Der DAX hat einen weiteren Sprung nach oben gemacht. In der abgelaufenen Woche legte das größte deutsche Börsenbarometer unter dem Strich gut 200 Punkte zu und schloss +0,85% höher mit 25.100 Punkten. Die höchsten Gewinne gab es bei Zalando und Infineon, Siemens Energy rutschte ans DAX-Ende. Kommt es in der neuen Woche zu einem neuen Höchststand?

Nach starkem Wochenauftakt war die Luft raus

Sämtliche Gewinne entfielen auf den Pfingstmontag, als dem Index ein Kurssprung von über +2% gelang – aufgrund der Hoffnung auf einen kurz bevorstehenden Deal zwischen den USA und Iran. Neue gegenseitige Angriffe führten am Dienstag zu einem Rücksetzer. Am Mittwoch trat der Markt auf der Stelle, bevor es am Donnerstag erneut leichte Verluste gab. Zum Ende der Woche drehte der DAX nach anfänglichen Abgaben wieder ins Plus.

Stimmung bleibt konstruktiv

Die Stimmung an den internationalen Aktienmärkten bleibt erstaunlich robust. Trotz geopolitischer Spannungen, Inflationssorgen und einer weiterhin fragilen Lage im Nahen Osten arbeitet sich der DAX immer näher an sein Rekordhoch heran. Anleger setzen zunehmend darauf, dass der Iran-Konflikt nicht weiter eskaliert und sich stattdessen die Diplomatie durchsetzt. Gleichzeitig sorgt der KI-Boom weltweit weiter für Rückenwind an den Börsen.

Nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Wochen steht der deutsche Leitindex nun an einer charttechnisch hochspannenden Marke. In der neuen Woche dürfte sich entscheiden, ob der Sprung auf neue Rekordstände gelingt oder zunächst eine Konsolidierung ansteht.

Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten treibt die Märkte an

Der wichtigste Stimmungstreiber bleibt weiterhin die geopolitische Entwicklung rund um den Iran-Konflikt. Zuletzt machten Berichte über mögliche Fortschritte bei Gesprächen zwischen den USA und dem Iran die Runde. Diskutiert wird unter anderem über eine Verlängerung der Waffenruhe sowie eine Lockerung der Schifffahrtsbeschränkungen in der strategisch enorm wichtigen Straße von Hormus.

Allerdings zeigen die laufenden Verhandlungen auch, wie fragil die Situation weiterhin ist. Medienberichten zufolge hat US-Präsident Donald Trump Änderungen an einem bereits ausgehandelten Rahmenabkommen verlangt. Streitpunkte sind demnach insbesondere der Umgang mit den iranischen Uranbeständen sowie Details zur Wiederöffnung der Straße von Hormus. Auch die Freigabe eingefrorener iranischer Auslandsgelder spielt für Teheran eine zentrale Rolle. Trotz der noch offenen Fragen geben sich beide Seiten weiterhin optimistisch und stellen eine mögliche Einigung in den kommenden Tagen in Aussicht.

An den Märkten dominiert derzeit die Hoffnung, dass eine weitere Eskalation verhindert werden kann. Genau das erklärt auch die zuletzt deutlich sinkenden Ölpreise. Brent-Öl und WTI verloren auf Wochensicht kräftig an Wert, nachdem die Sorge vor einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus nachgelassen hat.

Für die Aktienmärkte ist das eine wichtige Entwicklung. Sinkende Ölpreise entlasten Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen und reduzieren gleichzeitig den Inflationsdruck. Vor allem exportorientierte Volkswirtschaften wie Deutschland profitieren davon erheblich.

Doch die Lage bleibt fragil. Jede erneute Eskalation könnte die Ölpreise sofort wieder explodieren lassen und die Inflationssorgen zurückbringen. Genau deshalb könnten geopolitische Schlagzeilen auch in der kommenden Woche jederzeit zum Belastungsfaktor werden.

Inflation stabilisiert sich – Zinshoffnungen bleiben erhalten

Zusätzlichen Rückenwind liefert die Entwicklung bei der Inflation. Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im Mai erneut bei +2,1% und damit exakt auf dem Niveau des Vormonats. Hauptgrund für die Stabilisierung sind weiterhin sinkende Energiepreise.

Damit bleibt die Inflation zwar leicht oberhalb des EZB-Ziels, allerdings hat sich der massive Preisdruck der vergangenen Jahre deutlich abgeschwächt. Für die Märkte ist das ein wichtiges Signal, denn stabile Inflationsdaten erhöhen die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinssenkungen im Jahresverlauf.

