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01.06.12 Nach der Krise ist vor der Krise

Freitag, 01. Juni 2012 | 03:55

von Martin Stephan (Gastbeitrag) ...Auch ein nicht stattfindender Austritt der Griechen aus dem Euro beseitigt nicht ein einziges Problem, weder für Griechenland, noch für Spanien oder Italien oder andere Solvenz-Wackler. Das Schrecken ohne Ende setzt sich damit nur fort, wie lange ist unklar, aber vermutlich sind es nur einige Monate, bis es entweder erneut in Griechenland oder an der spanischen Front kriseln wird.

In der Folgezeit wird sich immer mehr in die Köpfe der Bürger der Krisenstaaten einbrennen, welche Risiken diese eingehen, wenn sie nicht aktiv handeln. Die Kapitalflucht wird folglich anhalten, bzw. massiv zunehmen. Ländern, die aus Sicht der Bevölkerung tatsächlich mit einem Euro-Austritt liebäugeln, drohen „Bank-Runs" größeren Ausmaßes, die Bürger werden jeden Cent versuchen abzuheben, den das Konto zulässt, inklusive möglicher Kreditlinien („Dispo").

Sind Bank-Runs überhaupt noch aufzuhalten?

Es stellt sich an dieser Stelle die Frage, ob solche Massenplünderungen der Konten durch dieBürger überhaupt noch aufzuhalten sind. Bedenken Sie: Guthaben werden derzeit so gut wie garnicht verzinst, folglich sind es nicht die Erträge, die bei Bankkunden mit Habensaldo im Mittelpunkt stehen, sondern schlicht und einfach die Bequemlichkeit diese Guthaben in anderer Form vorzuhalten.

Die Schwelle zum Abheben ist demnach extrem gering, auch in stabileren Ländern wieFrankreich oder Deutschland.

Der Bürger muss sich angesichts der unüberschaubaren Situation bei so gut wie allen in Europa aktiven Geschäftsbanken doch die Frage gefallen lassen, warum er ein Risiko eingeht. Natürlich mag das in Bezug auf deutsche Banken geringer sein als beispielsweise bei spanischen Instituten, aber dennoch ist es vorhanden. Da die Giralguthaben kaum verzinst werden und auch Termingelder kaum nennenswerte Erträge bringen, müssen auch in Deutschland hohe Guthabenbeträge als „gewagter Luxus" klassifiziert werden.

Da Transaktionen zu anderen Banken nichts kosten, ebenso wenig wie die Barentnahme, stellt sich doch die Frage warum man überhaupt das Risiko des „Untergangs" eingehen sollte?

Bank-Runs in Zeitlupe

Derzeit ist ein nennenswerter Abfluss von Bankguthaben vor allem in Griechenland sichtbar. Unmittelbar in den Tagen nach der Wahl sind nach Schätzungen von Experten weitere 700 Mio. bis1,2 Mrd. Euro von Geldinstituten abgezogen worden. Angesichts einer geschätzten Guthabensumme der Griechen in Höhe von etwa 170 Mrd. Euro mag das nicht viel sein, aber mit jedem Tag steigt der Geldabfluss, explodieren die Target2-Salden.

Und: steter Tropfen höhlt den Stein, denn seit 2009 hat der griechische Bank-Run in Zeitlupe die heimischen Banken bereits ein Drittel der Spareinlagen gekostet - und jetzt kommt esnoch einmal zur Tempoverschärfung.

Auch in Spanien kam es im Rahmen der Bankia-Rettung durch den Staat - gemessen an der Einlagensumme handelt es sich bei Bankia um die zweitgrößte Bank Spaniens - zu einem Abfluss an Kundengeldern an nur wenigen Tagen von schätzungsweise 1 Mrd. Euro. Als eine spanische Zeitung darüber berichtete, brach der Aktienkurs der Bank um 30 % ein und Madrid übernahm „verbale Garantien", dass bei Bankia nach der Teilverstaatlichung jetzt aber alles in Ordnung sei.

Wer das geglaubt hat, war natürlich extrem naiv.

Run in Sachwerte

Keine Frage, als Kunde so einer Bank, die nun auch ins „Gerede" gekommen ist, muss man so schnell es geht die Sparguthaben entfernen, es geht nicht anders.

Aktuell haben wir es mindestens in Ansätzen mit einer Vertrauenskrise größeren Ausmaßes zu tun. Die Bürger begreifen langsam, dass es nicht nur die Staaten sind, deren Schulden ein Problem darstellen, sondern vor allem auch die Banken, denen aufgrund von Abschreibungen verschiedenster Güte das Wasser teilweise bis zur Oberkannte Unterkiefer steht.

Und die EZB kann hier immer weniger „helfen", selbst wenn sie wollte, denn diesen Banken sind inzwischen die durch die EZB akzeptierten Sicherheiten ausgegangen, gegen die es weitere Kreditgelder geben würde.

Der Run in Sachwerte dürfte kaum aufhaltbar sein

Doch wie sieht die einfachste Lösung für Sparer in diesen immer unsicheren Zeiten aus - sowohlin Südeuropa als auch hier?

Es müssen Sachwerte her!

Weg mit den Staatsanleihen, die negative Real-Verzinsungen einbringen, weg mit den Spareinlagen, die neben der lächerlichen Rendite auch noch das zusätzliche Risiko einer Bankinsolvenz (auch in der Euro-Kernzone) bzw. eines Euro-Austritts mit Zwangsumstellung der Guthaben auf die neue Währung (Euro-Peripherie) mit sich bringen. Mit den Geldern sollten die Bürger Europas Sachwerte erwerben.

Angefangen bei den Edelmetallen, über andere wertbeständige Dinge bis hin zu Aktien. Es müssen natürliche jene Unternehmensanteile gekauft werden, deren Gesellschaften auch etwas produzieren (Güter, Rohstoffe) und natürlich keine Finanzdienstleister, denn deren Geschäft sieht vorerst düster aus, da ein Großteil viel Zeit benötigen wird um die Abschreibungen über sichere Bankgeschäfte wieder einzuspielen. Zeit, die vermutlich nicht zur Verfügung stehen wird...

Mit den besten Grüßen

Martin Stephan

Hinweis:Martin Stephan ist Chefredakteur des Börsendienstes Travel Trader, dem Börsendienst mit dem globalen Insidernetzwerk. Hier erhalten Sie weiterführende Informationen:Travel Trader

Dieser Bericht wurde nicht geprüft. Für Richtigkeit der Angaben übernimmt Silbernews keine Haftung.
Quelle: http://www.investor-verlag.de

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