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DJ MÄRKTE EUROPA Börsen stecken anhaltende Ungewissheit locker weg

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Mittwoch, 11. Juli 2012 | 16:27

Von Thomas Leppert

An den europäischen Börsen herrscht Stillstand. Die Aktienmärkte steckten die Nachricht aus Karlsruhe locker weg: Das Bundesverfassungsgericht hat das Urteil über die Eilanträge zu ESM-Vertrag und Fiskalpakt auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Sparbeschlüsse in Spanien motivierte die Börse in Madrid. Nach einem eher unspektakulären Handelstag schloss der Euro-Stoxx-50 mit einem Minus von 0,1 Prozent bei 2.246 Punkten. Für den deutschen Aktienmarkt ging es dagegen um 0,2 Prozent auf 6.453,85 Punkte nach oben.

Das Bundesverfassungsgericht hatte am Dienstagabend sein Urteil über die Eilanträge zu ESM-Vertrag und Fiskalpakt auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Richter wollen die Verfassungsmäßigkeit der Verträge erst intensiv prüfen, was womöglich noch Wochen oder sogar Monate dauern kann. Die Einrichtung des ständigen Euro-Rettungsfonds ESM verschiebt sich damit erheblich, weil Deutschland als größter Nettozahler in der Verantwortung steht und ohne seinen Beitrag der Fonds nicht lebensfähig ist.

Unterdessen sieht der Internationalen Währungsfonds (IWF) für Italien düstere Zeiten aufziehen. Nach seinen Berechnungen werden die Schulden Italiens dem wahrscheinlichsten Szenario zufolge 2013 mit 126,4 Prozent der Wirtschaftsleistung ihren Scheitelpunkt erreichen. In fünf Jahren dürften Italiens Schulden immer noch bei 119,4 Prozent liegen. Am Dienstag hatte Italiens Ministerpräsident Mario Monti nicht ausgeschlossen, dass sein Land eines Tages Hilfen aus dem Euro-Rettungsfonds benötigen könnte.

Spanien spart und die Börse steigt

Mit einem Kursgewinn von 1,2 Prozent auf 6.806 Punkte honorierte die Börse in Madrid das neue spanische Sparpaket. In den kommenden zweieinhalb Jahren will das Land mit Reformen und Steuererhöhungen 65 Milliarden Euro sparen. Die Sparmaßnahmen sehen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 21 von 18 Prozent vor, eine Senkung des Arbeitslosengeldes, eine Gehaltskürzung um 7 Prozent für Staatsbeschäftigte und weitere Einsparungen in Milliardenhöhe von den regionalen Gebietskörperschaften. Die Anleihemarkt reagierte mit deutlichen Kursgewinnen auf die Nachricht, die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe fiel um 23 Basispunkte auf 6,50 Prozent. Während die Börse applaudierte, gab es allerdings auch skeptische Stimmen.

Für Christin Schulz, Volkswirt bei der Berenberg Bank ist klar, dass der Konsum darunter leiden wird. "Spanien muss vorsichtig sein um ein Abtauchen in die Abwärtsspirale vergleichbar mit Griechenland zu vermeiden", so Schulz. Dort hätten Budget-Kürzungen die Rezession verstärkt, daraufhin wurde das Defizit-Ziel verfehlt, was wiederum zu neuen Kürzungen geführt habe. Diese Entwicklung habe die griechische Wirtschaft in die Depression geführt, begleitet von politischen Unruhen. Nun stehe Griechenland am Rand zum Euro-Austritt.

Bundesanleihen profitieren von der Suche nach Sicherheit

Deutschland kann sich weiterhin zu niedrigen Kosten verschulden. Die Rendite der am Vormittag emittierten zehnjährigen Anleihe der Bundesrepublik Deutschland fiel auf das Rekordtief von 1,31 Prozent, womit der bisherige Tiefststand von 1,47 Prozent klar unterboten wurde. Für viele Experten erscheint eine Investition in deutsche Staatsanleihen auch bei den aktuell niedrigen Renditen sinnvoll. "Obwohl sich die Erträge auf Rekordtief bewegen, raten wir aus grundlegenden Überlegungen heraus bei Kursrücksetzern weiterhin zum Kauf von Bundesanleihen. Es gibt keine fundamentalen Fortschritte bei der Bewältigung der Eurokrise", argumentieren die Analysten der Citigroup.

Krise im Solarsektor fordert weiteres Opfer

Die Krise des Solarsektors hat ein neues Opfer gefunden. Mit der Insolvenz von centrotherm hat es ein Qualitätsunternehmen der Branche erwischt. Unerwartet kam die Nachricht zwar nicht, die Folgen für die Aktionäre sind aber dramatisch: Die Aktie, die bis 15. Juni noch im TecDAX notierte, brach um 74 Prozent auf 0,56 Euro ein. Damit reiht sie sich in die Schar der "Pennystocks" ein. Der Einbruch ist der bisherige Höhepunkt einer langen Talfahrt. Im vergangenen Jahr stand die Aktie noch bei über 40 Euro.


Europäische Schlussbörsen vom Mittwoch, 11. Juli
.===
. Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
. stand absolut in % seit
. Jahresbeginn
Europa Euro-Stoxx-50 2246,23 4,38 +0,2% -3,0
. Stoxx-50 2436,13 9,96 +0,4% 2,8
. Stoxx-600 255,59 -0,01 -0,0% 4,5
Frankfurt XETRA-DAX 6453,85 15,52 +0,2% 9,4
London FTSE-100 5664,48 0,41 +0,0% 1,7
Paris CAC-40 3157,25 -18,16 -0,6% -0,1
Amsterdam AEX 312,55 0,14 +0,0% 0,0
Athen ATHEX-20 218,40 -5,86 -2,6% -17,6
Brüssel BEL-20 2216,32 -0,48 -0,0% 6,4
Budapest BUX 17309,11 126,89 +0,7% 2,0
Helsinki OMXH-25 1889,51 -5,40 -0,3% -2,7
Istanbul NAT30 74426,00 1394,97 +1,9% 20,6
Kopenhagen OMXC-20 460,40 -3,79 -0,8% 18,1
Lissabon PSI 20 4794,64 3,04 +0,1% -12,7
Madrid IBEX-35 6726,90 79,00 +1,2% -20,6
Mailand FTSE-MIB 13861,42 -6,85 -0,0% -8,1
Moskau RTS 1348,77 -24,03 -1,8% -2,4
Oslo OBX 380,55 -1,44 -0,4% 6,4
Prag PX 906,90 2,70 +0,3% -0,5
Stockholm OMXS-30 1026,12 -1,97 -0,2% 3,9
Warschau WIG-20 2221,15 -25,87 -1,2% 3,6
Wien ATX 1960,34 -5,89 -0,3% 3,6
Zürich SMI 6174,75 -16,45 -0,3% 4,0

DEVISEN zuletzt '+ - % Mi, 8.30 Uhr Di, 17.45 Uhr
EUR USD 1,2241 -0,15% 1,2260 1,2250
EUR JPY 97,5436 0,31% 97,2443 97,3311
EUR CHF 1,2009 0,00% 1,2009 1,2008
USD JPY 79,6700 0,43% 79,3250 79,4540
GBP USD 1,5525 -0,01% 1,5526 1,5498
.===

Kontakt zum Autor: thomas.leppert@dowjones.com
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July 11, 2012 12:27 ET (16:27 GMT)

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