Wer an der Börse erfolgreich sein möchte, beschäftigt sich zwangsläufig mit Renditen.

5 %, 8 % oder vielleicht sogar 12 % pro Jahr – die meisten Anlegerinnen und Anleger wissen ungefähr, welche Rendite sie erzielen möchten. Gleichzeitig fällt es vielen schwer, diese Zahlen tatsächlich einzuordnen.

Ist eine Rendite von 8 % gut? Wie viel Unterschied machen ein paar Prozentpunkte überhaupt? Und warum scheinen manche Anleger mit Aktien so viel schneller Vermögen aufzubauen als andere?

Für mich hilft dabei eine einzige Zahl.

72.

Die vielleicht nützlichste Formel überhaupt

Hinter der Zahl steckt die sogenannte 72er-Regel. Sie ist keine exakte wissenschaftliche Formel, liefert aber eine erstaunlich gute Näherung.

Die Rechnung ist simpel: Man teilt die Zahl 72 durch die erwartete jährliche Rendite. Das Ergebnis zeigt ungefähr, wie viele Jahre ein Investment benötigt, um sich zu verdoppeln.

Wer beispielsweise langfristig 6 % Rendite erzielt, verdoppelt sein Vermögen ungefähr alle 12 Jahre. Bei 8 % dauert es nur noch etwa neun Jahre. Und bei 12 % schrumpft die Verdopplungszeit auf ungefähr sechs Jahre.

Plötzlich wirken Renditen ganz anders.

Warum wenige Prozentpunkte so viel ausmachen

Viele Anleger unterschätzen, wie stark sich kleine Unterschiede bei der Rendite langfristig auswirken.

Nehmen wir zwei Investoren. Beide starten mit 100.000 Euro. Der erste erzielt langfristig 6 % Rendite, der zweite 8 %.

Nach zwölf Jahren hat der erste sein Vermögen ungefähr verdoppelt und besitzt rund 200.000 Euro. Der zweite hat sein Geld bereits nach neun Jahren verdoppelt und befindet sich auf dem Weg zur nächsten Verdopplung.

Je länger der Zeitraum wird, desto größer wird die Lücke.

Und genau deshalb sollte man Renditen niemals isoliert betrachten. Entscheidend ist immer die Zeit, über die sie wirken können.

Was ETFs und Dividendenaktien gemeinsam haben

Spannend ist dabei, dass die 72er-Regel unabhängig vom konkreten Investment funktioniert.

Ein breit gestreuter ETF auf den Weltaktienmarkt könnte langfristig durchschnittlich etwa 8 % Rendite erzielen. Dann läge die Verdopplungszeit bei rund neun Jahren.

Bei Dividendenaktien gilt derselbe Gedanke. Hier entsteht die Rendite häufig aus mehreren Quellen: Dividenden, Gewinnwachstum und steigenden Bewertungen. Wer Ausschüttungen konsequent reinvestiert, erhöht zusätzlich den Effekt des Zinseszinses.

Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht, ob man ETFs oder Dividendenaktien bevorzugt.

Entscheidend ist, ob man langfristig attraktive Renditen erzielt und ihnen genügend Zeit gibt, ihre Wirkung zu entfalten.

Die wahre Macht der Börse

Viele Menschen verbinden Reichtum an der Börse mit spektakulären Kursverdopplern oder einzelnen Glücksgriffen.

Natürlich gibt es solche Geschichten.

Die meisten Vermögen entstehen jedoch deutlich unspektakulärer. Sie wachsen über Jahre hinweg durch Renditen, die immer wieder auf bereits erzielte Renditen treffen.

Genau das beschreibt die Zahl 72 so eindrucksvoll.

Sie macht sichtbar, dass Rendite nicht nur eine Prozentzahl ist. Sie ist letztlich eine Zeitmaschine für Vermögen. Je höher die Rendite ausfällt, desto schneller verdoppelt sich das Kapital. Und je öfter sich das Kapital verdoppelt, desto stärker wird der Zinseszinseffekt.

Deshalb glaube ich: Wer mit Aktien reich werden will, muss nicht jede Bilanz analysieren oder jeden Börsentag verfolgen.

Aber er sollte die Zahl 72 kennen. Denn sie erklärt besser als viele komplizierte Formeln, warum Zeit und Rendite an der Börse ein so mächtiges Duo sind.

Der Artikel Wer mit Aktien reich werden will, sollte diese Zahl kennen ist zuerst erschienen auf Aktienwelt360.