Ganz verschwunden sind die Risiken allerdings nicht. Die stark gestiegenen Energieeinfuhrpreise infolge des Iran-Konflikts zeigen, wie schnell geopolitische Entwicklungen wieder auf die Inflation durchschlagen können.

Konjunkturdaten rücken wieder stärker in den Fokus

Nachdem die Berichtssaison zum ersten Quartal weitgehend abgeschlossen ist, dürften sich Anleger in der neuen Woche wieder stärker auf Makrodaten konzentrieren.

Besonders im Fokus stehen die Einkaufsmanagerindizes aus den USA, Deutschland und der Eurozone. Während die US-Wirtschaft bislang erstaunlich robust bleibt, kämpft die europäische Industrie weiterhin mit schwacher Nachfrage und verhaltener Dynamik.

Zusätzlich richtet sich der Blick auf den amerikanischen Arbeitsmarktbericht, der typischerweise am Freitag veröffentlicht wird. Die Daten könnten entscheidend dafür werden, wie schnell die US-Notenbank Fed ihre Zinspolitik lockern kann.

Auch die Hauptversammlungssaison gewinnt zunehmend an Bedeutung. Anleger müssen dabei beachten, dass zahlreiche Aktien nach den Aktionärstreffen mit Dividendenabschlägen gehandelt werden.

Spannend dürfte zudem die nächste Anpassung der DAX-Indizes werden. Marktbeobachter rechnen damit, dass Hochtief nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate gute Chancen auf einen Aufstieg in den Leitindex besitzt. Auch Lufthansa wird als möglicher Kandidat gehandelt.

Zalando und Infineon ziehen an, Siemens Energy schmiert ab

Hierzulande waren die Papiere von Zalando und Infineon die Top-Performer mit einem Wochenplus von +11,76% bzw. +10,47%. Zalando setzte die Erholung seit Mitte Mai fort, trifft nun aber mit der 200-Tage-Linie (SMA200) auf einen starken Widerstand. Für Infineon ging es im Zuge der Chip-Rallye weiter hinauf und erstmals über die Marke von 80 €.

Weniger gut lief es für die Aktien von Siemens Energy, die mit einem Wochenminus von fast -7% ans DAX-Ende rutschten. Dabei fiel der Kurs auch wieder unter die 50-Tage-Linie (SMA50). Hintergrund dürften Gewinnmitnahmen nach dem starken Lauf der vergangenen Wochen gewesen sein, denn die fundamentale Story ist weiterhin intakt.

DAX kämpft sich Richtung Rekordhoch

Trotz aller Unsicherheiten präsentiert sich der DAX weiterhin bemerkenswert stark. Der deutsche Leitindex notiert inzwischen nur noch knapp unter seinem Rekordhoch von 25.507 Punkten und hat sich damit deutlich schneller von den geopolitischen Turbulenzen erholt als viele Marktbeobachter erwartet hatten.

Technisch betrachtet bleibt die Zone zwischen 25.400 Punkten und dem bisherigen Allzeithoch jedoch ein massiver Widerstandsbereich. Sollte dem DAX der Ausbruch darüber gelingen, könnte dies neue Anschlusskäufe auslösen. Scheitert der Index dagegen erneut an dieser Marke, dürften Gewinnmitnahmen zunächst wahrscheinlicher werden.

Bei einem Rutsch unter die 25.000-Punkte-Marke verläuft ein erster Support bei 24.639/24.792 Punkten. Weiteren Support findet der DAX bei 24.479 Punkten und durch die 50- und 200-Tage-Linie (SMA50; SMA200) im Bereich der 24.000-Punkte-Marke.

Die Börsen starten mit Rückenwind in die neue Woche. Sinkende Ölpreise, stabile Inflationsdaten und die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Nahen Osten sorgen aktuell für Optimismus. Gleichzeitig bleibt der KI-Boom ein zentraler Kurstreiber an den internationalen Aktienmärkten.

Doch gerade die starke Rallye der vergangenen Wochen macht den Markt auch anfällig für Rückschläge. Der DAX steht unmittelbar vor einem entscheidenden charttechnischen Bereich – und geopolitische Risiken bleiben jederzeit präsent.

Die kommende Woche könnte daher richtungsentscheidend werden: Gelingt der Sprung auf neue Rekordhochs, dürfte die Aufwärtsdynamik nochmals zulegen. Kommt es dagegen zu negativen Überraschungen bei Geopolitik, Inflation oder Konjunktur, könnten Anleger nach der starken Rallye zunächst vorsichtiger werden.

Ergänzend sei erwähnt: Diversifikation über Sektoren und Regionen kann das Risiko reduzieren. Diese zehn Dividenden-Aktien bieten genau diese Streuung – kombiniert mit interessantem Aufwärtspotenzial für 2026.

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