Newsletter Anmeldung

Investor Expresso

Abonnieren Sie jetzt unseren kostenlosen Newsletter! Somit entgehen Ihnen keine Nachrichten von den 4 wichtigsten Agenturen und von über 20 Börsenbriefen.

Jetzt anmelden

Aktuelle Börsenbriefe

Meldungen von

Dow Jones euro adhoc
HUGIN IRW Press

DJ Banken kämpfen mit Schuldenkrise - Kapitalisierungsangebote umstritten

ISIN: AT0000652011
WKN: 909943

Montag, 10. Oktober 2011 | 13:04


Von Jörn Rehren
DOW JONES NEWSWIRES

FRANKFURT (Dow Jones)--Der europäische Bankensektor bleibt weiterhin im Epizentrum der Erschütterungen. Am Wochenende kündigte die Politik in Person von Bundeskanzlerin Angela Merkel und des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy Maßnahmen zur Stärkung des Bankensektors an, während die in Schieflage geratene Dexia-Bank von den beteiligten Staaten gerettet wurde. Die Banken selbst haben aber ebenfalls noch jede Menge Arbeit vor sich: Am Montag warnte die österreichische Erste Bank vor einem Jahresverlust, nachdem sie in Erwartung schwieriger Zeiten in ihrer Bilanz gründlich aufgeräumt hat.

In der Politik setzt sich immer mehr die Ansicht durch, dass Griechenland seine Schuldenlast nicht mehr tragen kann und ein Schuldenschnitt unvermeidlich ist. Mit den dadurch nötigen Abschreibungen aber werden die Banken gnadenlos in die Zange genommen: auf der einen Seite durch die Auswirkungen aus der Staatsschuldenkrise, auf der anderen Seite drohen weiter Belastungen durch einen möglichen Konjunkturabschwung. Merkel und Sarkozy wollen deshalb bis zum G-20-Gipfel in Cannes Anfang November ein dauerhaftes und umfassendes Paket vorlegen, das auch die Kapitalprobleme der Banken angehe. Merkel betonte, Deutschland und Frankreich wollten alles Erforderliche tun, um eine Rekapitalisierung der Banken abzusichern.

Am Devisenmarkt hat diese Ankündigung bereits für gesteigertes Vertrauen in den Euro gesorgt. Die Gemeinschaftswährung kletterte um rund 2 Cent auf ein Niveau von 1,36 USD und notiert damit auf dem höchsten Stand seit Ende September. Am Aktienmarkt ist zumindest der Einbruch der europäischen Bankentitel zu einem Ende gekommen, der Banken-Subindex notiert kaum verändert.

Mut machte den Akteuren an den Aktienmärkten auch, dass bei der französisch-belgischen Bank Dexia die Staaten am Wochenende entschlossen gehandelt haben, nachdem das Institut in den vergangenen Wochen mit Refinanzierungsproblemen in Schieflage geraten war. Der Verwaltungsrat hat deshalb am Montagmorgen dem dreistufigen Plan der Regierungen Frankreichs, Belgiens und Luxemburgs zugestimmt. Der Plan sieht Garantien sowie eine teilweise oder komplette Verstaatlichung der einzelnen Ländergesellschaften vor.

Die belgische Regierung wird danach den belgischen Teil des Instituts für 4 Mrd EUR komplett übernehmen. Die französische Dexia-Sparte, die sich auf die Kreditvergabe an Kommunen spezialisiert hat, wird an ein Tandem aus dem französischen Postdienstleister "La Poste" und der Staatsbank Caisse des Depots & Consignations (CDC) verkauft. Der luxemburgische Teil geht an eine Investorengruppe, der auch der luxemburgische Staat angehört. Darüber hinaus haben sich alle drei Regierungen darauf verständigt, die Finanzausstattung von Dexia bis zu 90 Mrd EUR zu garantieren.

Der Dexia-CEO Pierre Mariani betonte aber, dass allein die Rekapitalisierung der Bank für die Rettung der Bank nicht ausgereicht hätte. Die massiven Probleme der Bank rührten eher von der knappen Liquiditätsausstattung, vor allem wegen der jüngsten Mittelabflüsse. Die Refinanzierung über die Finanzmärkte wurde wegen der schwelenden europäischen Staatsschuldenkrise und angesichts des gegenseitigen Misstrauens am Interbankenmarkt allerdings unmöglich.

In der Bankenwelt selbst stößt die Bereitschaft und der Willen der Staaten, die Kapitalsituation der Banken zu verbessern, auf wenig Gegenliebe. So wehrt sich der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, schon lange mit Händen und Füßen gegen Staatsgeld. Jetzt kann er auch darauf verweisen, dass die Deutsche Bank in den vergangenen zwei Wochen erfolgreich eine eigene Anleihe platzieren konnte.

Auch bei der österreichischen Erste Group Bank ist man trotz der heute ausgesprochenen Gewinnwarnung über Kapitalangebote nicht erfreut. Deren CEO Andreas Treichl sagte am Montag, dass sein Institut weder vom Markt noch vom Staat Kapital benötige. "Da müsste man uns hinprügeln", machte er seine Position deutlich. Gleichwohl hat er radikale Maßnahmen angekündigt, um für eine mögliche Staatsschuldenkrise in noch größerem Ausmaße und deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft vorbereitet zu sein. Denn bisher sieht er noch nicht die nötigen eindeutigen Schritte für eine Lösung der Krise.

Deshalb will die Erste Bank jetzt alle Probleme im Haus ansprechen und angehen. Dazu gehören Abschreibungen und Rückstellungen für das lahmende Geschäft in Ungarn und Rumänien von 1,4 Mrd EUR sowie die Neubewertung der Kreditabsicherungen zum Marktwert. Letzteres belastet das Eigenkapital des Spitzeninstituts der österreichischen Sparkassen mit 280 Mio EUR. Zudem wurde das Engagement in die Euro-Peripheriestaaten seit dem Jahresende auf rund 600 Mio EUR von zuvor 1,9 Mrd EUR abgebaut und zum größten Teil auf den Marktwert abgeschrieben.

Im Ergebnis erwartet die Erste Bank wegen dieser Einmaleffekte für 2011 statt eines Nettogewinns von 850 bis 950 Mio EUR einen Verlust von 700 bis 800 Mio EUR. Zudem wird die für dieses Jahr geplante vorzeitige Rückzahlung der Staatshilfe von 1,2 Mrd EUR um mindestens ein Jahr verschoben und für 2011 keine Dividende gezahlt.

Für Analyst Stefan Maxian von der Raiffeisenbank sind die vorgenommenen Abschreibungen in Osteuropa nur in ihrer Höhe überraschend. Das Geschäft der Erste Bank laufe weiterhin gut und auch die Kapitalsituation sei mit einer stabilen Kernkapitalquote von unverändert 9,2% in Ordnung. Die Aktie der Erste Group bricht dennoch ein. Bis gegen 14 Uhr fällt sie um 13% auf 18,00 EUR.


-Von Jörn Rehren, Dow Jones Newswires;
+49 (0)69 - 29725 115, joern.rehren@dowjones.com
(Alexandra Edinger und Inti Landauro hat zu dem Bericht beigetragen.)
DJG reh kgb kla

(END) Dow Jones Newswires

October 10, 2011 09:04 ET (13:04 GMT)

Copyright (c) 2011 Dow Jones & Company, Inc.

Weitere Unternehmensmeldungen

 

Finanzen & Versicherungen Branchenmeldungen

 
Nach oben zum Artikel: DJ Banken kämpfen mit Schuldenkrise - Kapitalisierungsangebote umstritten