Der Hörgerätespezialist Sonova (WKN: 893484) hat Ende März seine neue 5-Jahres-Strategie bis zum Ende des Geschäftsjahres 30/31 (31. März) vorgestellt. Ziel der Schweizer ist die weitere Stärkung der Marktführerschaft und des profitablen Wachstums. Investoren der Sonova-Aktie sollte das freuen – die Aktie korrigierte seit 2021 deutlich, neue Impulse scheinen gefragt zu sein.

Was müssen Investoren der Sonova-Aktie wissen?

Die wichtigste Nachricht des Tages war, dass sich Sonova zukünftig ganz auf die Kernaktivitäten in der Hörversorgung konzentrieren wird. Das bedeutet auch, dass der Bereich „Consumer Hearing“, der zuletzt für etwa 6 % des Umsatzes stand, abgegeben wird. Das betrifft vor allem die Marke Sennheiser, die Sonova erst vor vier Jahren erworben hatte, und für die nun ein strategischer Käufer gesucht wird. Zugleich trennt sich Sonova damit auch von einem Verlustbringer: Im Geschäftsjahr 2024/25 verbuchte Sennheiser einen Verlust von rund 36,6 Mio. Euro.

Im verbleibenden Segment der Hörversorgung erwarten die Schweizer signifikantes Wachstum, das den Umsatz bis 30/31 auf 6 Mrd. Schweizer Franken bringen soll, was einer jährlichen Steigerungsrate (CAGR) von durchschnittlich 5 bis 10 % entspricht. Kernpunkte dieser Planung sind Innovationen über die RIC-Hörgeräte (Receiver-in-Canal) der Marken Phonak, Unitron oder Hansaton hinaus, Synergien zwischen den Retail- und Wholesale-Aktivitäten sowie die Konzentration auf Asien.

Dabei setzt Sonova auf Rückenwind aus der Demografie. Immer mehr Menschen kommen ins Rentenalter und viele von diesen leben auch länger – das erhöht den „Lifetime Value“ jedes Kunden. Zudem gibt es in den Märkten außerhalb Nordamerikas und Westeuropas deutlich weniger Menschen, die Hörgeräte nutzen, sodass hier zusätzliches Wachstum erzielt werden soll.

6 Mrd. Franken Umsatz: Was sind die Treiber?

Das ambitionierte 6-Mrd.-Franken-Ziel ruht auf drei Säulen:

  • Durch Innovation soll der Nutzen für und die Nutzung durch den Kunden erhöht werden.
  • Mit einer Multi-Marken-Strategie sollen die einzelnen nationalen Märkte gezielt individuell bearbeitet werden, um lokalen Gegebenheiten besser Rechnung zu tragen. Dabei soll ganz besonders darauf geachtet werden, dass die vier unterschiedlichen Marken sich klar voneinander differenzieren und nicht gegenseitig Konkurrenz machen.
  • Service und Betriebsabläufe sollen für eine stärkere Performance optimiert werden, um durch einen gezielten Fokus auf Termintreue, Qualität und Kosten („On Quality, On Time, On Cost“) den Kundenservice zu einem klaren Differenzierungsmerkmal zu machen.

Sonova wird in Singapur ein „Innovation Center“ eröffnen, um Produkte zu entwickeln, die im Hinblick auf Kosten und Shopping-Gewohnheiten der Kunden genau auf die Bedürfnisse der einzelnen Märkte in Asien zugeschnitten sind. Asien ist aufgrund der Demografie, des wachsenden Wohlstands weiter Teile der Bevölkerung sowie der derzeit geringen Marktpenetration der Kern von Sonovas Wachstumsstrategie.

Diese neue Strategie soll mit neuen Prozessen und viel Automation umgesetzt werden. Sie wird zunächst insgesamt 50 Mio. Franken an Investitionen in den nächsten drei Jahren kosten, ab dem Geschäftsjahr 29/30 aber 90 Mio. Franken pro Jahr einsparen.

Sonova-Aktie: Auch die Gewinne sollen steigen

Neben der Steigerung auf einen Umsatz von 6 Mrd. Franken gibt es das Ziel, das operative EBIT jährlich um 7 bis 12 % zu steigern. Marktanteilsgewinne durch die oben beschriebenen Maßnahmen sollen ebenso dazu beitragen wie die operativen Einsparungen. Und nicht zuletzt sind auch Akquisitionen ein Teil dieser Wachstumsstrategie.

Dabei legt Sonova Wert auf eine gesunde Bilanz, deren Verhältnis aus Nettoverschuldung und EBITDA auch zukünftig zwischen 1 und 1,5 liegen soll. Die Investoren der Sonova-Aktie sollen weiterhin eine Dividende bekommen, die etwa 40 % des Gewinns entspricht.

Für Sonova ebenso wichtig sind Maßnahmen gegen die Stärke des Schweizer Franken, die Umsatz und Gewinn seit Jahren belastet. So erzielt Sonova rund 1 % aller Einnahmen in Franken, muss jedoch 15 % aller Ausgaben in dieser Währung bestreiten. Dieser Wert soll auf unter 10 % reduziert werden; dazu sollen auch Verlagerungen von Geschäften beitragen, um die Kosten besser mit den Umsätzen in Einklang zu bringen.

Unsere Meinung zur Sonova-Aktie ist positiv

Das sind große Pläne, die das Unternehmen hat. Wir sehen den Fokus auf die Hörversorgung und den Verkauf des nicht so richtig passenden Kopfhörer-Geschäftes positiv. Das Ziel eines Umsatzes von 6 Mrd. Franken ist sehr sportlich – wenn es aber erreicht wird, sollte die Sonova-Aktie auf jeden Fall marktschlagende Renditen erzielen.

Apropos erreichen: Sonova verzeichnet in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres 2025/26 eine weiterhin solide Wachstumsdynamik und gewann im Wholesale-Geschäft zusätzliche Marktanteile. Das Unternehmen erwartet ein Wachstum beim konsolidierten Umsatz und beim normalisierten EBITA am unteren Ende der bisher kommunizierten Spannen von 5 bis 9 % beziehungsweise 14 bis 18 % (jeweils zu konstanten Wechselkursen). Die Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2025/26 werden am 18. Mai 2026 veröffentlicht.

Es war wohl diese eher schwache Prognose, die die Sonova-Aktie auf Talfahrt schickte. Das Papier verlor am Tag der Präsentation mehr als 6 % auf 167,25 Franken und damit auf den tiefsten Stand seit Corona. Wenn die Pläne des Managements aufgehen, sollte dies eine attraktive Kaufgelegenheit sein.

Der Artikel Wette auf den demografischen Wandel: Darum könnte die Sonova-Aktie jetzt ein Kauf sein ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.