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Krawalle in Vancouver und Märkte in Lethargie - die Griechenlandfrage?

Montag, 20. Juni 2011 | 13:23

Bericht vom 16.06.2011

Es gibt Tage an denen würde man am liebsten gleich wieder ins Bett gehen. Natürlich gibt es diese Tage als junger Familienvater öfter (auch wenn das nichts nützt, denn die Kinder lassen das einfach nicht zu ;-)), aber heute war wieder so ein Tag. Die Vancouver Canucks (Eishockey) haben den Stanley Cup heute verloren und was dann in Vancouver der Hauptstadt der Rohstoffexplorer abgegangen ist, lässt an die Krawalle in Griechenland erinnern.
Brennende Autos, zerstörte Einkaufsstraßen, Plünderungen in den Geschäften – die ganze Palette (hier ein Link von CTV http://www.ctv.ca/CTVNews/TopStories/20110615/vancouver-canucks-fans-110615/ ). Einfach nur traurig, zeigt aber wieder einmal wie zerbrechlich unser System ist bzw. dass die Jugend manchmal den Bezug zur Realität verloren hat und gar nicht weiß, wie gut es Ihnen eigentlich geht! Aber das sind scheinbar die Nebenwirkungen unserer Konsumwelt!
Wir sollten daher heute nicht mit vielen Unternehmensmeldungen aus Vancouver rechnen, denn auch die Geschäftswelt in Vancouver ist geschockt! Bei dieser Börse ist es aber irgendwie auch egal, denn diese steckt im Moment in einer Lethargie! Sie ist absolut orientierungslos.
Nun begreift auch endlich der normale Bürger, dass unsere „heile Welt“ irgendwie gerade auseinander bricht, wobei wir hier besser sagen müssten unser Finanzsystem auseinander bricht. Anderseits was können wir tun? Wie können wir diese Phase, und glauben Sie mir es ist nur eine Phase denn solche Zusammenbrüche sind die Regel und nicht die Ausnahme, gut überstehen? Am besten war man immer bedient, wenn man in Rohstoffe bzw. Sachwerte, wozu auch teilweise die Aktien zählen, investiert ist, also müssten wir investiert sein.
Wenn man aber in Rohstoffaktien investiert ist, dann musste man in diesem Jahr feststellen, dass man rund 20 % verloren hat und das obwohl die Rohstoffe sich selber gut entwickelt haben. Sehr eindrucksvoll sieht man das vor allem bei den Ölwerten. Obwohl Rohöl rund 20 % zulegte, verloren die meisten Werte im Durchschnitt 20 %. Diese Situation ist ausgesprochen frustrierend.
Generell habe ich für die Sommerzeit eine ruhige Börse erwartet die seitwärts bzw. leicht schwächer tendiert. Das Problem ist aber, dass viele Marktteilnehmer so denken. Viele erwarten eine Korrektur, viele erwarten eine Seitwärtsbewegung aber kaum einer erwartet steigende Kurse!
An der Börse passiert in der Regel aber das, was die wenigsten erwarten, daher bin ich jetzt im Zwiespalt, ob wir vielleicht doch nicht eine Hausse bekommen! Ein Auslöser für diese Situation könnte zum Beispiel Griechenland sein.
Was ist, wenn man sich doch darauf einigt Griechenland de facto in den Konkurs zu schicken. Natürlich nennt man das offiziell nicht so, da spricht man von „Streckung“, „Stundung“ oder „Haircut“. Was würde das an den Märkten auslösen?
Könnte das einen Crash an den Börsen auslösen? Vielleicht, aber wohin dann mit dem Geld? In die Anleihenmärkte würde es wahrscheinlich nicht fließen, denn die anderen Staaten scheinen nicht wirklich sicherer zu sein – oder? Schauen Sie sich nur die Diskussion in den USA an. Die sind de facto pleite und können ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen, wenn sie sich nicht darauf einigen, dass sie die Schuldenobergrenze erhöhen. Natürlich werden Sie die Schuldenobergrenze erhöhen. Kein US-Abgeordneter will, dass sein Land pleite geht. Aber ist das vertrauenswürdig? Gibt man so einem Land gerne sein Geld, das nur nicht pleite ist weil Sie per Gesetz die Schuldengrenze erhöht hat? Ich glaube nicht, wir müssen sogar damit rechnen, das Geld aus den Anleihenmärkten fließt, aber wohin mit dem Geld? Da wären noch die Rohstoffe, Immobilien, Schuldenabbau oder der Konsum.
