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Jetzt anmeldenFreitag, 13. Juli 2012 | 10:10
von Michael Vaupel ...*** Wie schön, wer sich alles in der Traders Daily-Gemeinde findet. So schrieb mir ein Kindergartenfreund (!) einen Leserbrief zur Ausgabe vom Mittwoch "Wie man (als Staat) mal eben eine Million verdienen kann": "Es wird dich vielleicht interessieren, dass Frankreich genauso wie Deutschland beim Leihen Geld verdient!"
In der Tat. Interessanter Hinweis. Auch Frankreich konnte diese Woche neue Schatzanweisungen verkaufen, mit negativer Rendite. Für fast 6 Mrd. Euro platzierte der französische Staat diese Papiere mit sehr kurzer Laufzeit (3 bis 5,5 Monate). Dafür erhält der französische Staat eine Rendite von 0,005 bis 0,006% p.a.
Damit hat es Frankreich richtig gemacht, es nutzt das, was der Markt gerade ermöglicht. Und "der Markt" ist natürlich keine abstrakte Größe, sondern es sind diverse Marktteilnehmer. Banken, Hedgefonds, institutionelle Anleger (Versicherungen), Privatanleger. Wenn diese bereit sind, einen kleinen Betrag dafür zu zahlen, dass Sie dem Staat Geld leihen dürfen, dann ist es vollkommen ok als Staat, das zu nutzen.
Freut mich insofern für Frankreich und Deutschland.
Ob ich selber mein Geld so "anlegen" würde, ist eine andere Sache. Nein, würde ich nicht. Da gibt es keine Zinsen für das Eingehen eines Risikos. Es ist stattdessen: "Risiko ohne Zinsen".
Denn natürlich stehen Deutschland und Frankreich im EU-Vergleich sehr gut da. Indes, unter den Blinden ist auch der Einäugige König. Nein, das klingt zu hart, denn mit etwas guter Regierungspolitik sind die Schuldenberge Deutschlands und Frankreichs handhabbar.
Aber was ist mit den unabsehbaren Risiken? Was, wenn weitere Staaten bzw. ganze Bankensysteme innerhalb Europas gestützt werden müssen bzw. wollen? Irgendwann ist auch die Finanzkraft Deutschlands und Frankreichs überfordert.
Dieses Risiko sehe ich, und deshalb würde ich ganz bestimmt keine deutschen oder französischen Staatspapiere kaufen, wenn ich dafür noch nicht einmal einen Risikoausgleich = Zins bekomme.
Noch ein Aspekt am Rande. Dieser besagte Kindergartenfreund namens Yann ist der lebende Beweis, dass es einen europäischen Gedanken jenseits von ESFS und ESM gibt. Vater gebürtiger Deutscher, Mutter gebürtige Französin. Aufgewachsen in beiden Ländern, zweisprachig. Die Eltern legten Wert auf Auslandsaufenthalte in England, damit Englisch die dritte Sprache ist, welche die Kinder fließend beherrschen. Nun wohnhaft im Elsass. Nationalität? Europäisch!
Vaupel findet: Gut so. Europa soll nicht nur auf Rettungsschirme reduziert werden. Es ist so viel mehr.
Überstehen Sie den heutigen Freitag 13. gut, und danach angenehmes Wochenende!
Ihr
Michael Vaupel
Diplom-Volkswirt / M.A.
Chefredakteur Traders Daily
Dieser Bericht wurde nicht geprüft. Für Richtigkeit der Angaben übernimmt Silbernews keine Haftung.
Quelle: http://www.investor-verlag.de