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Jetzt anmeldenMittwoch, 15. Juni 2011 | 10:46
Bericht vom 06.06.2011
Wie Sie alle wissen, bin ich ein Freund davon, Minen anzusehen bzw. das Management selber zu treffen. Nur wenn man den Leuten in die Augen schauen kann, weiß man, ob sie wirklich an das glauben, was sie sagen und das ist in unserem Job extrem wichtig. Investments, vor allem im Rohstoffsektor, sind hochriskant und daher kann man sein Risiko nur so reduzieren.
Das ist auch der Grund, weshalb ich zum Leidwesen meiner Frau und Kinder zu sehr vielen Konferenzen rund um die Welt fliege. Letzten Mittwoch war es wieder einmal so weit. Ich machte mich auf den Weg nach Vancouver, wo gestern und heute die alljährliche „World Resource Investment Conference“ stattfindet. Zig Termine waren bereits koordiniert, so dass es ein rundum interessanter und vor allem informativer Businesstrip werden sollte.
Da ich als Vielflieger regelmäßig mit einer deutschen Luftgesellschaft durch die Welt gondle und ich außerdem bereits kurz nach meiner Ankunft die ersten Termine hatte, war ich froh, dass ich ein Upgrade in die „Businessclass“ ergattern konnte. Damit stand einer entspannenden Anreise nichts mehr im Wege – so der Plan! Dieser hat auch gehalten, bis ich am Flughafen Linz am Check-In-Schalter angekommen bin.
Von da an nahm ein sehr langer Tag seinen Lauf. Die Dame am Check-In Schalter wollte mich nämlich gar nicht einchecken, da die Linz-Frankfurt Maschine Verspätung hatte und da es somit sehr unsicher war, dass ich meinen Anschlussflug nach Vancouver erwische. Na super – genau solche Meldungen will man hören, wenn man am Flughafen ankommt.
Also ab zum Ticketschalter! Nach 10 Minuten intensiver Suche der zuständigen Damen bildeten sich mehrere Optionen heraus. Jedoch könnte vor 11 Uhr noch nicht wirklich viel gesagt werden, denn zuerst müsste man wissen, wann die Maschine aus Frankfurt ankommt.
Um 11 Uhr wusste man dann endlich, dass die Maschine aus Frankfurt unterwegs ist, aber der Rückflug von Linz nach Frankfurt erst gegen 12 Uhr sein wird. Da ich mit Sicherheit meinen Flug nach Vancouver nicht erwischen würde, wurde ich auf den Flug nach Calgary mit Weiterflug nach Vancouver umgebucht. Die zweite Option, die ich noch hatte, war mit dem Taxi nach München zu fahren und über Chicago nach Vancouver zu fliegen. Dies war für mich weniger reizvoll, denn zweimal durch die „Immigration“ zu gehen, ist mehr als unangenehm, geschweige denn dass ich erst nach Mitternacht landen würde. Auch war schon lange nicht mehr die Rede von Businessclass, sondern ich konnte noch froh sein, dass ich in der berühmten Holzklasse etwas bekomme.
Also ab nach Frankfurt. Leider verzögerte sich der Abflug nach Frankfurt leicht, aber um 12:15 Uhr waren wir auf dem Weg. Es sollte nun eigentlich kein Problem sein, dass ich den Anschlussflug erwische, denn die Maschine nach Calgary startet erst um 14:10 Uhr und nach Frankfurt fliegt man ja nur 50 Min. bis 1 Std. So die Theorie, leider schaut die Praxis wie immer anders aus. Was ich bis zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht wusste, war, dass in Frankfurt eine Landebahn wegen Wind gesperrt wurde und daher staute es sich in Frankfurt gewaltig.
Nichts war es mit 50 Minuten Flugzeit, auch nicht 1 Std. nein, nahezu 1,5 Std. waren wir in der Luft und wir haben ein paar Extrarunden über Frankfurt gedreht. Jetzt wurde es knapp. Ich wusste ja noch nicht einmal welches Gate ich nehmen musste. Auch waren wir wie immer auf einer Außenposition und wurden mit dem Bus abgeholt. Jetzt musste alles schnell gehen, ich durfte mir keine Fehler erlauben. Ich musste also meine ganze Erfahrung als Flug- und Flughafenjunky in die Waagschale werfen. Das ist wie an der Börse, die verzeiht auch keine Fehlentscheidungen.
