. Nachdem eine Rekapitalisierung der Bankia über die EZB definitiv vom Tisch ist, gab es zwischenzeitliche Spekulationen, die Mittel des Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) anzuzapfen. Dazu gab es schnell eine klare Absage aus Deutschland. So stellte Regierungssprecher Steffen Seibert klar, dass sich an der ablehnenden Haltung Deutschlands gegenüber einer direkten Rekapitalisierung von Banken aus dem europäischen Rettungsschirm nichts geändert habe. Nun liegt es an Spanien, die von den heimischen Banken benötigten Mittel am Kapitalmarkt einzusammeln.
Selbst die Spanier scheinen ihren Banken nicht mehr zu trauen. Die spanischen Banken haben im April im Zuge zunehmender Ängste vor einer Pleite massiv an Einlagen verloren. Nach den Zahlen der Europäischen Zentralbank zogen Privatkunden und Unternehmen Einlagen von 31,44 Milliarden Euro von ihren Konten ab. Mit 1,624 Billionen Euro verfügten die Institute damit über so geringe Einlagen wie noch nie seit Beginn der europäischen Schuldenkrise. Der IBEX in Madrid schloss 2,6 Prozent tiefer bei 6.090 Punkten.
Anleger fordern Risikoprämie von Italien
Die Auktion italienischer Staatsanleihen kam bei Anlegern nicht gut an. Für zehnjährige Schuldtitel musste das einen Staatsschuldenberg mit sich herumschleppende Land mehr als 6 Prozent zahlen, gleichzeitig sank die Nachfrage. "Italien erlebt in den Augen der Investoren gegenwärtig eine von externen Faktoren getriebene Verschlechterung seiner Kreditwürdigkeit", sagt Nicholas Spiro von Spiro Sovereign Strategy.
Sichere Häfen werden dagegen gesucht
Die sicheren Häfen der Staatsanleihen aus Deutschland und Holland werden von den Anlegern weiterhin aufgesucht. Dabei scheint es momentan keine Rolle zu spielen, dass die Realverzinsung für den Investor negativ ist. "Es geht nur um das Thema Sicherheit", so ein Anleihehändler. Die Renditen der Bundesanleihen mit einer Laufzeit von 10 Jahren liegen nun bei 1,26 Prozent, in Holland sind noch 1,69 Prozent zu erzielen.
Investoren bevorzugen defensive Werte
Die Suche nach Sicherheit ist auch am Aktienmarkt zu beobachten. So werden momentan die Sektoren der Telekomwerte oder der Nahrungsmittelbranche gegenüber den Automobilwerten und den Rohstoffwerten bevorzugt. Bei den Einzelwerten machte Fiat Industrial von sich reden. Das Unternehmen will den US-Landmaschinenhersteller CNH Global vollständig in den eigenen Konzern eingliedern. Die Aktie schloss knapp 1 Prozent fester bei 7,95 Euro.
Einen anderen Weg geht momentan Metro. An der Börse wurde positiv aufgenommen, dass der Handelskonzern sein Geschäft straffen will. Nachdem das Unternehmen im Großhandelsgeschäft bereits den Standort Marokko aufgegeben und seine Elektroniktochter Media Saturn nach Verlusten vom französischen Markt zurückgezogen hat, soll nun das britische Großhandelsgeschäft verkauft werden. Die Aktie schloss gegen den Trend 1,3 Prozent fester bei 22,90 Euro.
Europäische Schlussindizes am Mittwoch, 30. Mai:
Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
stand absolut in % seit
Jahresbeginn
Europa Euro-Stoxx-50 2116,18 -44,13 -2,0% -8,6
Stoxx-50 2257,78 -31,57 -1,4% -4,7
Stoxx-600 240,56 -3,74 -1,5% -1,6
Frankfurt XETRA-DAX 6280,80 -116,04 -1,8% 6,5
London FTSE-100 5297,28 -93,86 -1,7% -4,9
Paris CAC-40 3015,58 -43,38 -2,2% -4,6
Amsterdam AEX 290,66 -4,61 -1,6% -7,0
Athen ATHEX-20 185,51 -7,08 -3,7% -30,0
Brüssel BEL-20 2105,80 -24,39 -1,1% 1,1
Budapest BUX 15978,64 -514,22 -3,1% -5,9
Helsinki OMXH-25 1865,99 -37,75 -2,0% -3,9
Istanbul NAT30 65955,98 -550,56 -0,8% 6,9
Kopenhagen OMXC-20 435,72 -8,38 -1,9% 11,7
Lissabon PSI 20 4567,18 -49,49 -1,1% -17,8
Madrid IBEX-35 6251,70 -161,30 -2,6% -28,9
Mailand FTSE-MIB 12872,58 -234,55 -1,8% -14,7
Moskau RTS 1277,62 -17,19 -1,3% -7,5
Oslo OBX 357,30 -6,71 -1,8% -0,1
Prag PX 876,70 -1,40 -0,2% -3,8
Stockholm OMXS-30 986,61 -15,23 -1,5% -0,1
Warschau WIG-20 2072,09 -18,65 -0,9% -3,4
Wien ATX 1884,59 -45,38 -2,4% -0,4
Zürich SMI 5902,82 -11,91 -0,2% -0,6
DEVISEN zuletzt '+ - % Mi, 8.10 Uhr Di, 18.09 Uhr
EUR USD 1,2408 -0,47% 1,2467 1,2477
EUR JPY 97,9742 -1,08% 99,0462 99,1130
EUR CHF 1,2010 -0,02% 1,2012 1,2010
USD JPY 78,9720 -0,60% 79,4450 79,4250
GBP USD 1,5522 -0,59% 1,5615 1,5619
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May 30, 2012 12:51 ET (16:51 GMT)
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