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Jetzt anmeldenMontag, 11. Juni 2012 | 12:45
Robert Rethfeld - Wellenreiter-Invest.de
Der Einkommensanteil der Top 1 Prozent aller US-Haushalte erreichte im Jahr 1928 - kurz vor Beginn der großen Depression - 24 Prozent. Als die Blase platzte, fiel die Ungleichverteilung der Einkommen drastisch.
Nach dem zweiten Weltkrieg setzte eine Phase ein, in der die Einkommen recht gleichmäßig stiegen. Als die Bärenmarktphase der 1970er Jahre endete, nahm die Ungleichverteilung zu. Dies geschah vor allen Dingen zwischen 1982 bis 1987. In dieser Phase stiegen die Aktienkurse deutlich. Nach dem Crash von 1987 setzte eine Phase ein, in der der Einkommensanteil der Top 1 Prozent konstant blieb.
Der zweite Schub zugunsten der Top 1 Prozent setzte mit der New Economy-Blase (1995 bis 2000) ein. Zwischen 2002 und 2007 verschob die Emerging Markets Blase die Einkommensstruktur noch stärker hin zu den Top-Verdienern. Der Wert aus dem Jahr 1928 wurde im Jahr 2007 erneut erreicht.
Bei 24 Prozent (rote Linie obiger Chart) befindet sich offenbar eine Barriere, die nicht so leicht zu "knacken" ist. Würde der Einkommensanteil der Top-1-Prozent-Verdiener die Marke von beispielsweise 30 Prozent erreichen, hätte die Occupy-Bewegung die Kraft, Volksaufstände zu organisieren.
Die Quintessenz daraus ist: Zur Selbstregulierung benötigt das Finanzsystem den Konjunkturzyklus. Ohne Abschwünge, Rezessionen, Depressionen würde das Ungleich-gewicht untragbar groß werden. Aber das hat seinen Preis: Der "Kollateralschaden" des Konjunkturzyklus ist die - in Abschwüngen steigende - Arbeitslosenquote.
Seit dem Jahr 2000 sind die US-Jobs in der verarbeitenden Industrie von 17 auf 12 Mio. zurückgegangen.
Waren nach dem Krieg mehr als 30% in der verarbeitenden Industrie beschäftigt, so sind es heute lediglich 10%.
Die Zahl der US-Beschäftigten befindet sich seit 12 Jahren einem annähend gleichen Niveau (etwa 135 Mio.; folgender Chart).
Die US-Bevölkerung ist seit dem Jahr 2000 von 282 Mio. auf 314 Mio. gestiegen. Der Zuwachs um 32 Mio. Einwohner bei einer gleichbleibenden Anzahl von Arbeitsplätzen führt entweder zu einer höheren Arbeitslosenquote oder zu einer geringeren Haushaltseinkommen (oder zu beidem).
Jeder neue Abschwung verschärft das Problem. Arbeitsplätze werden abgebaut, ohne dass im Aufschwung ausreichend neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Bisher war der tertiäre Sekor (Dienstleistungen) die treibende Kraft für das Beschäftigungswachstum nach dem zweiten Weltkrieg. Den Strukturwandel in der Beschäftigung macht der folgende Chart deutlich. Er gilt für Deutschland.
In den USA nimmt der Dienstleistungssektor einen noch größeren Raum ein. Die Frage: "Was folgt auf den tertiären Sektor?" kann in immer mehr Industrieländern mit dem Rückzug aus dem Berufsleben bzw. der Arbeitslosigkeit beantwortet werden. In Ländern wie Deutschland und Japan, die über eine schrumpfende Bevölkerung verfügen, ist Arbeitslosigkeit derzeit kein großes Thema. Ob sich diese Differenzierung aufrecht erhalten lässt, wird der nächste Abschwung erweisen.
Fazit: Im Jahr 2007 erreichte das Einkommensungleichgewicht in den USA ein oberes Extrem. Ein solches Extrem wurde lediglich im Jahr 1928 kurz vor der großen Depression notiert. Größere Rezessionen verringern die Ungleichgewichte, bringen aber "Kollateralschäden" in Form höherer Arbeitslosenquoten mit sich. In den USA herrscht eine strukturelle, nicht über einen Aufschwung zu beseitigende Arbeitslosigkeit, die in einem nächsten konjunkturellen Einbruch weiter anziehen dürfte. Dann mögen zwar die Einkommensungleichgewichte geringer geworden sein.
Doch was würde dies nutzen? Eine Einkommenseinbuße von 3.000 Euro auf 1.500 Euro Monatseinkommen ist für den Einzelnen deutlich spürbarer die Halbierung eines Vermögens von 62 Mrd. US-Dollar (Carlos Slim) auf 31 Mrd. US-Dollar. Verfolgen Sie die Entwicklung der Finanzmärkte in unserer handelstäglichen Frühausgabe.
Robert Rethfeld
Wellenreiter-Invest
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