Es war nun 13:48 Uhr. Ich rannte also raus aus dem Bus, vorbei an der Masse der Leute, auf keinen Fall die Rolltreppe verwenden, die kostet nur Zeit, jetzt schnell einen Überblick verschaffen, wo ich überhaupt bin. OK, ich bin im Terminal A angekommen, nur schlecht da ich ja zum Terminal B musste. OK, der Tunnel – ich laufe den Terminal A entlang, in der Mitte von Terminal A ist im Keller der Übergang zu Terminal B. Das ist die einzige Strecke, die ich nehmen kann, denn sonst lande ich bei der Sicherheitskontrolle und beim Securitycheck. Die Zeit läuft!
13:50 Uhr. Der Abgang zum Tunnel ist erreicht. Nein, nicht auf den Lift warten, der ist einfach zu langsam, die drei Stockwerke schaffe ich schneller zu Fuß. Geschafft, jetzt schnell die elendslangen Laufbänder bewältigen. Im Schnellschritt an ein paar Flughafentouristen vorbei, denn die Zeit läuft.
13:52 Uhr - die Sekunden laufen. Am Ende des Tunnels sause ich die Stockwerke wieder hoch. Langsam komme ich ins Schwitzen. Gut dass ich in den letzten Wochen 10 kg abgenommen habe, sonst wäre ich jetzt schon aus der Puste.
Aber wo muss ich hin, welches Gate ist das richtige? Ah, die ersten Monitore. Gate B45. Also jetzt aber schnell, der Abflug der Maschine ist um 14:10 Uhr.
13:53 Uhr – links, rechts, wieder links – warum gehen am Flughafen eigentlich die Leute immer so unkoordiniert herum? Endlich, das Gate ist in greifbarer Nähe und es steht noch Personal da. Geschafft. 13:54 Uhr - ich glaube das war Rekordzeit – ob das für das Guinnessbuch der Rekorde reicht?
Jetzt noch schnell zum Schalter, da ich noch kein Ticket und keinen Sitzplatz habe (das konnte man mir in Linz nicht ausstellen). Die Dame, die für die Abwicklung des Fluges zuständig ist, drückt auf die Tube – alles muss schnell gehen. Es gibt nur noch Mitte/Mitte Sitze - na super, mein Lieblingsplatz, bei dem man sich gut vorstellen kann, wie sich eine Sardine in der Dose fühlt, fehlt nur noch, dass man ein wenig Öl über einen schüttet, damit man sich zumindest ein wenig im Sitz winden kann. Aber egal – ach ja, das Gepäck wird es auch nicht mehr schaffen, habe ich so nebenbei noch erfahren. Äh - ohne Gepäck – und wann kommt das an? Keine Ahnung, war die aufmunternde Antwort der Dame vom Bodenpersonal. Mir kamen wieder die Horrorbilder von meinem Torontotrip vor 2 Jahren in den Sinn. Da hat es der Flughafen nicht geschafft, mir meine Koffer 5 Tage lang ins Hotel zuzustellen. Damals bin ich dann selber zum Flughafen gefahren und habe mich durch Unmengen von Koffern gewühlt, um meinen eigenen zu finden. Es wäre aber auch nicht aufgefallen, hätte ich einen fremden Koffer mitgenommen.
Also meine Entschlossenheit schwankt. Ölsardine auf einem Mitte/Mitte Sitz ohne Koffer war nicht gerade meine Traumvorstellung. Gibt es noch eine Alternative für mich?
Ja. Mir wurde bereits in Linz gesagt, dass um ca. 17 Uhr eine Maschine nach Toronto geht und von dort könnte ich dann nach Vancouver weiterfliegen. Ich würde zwar auch erst um Mitternacht landen, aber ich könnte zumindest noch alle meine Termine am nächsten Tag wahrnehmen und mein Koffer würde das sicher auch schaffen. Also die Entscheidung ist gefallen. Bye bye Calgary – hello Toronto!
Ich musste zum Transferschalter bzw. noch besser zum Ticketschalter gehen. Da dieser in einer anderen Zone ist, probierte ich zuerst den Transferschalter. Also auf zu Gate B22. Vor mir stehen einige Leute an. Eine Dame vom Bodenpersonal hält sich im Hintergrund auf und ich versuche sie kurz zu fragen, ob ich hier überhaupt richtig bin! Leider werde ich mit einer souverän gespielten Leichtigkeit ignoriert. OK, nach drei Minuten der zweite Anlauf. „Ich bin gerade am Telefon“ war die kurze aber sehr bissige Antwort auf meine Frage. Wow, der Tonfall war so bissig, dass die Dame in einem „Piranha Becken sicher die Chefpiranha wäre“. Durch Zufall bekomme ich aber mit, dass der Fluggast, der gerade am Schalter stand, den Calgary Flug verpasst hatte und dass diesem hier nicht geholfen werden kann. Ich muss zum Ticketschalter. Naja, der Gedanke war mir gar nicht so unrecht. Muss ich halt rund um den Terminal B laufen, aber zumindest bleibt mir die Begegnung mit dem „Chefpiranha“ erspart.