Verbrauchen wir das Geld, kaufen wir uns noch ein wenig Luxus bevor das Geld vielleicht gar nichts mehr wert ist. Sicher eine gute Idee – führt dann zwar erst recht zu dem sogenannten Crack-up-Boom und zu hoher Inflation aber warum nicht. (Was ist ein Crack-up-Boom: http://www.smallcap-investor.de/downloads/crackupboom_2.pdf )
Investieren in Rohstoffe – klar warum nicht, Gold und Silber hatten immer ihren Wert, auch in jenen Tagen wo diese Rohstoffe überhaupt nicht gefragt waren, aber das ganze Geld können Sie da auch nicht investieren. Immobilien sind auch eine Möglichkeit aber schwierig und in Zeiten einer Wirtschaftskrise wären sie sehr schlecht zu vermarkten, des weitern sind Sie nicht mobil und der Staat kann Sie ganz leicht mit neuen Steuern belasten. Also nicht mein primäres Ziel.
Schulden abbauen, ist sicher auch eine gute Idee, denn man wird gegenüber anderen weniger „Erpressbar“. Das schlimmste wäre, wenn das Vermögen schmilzt wie die „Butter in der Sonne“ aber die Schulden immer größer werden, daran sind auch schon so manche Oligarchien in den letzten Finanzkrisen gescheitert.
Welche Möglichkeit haben wir noch? Wir müssen hier wirklich in einem großen Maßstab rechnen, denn der Anleihenmarkt ist neben dem Handel mit Währungen, der größte Markt der Welt und viel größer als der Aktienmarkt. Über kurz oder lang glaube ich, dass viele wieder zur Einsicht kommen, dass neben Konsumieren, Rohstoffe kaufen, Schulden abbauen, auch Investments in Aktien vor allem von Produzenten von Sachgütern oder Rohstoffen eine gute Sache sind.
Daher könnte der wahrscheinliche Konkurs von Griechenland eine enorme Kaufwelle an den Börsen auslösen und das vor allem in den guten alten Substanzaktien und Rohstoffaktien. Meiden sollte man aber noch immer Finanztitel auch wenn hier sich manchmal extrem gute Kurschancen bieten.
Fazit:
Ich erwarte eine Entscheidung in Griechenland in den nächsten Wochen. Die Krawalle die sich diese Nacht auch wieder entladen haben zeigen eindeutig, dass das Land, die im aufgezwungenen Sparmaßnahmen, nicht will und auch nicht umsetzen kann. Es sollten nun auch endlich die letzten EU-Politiker einsehen, dass das nicht gut gehen kann.
Zwar wird dann die EZB große Probleme haben, da die Abwertungen für ihre Griechenlandanleihen so hoch sind, dass sie fast das ganze Grundkapital der EZB auffressen, aber das kann mit ein paar Mrd. von jedem Mitgliedsland leicht ausgeglichen werden.
Der „Konkurs“ Griechenlands, auch wenn er so nicht genannt werden würde, würde eine Bewegung an den Märkten auslösen. Im ersten Schritt würden wahrscheinlich fast alle Märkte bis auf Gold und Silber fallen. Im zweiten Schritt würde es dann zu massiven Umschichtungen kommen. Möglicherweise würden Anleihen weiter verkauft werden, ausgenommen wären vielleicht Anleihen von Deutschland, Norwegen, Kanada und Australien. Aktien würden in der zweiten Welle eher gesucht werden, dabei aber vor allem Substanzwerte und Rohstoffwerte. Finanztitel würden massiv unter Abgabedruck stehen. Es steht uns daher ein heißer Sommer bevor!
Die Lethargie an der Börse wird wahrscheinlich bald Vergangenheit sein, denn Griechenland braucht eine Lösung und zwar schnell!

Kurs auf
Ihr
Joachim Brunner
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Achtung: Dieser Börsenbrief stellt nur die persönliche Meinung von Joachim Brunner dar und ist auf keinen Fall mit einer Finanzanalyse gleichzustellen. Bevor Sie irgendwelche Investments tätigen, ist eine professionelle Beratung durch ihre Bank unumgänglich.

Joachim Brunner ist Berater des First Junior Zertifikates (WKN LS1JEX) und des Fonds PI global one (WKN 0A0636) und Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Portfolio Invest in Salzburg. Es ist daher möglich, dass sich die in diesem Artikel beschriebenen Aktien im Fonds/Depot bzw. dem dazugehörigen Index befinden.

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