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06.07.12 Die EZB zwischen allen Stühlen

Freitag, 06. Juli 2012 | 05:13

von Miriam Kraus ...Es hätte doch so ein schöner Tag werden können für die Märkte. Oder anders gesagt, der Tag fing doch so gut an. Die People's Bank of China überraschte den Markt mit mehr als einer ebenso wenig erwarteten Zinssenkung und die Bank of England hat ihr Anleihenkaufprogramm ausgeweitet. Und dann...Auftritt der großen EZB...die senkt Leit- und Einlagenzins, aber so richtig kann sie die Märkte dann doch nicht vom Hocker hauen. Warum? Ganz einfach, weil sie bei allem irgendwie immer nun halbherzig rüber kommt. Und wie sollte es auch anders sein?! Schließlich muss sie Geldpolitik für 17 unterschiedliche Staaten mit unterschiedlichen Voraussetzungen machen.Was soll da mit normalen Mitteln schon noch funktionieren?

Die EZB zwischen dem Norden...

In z.B. Deutschland sieht man die heutige Leitzinssenkung um 0,25 Prozentpunkte auf historisch tiefe 0,75%, sowie die Senkung des Einlagenzinssatzes für die Banken auf 0% (das bedeutet, die Banken kriegen keine Zinsen mehr, wenn sie ihr Geld bei der EZB parken....der Hintergrund hier: die Banken sollen so dazu animiert werden, ihr Geld in die Wirtschaft zu pumpen, also Kredite zu vergeben) eher kritisch.

Und das nicht etwa weil die Deutschen und Holländer generell keine tiefen Zinsen mögen, sondern aus nachvollziehbaren und realen Gründen. Denn in Deutschland und den Niederlanden usw. haben die Unternehmen eigentlich keine großen Probleme an Kredite zu kommen - hier läuft's und läuft's und läuft's ja schon. Aber mit jetzt noch niedrigeren Zinsen wird's wahrscheinlich noch schneller laufen. Bedeutet: wenn man nicht aufpasst, dann kommt es zu immer günstigeren Krediten, Kreditschwemmen und schließlich Blasen in Deutschland und Co. Diese Gefahr ist nicht aus der Luft gegriffen, in Deutschland bestehen bereits jetzt schon erste Formen der Überhitzung, z.B. in der Baubranche. (und ja, liebe Leser, Sie erinnern sich: diese Entwicklung kennen wir aus Staaten, die heute in der Patsche sitzen, wie zum Beispiel Spanien....so weit sollte es in Deutschland besser nicht kommen...).

...und dem Süden!

Dagegen im Süden....hier müsste eigentlich die Kreditvergabe endlich wieder angeworfen werden. Denn in Ländern wie Spanien, Italien usw. haben die Banken die Hosen so gestrichen voll, dass sie sich erst gar nicht an die Wirtschaft ran trauen. Die Senkung des Leitzinssatzes wird, ehrlich gesagt, überhaupt nichts bewirken. Die überraschende Senkung des Einlagenzinssatzes? Nun ja....man könnte schon meinen, dass die Banken sich jetzt doch eher berufen fühlen, endlich wieder Kredite an die Unternehmen in Spanien und Italien zu vergeben. Aber ehrlich gesagt, ich glaub nicht wirklich dran. Denn die Banken haben Angst (zu Recht, denn nicht wenige europäische Banken müssen in erster Linie ihre Bilanzen auf Vordermann bringen...eine Maßnahme mit der sie übrigens auch versuchen, nicht irgendwann vom Steuerzahler gerettet werden zu müssen) und sie werden so lange Angst haben, bis ihnen irgendjemand glaubhaft versichert, dass ihr Geld in Spanien, Portugal und Italien auch tatsächlich sicher ist. Die Politik jedoch vermag das bisher nicht....und die EZB sitzt weiterhin und wie immer zwischen allen Stühlen....

Trauerkloß EZB

Der IWF hat auch längst kapiert, dass mit der Politik kaum ein Blumentopf zu gewinnen sein wird. Deshalb wendet sich IWF-Häuptling Lagarde auch lieber an die EZB. Tatsächlich könnte die EZB schon dafür sorgen, dass ein wenig mehr Vertrauen entsteht. Und zwar indem sie sich genauso offen zeigt, wie das heute z.B. die chinesische und die britische Notenbank getan haben. Wenn die EZB klar stellen würde, dass sie nicht nur die Banken, sondern in letzter Instanz auch die Staaten stützt, könnte der Markt (wie schon zu Beginn des Jahres, nachdem die EZB im Dezember mit der unbedingten Aufrechterhaltung der Banken für zwischenzeitlichen Optimismus gesorgt hatte) endlich wieder über seine Blümchenwiese springen.

Doch die EZB mag nicht so recht, ist zögerlich...vor allem, weil sie auch in diesem Punkt zwischen allen Stühlen sitzt. Schließlich sind die Nordeuropäer ganz und gar nicht einverstanden, wenn die EZB einfach Süd-Anleihen kauft.

Und so verkommt die EZB erstmal wieder zum zahnlosen Trauerkloß (was im Übrigen aber nicht heißt, dass das so bleiben muss....denn eigentlich will die EZB ja gar kein Trauerkloß sein, sondern genau so cool wie FED, BoE und PBoC...sie braucht nur eben wahrscheinlich, wie alles in Europa, ein bisschen länger dafür...soll heißen: auch wenn sie jetzt noch so zögert und den Markt enttäuscht, am Ende wird ihr ja doch nichts anderes übrig bleiben, als zu fluten und zu kaufen) und der vor allem hinter einer People's Bank of China völlig verblasst.

Denn in China funktionieren (im Gegensatz zum "Westen") die Maßnahmen der Notenbank.

In China, wo man nun zum zweiten Mal in diesem Monat den Leitzinssatz gesenkt hat und die Banken anhält die Kreditvergabe zu steigern (hierzu dürfen die Banken die Kredite bis zu 30% unter Leitzinssatz anbieten), bereitet man sich ganz offensichtlich nun stärker auf das Euro-Desaster vor.

Ich erwarte somit auch weiterhin keinen so genannten Bauchklatscher für Chinas Wirtschaft. Dafür spricht, neben steigenden Rohstoffimporten, im Übrigen auch das neue China Beige Book von CBB. Hierbei handelt es sich um einen neuen Konjunkturbericht, der nach den Prinzipien des FED Beige Book durchgeführt wird. Dieser zeigt eine steigende Kreditnachfrage und steigende Konsumausgaben - also genau das, was Peking will: einen wachsenden Binnenmarkt.

Sie sehen also, wie ich schon öfter sagte: nicht verzagen, es gibt ja noch so viel mehr außerhalb Europas!

Dieser Bericht wurde nicht geprüft. Für Richtigkeit der Angaben übernimmt Silbernews keine Haftung.
Quelle: http://www.investor-verlag.de

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