10 Minuten später habe ich es geschafft. Ich stehe am Schalter und sehe endlich ein freundliches Gesicht! Die Auskunft, die mir allerdings gegeben wurde, war überhaupt nicht erfreulich. Die Maschine nach Toronto ist gerade voll geworden und somit kein Platz mehr für mich verfügbar. Die Zeit läuft. Es ist bereits kurz nach 14:30 Uhr. 10 Minuten später steht fest, dass es eigentlich nur mehr eine Kombination gibt und die heißt, Frankfurt-London, London–Toronto und Toronto-Vancouver. Aber mein Gepäck wird auch diese Flugkombination nicht schaffen.
Da hätte ich ja gleich die Ölsardine nach Calgary machen können! Aber nach kurzem hin und her – was soll's, ich muss rüber – ich habe am nächsten Tag 5 Termine – buche ich diesen Trip, obwohl mir noch keiner sagen kann, auf welchen Terminal ich in London ankomme und vor allem von welchem mein Torontoflug abgeht.
So, das Ticket in der Hand jetzt schnell zum Gate B27. Und schon wieder einmal ein Securitycheck. Nachdem das Boarding schon begonnen hatte, muss wieder alles ganz schnell gehen. Ich also zum Securitycheck und runter zum Gate. Geschafft, mit dem Ticket in der Hand sitze ich in der Maschine. Die Flugzeugtüren sind zu und die Fluggastbrücke ist zurückgezogen. Langsam beruhige ich mich und stelle mich schon geistig auf einen rasanten Wechsel am Flughafen London ein. Denn auch da muss alles schnell gehen, da die Umsteigezeit sehr knapp berechnet ist. Da ertönt eine freundliche Stimme aus dem Cockpit. „Liebe Fluggäste, wir haben unsere Flugvorbereitungen abgeschlossen und können gleich losfliegen. Leider ist eine Flugbahn in Frankfurt gesperrt und daher müssen wir jetzt noch rund 1 Stunde warten, bis wir starten können.“
Äh - was war das? Eine Stunde warten? Das geht nicht, da verpasse ich meinen Anschlussflug. Ich springe auf und laufe nach vorne zum Cockpit. Nach einer kurzen Diskussion mit dem Flugbegleiter spreche ich gleich direkt mit dem Kapitän und nach 5 Minuten konnte ich ihn überzeugen. Also wieder die Fluggastbrücke ran – Tür auf – ich raus aus der Maschine!
Mittlerweile war es nach 15 Uhr geworden. Ich bin wieder zurück zum Ticketschalter gelaufen. Wieder durch den ganzen Terminal B und wieder zum freundlichen Lächeln der Ticketdamen. Da die Dame, die mich zuvor betreut hat, bereits besetzt war, wurde ich von einer anderen Ticketdame betreut. Sie wurde jedoch von ihrer Vorgängerin kurz instruiert und nach wenigen Minuten stand fest, ich sitze in Frankfurt fest. Heute geht nichts mehr in Richtung Kanada geschweige denn nach Vancouver. Also ab ins Hotel und ein neuer Versuch am nächsten Tag!
Ich bin natürlich sehr erfreut. Den ganzen Tag unterwegs und man bewegt sich nicht wirklich weiter. Meine Termine kann ich auch alle streichen. Also ich muss schon sagen, viele Wege / Flüge führen nach Vancouver aber für mich heute keiner!
Egal, ich muss nach vorne schauen. Nach einem kurzen Telefonat mit meinem Büro wird bereits fleißig daran gearbeitet, die Termine zu verschieben bzw. sie in dem straffen Terminplan neu einzuarbeiten.
Als ich gegen 17 Uhr im Hotel ankomme, bin ich fix und fertig. Obwohl ich eigentlich nicht viel gemacht habe, bin ich körperlich vollkommen ausgelaugt. Eines habe ich mir aber geschworen: Sollte es am nächsten Tag auch wieder so zugehen, dann soll es dieses Mal einfach nicht sein, dass ich nach Vancouver fliege – dann streiche ich den ganzen Trip!
Ob ich es am folgenden Tag geschafft habe, nach Vancouver zu fliegen, erfahren Sie in den nächsten Tagen, wenn ich von der Messe berichte oder auch nicht! In der Zwischenzeit viel Erfolg an der Börse!
Kurs auf
Ihr
Joachim Brunner
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