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Jetzt anmeldenDienstag, 15. Mai 2012 | 11:26
von Sven Weisenhaus ...Das ist schon beeindruckend - um ganze 0,5% konnte die deutsche Wirtschaft zum Jahresbeginn (1. Quartal 2012) zulegen und ist damit nicht in eine Rezession gerutscht. Dies war auch weder von mir, noch von anderen Experten erwartet worden, denn die deutsche Wirtschaft zeigte sich enorm robust im Vergleich zu den umliegenden Ländern. Gerade hier im Wave Daily hatte ich Deutschland häufiger als die Insel des Glücks bezeichnet.
(Quelle: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden 2012)
Im Schlussquartal 2011 hatte es mit -0,2% den ersten kleinen Dämpfer für das deutsche Bruttoinlandsprodukt seit der Wirtschaftskrise 2009 gegeben. Daher war zunächst, im Hinblick auf die europäische Schuldenkrise, eine Fortsetzung der Wirtschaftsschwäche in Deutschland auch im 1. Quartal 2012 erwartet worden. Diese Erwartungen veränderten sich jedoch mit jedem neuen positiven Konjunkturdatum, welches in diesem Zeitraum veröffentlicht wurde.
Vorzeichen für ein Wachstum auch im 2. Quartal
Zum ersten Quartal des Vorjahres kletterte das BIP um 1,7 %, kalenderbereinigt lag die Zuwachsrate bei 1,2 %. Und es sieht auch so aus, als würde sich das Wachstum weiter fortsetzen. Denn die Erzeugung im Produzierenden Gewerbe erhöhte sich im März vorläufigen Angaben zufolge gegenüber dem Vormonat preis-, kalender- und saisonbereinigt spürbar um 2,8%. Im Monat zuvor war sie noch deutlich aufwärts revidiert um 0,3% zurückgegangen.
Und auch die Auftragseingänge in der Industrie erhöhten sich vorläufigen Angaben zufolge im März preis-, kalender- und saisonbereinigt im Vergleich zum Vormonat deutlich um 2,2%. Im Vormonat war der Auftragseingang revidiert um 0,6% (doppelt so hoch aus wie bislang angenommen) gestiegen.
Das sind schon sehr deutlich positive Vorzeichen für ein BIP-Wachstum auch im 2. Quartal.
Besonders die boomenden Geschäfte mit Schwellenländern sorgten bei der deutschen Industrie für überraschend dicke Auftragsbücher. Die Bestellungen aus Ländern außerhalb des Währungsgebietes stiegen um kräftige 4,8%. Die Aufträge aus den gegen die Schuldenkrise kämpfenden Euro-Staaten stagnierten allerdings (wundert Sie das?).
Die Eurozone ist der wichtigste deutsche Exportmarkt: Etwa 40% der Ausfuhren landen dort.
Heftiger Dämpfer
Einen heftigen Dämpfer gab es jedoch vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Wie das ZEW heute bekannt gab, sind die Konjunkturerwartungen für Deutschland im Mai um 12,6 Punkte gefallen und stehen nun bei 10,8 Punkten. Dies ist der erste Rückgang des Indikators nach zuletzt fünf Anstiegen in Folge.
Die Bewertung der aktuellen Lage für Deutschland hat sich dagegen noch einmal leicht verbessert. Der entsprechende Indikator steigt im Mai um 3,4 Punkte und notiert nun bei 44,1 Punkten.
Funktionsweise des ZEW-Index
Die ZEW-Konjunkturerwartungen ergeben sich aus dem ZEW-Finanzmarkttest als Saldo der prozentualen positiven und negativen Antworten der Umfrageteilnehmer auf die Frage nach der Konjunkturentwicklung in 6 Monaten. Der Anteil derjenigen, die mit keiner Veränderung der Konjunktur rechnen, spielt dabei für den Saldo keine Rolle.
Finanzexperten folgen häufig dem Aktienmarkt
Da der ZEW-Index die Befragung von bis zu 350 Analysten und institutionelle Anleger zum Gegenstand hat, ist es aber in meinen Augen aufgrund der Kursrückgänge und der aktuell schwierigen Lage am Aktienmarkt kaum verwunderlich, dass sich der Index abgeschwächt hat. Die Umfragewerte gelten unter vielen Experten als dem Aktienmarkt folgend.
Stimmung für Europa schlechter als schlecht
Die Konjunkturerwartungen für die Eurozone sind im Mai um 15,5 Punkte gegenüber dem Vormonat gefallen und liegen nun bei minus 2,4 Punkten. Der Indikator für die aktuelle Konjunkturlage im Euroraum ist um 11,2 Punkte gefallen und liegt nun bei minus 60,2 Punkten.
Dennoch eine handfeste Überraschung
Was mich jedoch vor diesem Hintergrund besonders überrascht hat: Wie das Statistikamt Eurostat heute nach Schnellschätzungen mitteilte, gab es auch sowohl im Euroraum (ER17) als auch in der EU27 KEINE Rezession. Das Bruttoinlandsprodukt stagnierte lediglich von Januar bis März im Vergleich zum Vorquartal. Wer hätte das vor dem Hintergrund der unglaublich schlechten Konjunkturdaten und -erwartungen gedacht?!
Im vierten Quartal 2011 betrug die Wachstumsrate in beiden Gebieten -0,3%. Erst bei zwei Minus-Quartalen in Folge sprechen Ökonomen von Rezession.
Im Vergleich zum entsprechenden Quartal des Vorjahres ist das saisonbereinigte BIP im ersten Quartal 2012 im Euroraum stabil geblieben und in der EU27 um 0,1% gestiegen
Allein die deutsche Wirtschaft bewahrt Europa vor der Rezession
Allerdings wurde die Euro-Zone allein durch das kräftige deutsche Wirtschaftswachstum noch einmal haarscharf vor einer Rezession bewahrt. Denn selbst unser Nachbar Frankreich kam im ersten Quartal nicht vom Fleck. Und natürlich sah es in den Krisenländern noch viel schlimmer aus: Die spanische Wirtschaft schrumpfte um 0,3% und steckt damit in einer Rezession. Ebenso erging es Italien, wo das BIP sogar um 0,8% zurück ging, was den dritten Rückgang in Folge bedeutet. Und auch Portugal findet nicht aus der Rezession: Hier gab es ein Minus von 0,1%.
Ich wünsche Ihnen gute Gewinne
Sven Weisenhaus
Dieser Bericht wurde nicht geprüft. Für Richtigkeit der Angaben übernimmt Silbernews keine Haftung.
Quelle: http://www.investor-verlag.de