Wer gewinnt? Biotechnologie: Wettrennen zwischen BioNTech und Co.

Liebe Leser,

aktuell gibt es im Bereich der Biotechnologie fast nur eine Frage: Wer gewinnt im großen Rennen um die Impfstoffe gegen das Corona-Virus. Nach den Ereignissen der vergangenen Woche(n) hat sich das Rennen noch einmal verschärft. Denn bis dato ist nur die Partnerschaft BioNTech / Pfizer sowie im Anschluss daran das US-Unternehmen Moderna erfolgreich gewesen – in den Studien vor der Aufnahme des Zulassungsverfahrens.

Nun kam ein weiterer Konkurrent dazu: AstraZeneca, ein britisch-schwedisches Unternehmen.

Wer gewinnt das Rennen?

Immer wieder stellen sich jetzt Analysten und vor allem – aus meiner Sicht etwas unbedarfte – Kommentatoren die Frage, wer das Rennen “gewinnt”. Vorab: Niemand wird hier auf der Strecke bleiben, denn die Welt benötigt den Annahmen der meisten Virologen und Immunologen nach den Impfstoff.

Da wir auf der Erde rund 7 Milliarden Einwohner haben, wäre es ideal, wenn – falls jeweils pro Impfung 2 Dosen benötigt werden – also in den kommenden Monaten etwa 14 Milliarden Impfstoffdosen produziert und verteilt werden könnten. Das ist ausgeschlossen. Ergo: Es bleibt für jeden etwas.

BioNTech und Pfizer können den unterschiedlichen Berichten nach etwa 1,3 bis 1,4 Milliarden Impfstoffdosen im kommenden Jahr produzieren. Dies ist also nur ein Bruchteil dessen, was benötigt wird. AstraZeneca könne, hieß es, sogar 3 Milliarden Impfstoffdosen erzeugen. Diese müssten noch nicht einmal so kühl gelagert werden wie die Impfstoffe von BioNTech und Pfizer.

Aktuell sind wir demnach weltweit weit davon entfernt, hinreichend viele Impfstoffdosen produzieren zu können oder auch nur annehmen zu müssen, der Markt werde eng.

Entscheidend ist aus wirtschaftlicher Sicht am Ende, dass die Impfstoffe hinreichend großen Umsatz bei niedrigen Produktionskosten erzeugen. AstraZeneca möchte offenbar den Impfstoff je nach Abnahmemenge für Preise von fünf bis sieben Dollar pro Dosis anbieten. BioNTech und Pfizer haben mit den USA in einer ersten Lieferung 19,95 Dollar vereinbart.

Wie reagiert der Markt?

Einer der Konzerne wird wohl mit seinem Impfstoff erfolgreich sein, lässt sich einfach annehmen. BioNTech hat einen Wirkungsgrad von 95 % in der Studienphase III gemeldet. Moderna hatte die Zahl von 94,5 % veröffentlicht. AstraZeneca nun kommt mit dem Wirkungsgrad von 70 % an die Öffentlichkeit. Dies scheint auf den ersten Blick weniger als bei der Konkurrenz. Daraus folgende Schlüsse wären jedoch in den meisten Fällen wohl falsch.

Sehen wir uns zunächst die Marktreaktion an.

BioNTech: Klarer Aufwärtstrend

Quelle: www.onvista.de, eigene Bearbeitung

Moderna: Starker Kurssprung

 

Quelle: www.onvista,de eigene Bearbeitung

AstraZeneca: Vorsicht am Markt

 

Quelle: www.onvista.de, eigene Bearbeitung

AstraZeneca ist bei einer ersten Probe mit zwei Impfungen recht erfolgreich gewesen. In der ersten Runde wurde den Probanden nur die Hälfte des Impfstoffs verabreicht. In der zweiten Runde dann die volle Dosis. Hier soll die Wirkung bei 90 % gelegen haben.

In einer anderen Studie jedoch hat AstraZeneca jeweils die volle Impfstoffdosis verabreicht. Dort war der Wirkungsgrad mit nur 62 % deutlich niedriger. So kommt die durchschnittliche Angabe von 70 % zustande. Dementsprechend allerdings kann auch AstraZeneca möglicherweise durch eine andere Dosierung noch größere Erfolge erzielen – das wird sich im Laufe weiterer Studien, so ist zu mutmaßen, erweisen.

In den kommenden Wochen also wird es noch weitere Nachrichten geben. Es steht zudem noch ein weiteres Unternehmen recht aussichtsreich am Start: Dies ist CureVac aus Tübingen. Es ist noch nicht zu beurteilen, wie erfolgreich oder nicht erfolgreich die Tübinger mit ihrem Impfstoff sind. Auch dort hat Bill Gates investiert. Der US-Philantrop scheint davon auszugehen, dass die Arbeit dort seriös und erfolgreich sein wird.

Unter dem Strich also gibt es einige Unternehmen, die viel Geld verdienen werden. Deshalb bietet sich eine andere Sichtweise an.

Keine Wetten

Wenn Sie lediglich in ein Unternehmen investieren würde, käme dies aktuell einer Wette gleich. Kein einziges der westlichen Unternehmen hat bis dato auch nur die Notfallzulassung für den Corona-Impfstoff.

Das “ZDF” arbeitete in einem Interview mit einem Virologen klar heraus, was diese Notfallzulassung bedeuten wird. Wir wissen bis dato anhand der Verläufe von Erkrankungen einiger hunderter Menschen (insgesamt), dass einige der Impfstoffe schützen und sich in wenigen Wochen der Beobachtung noch keine Nebenwirkung gezeigt hat.

Was wir nicht wissen: Wie wird sich der Impfstoff in einer größeren Gruppe verschiedener Alters- oder Gesundheitsklassen jeweils zeigen? Was passiert, wenn es zu ersten, größeren Nebenwirkungen kommen sollte? Wie wird sich die Schutzwirkung in größeren Gruppen statistisch entwickeln?

Wir testen nach einer Notfallzulassung den Corona-Impfstoff notwendig an Millionen und schließlich an Milliarden Menschen., Es kann also letztlich zu Überraschungen kommen – wenngleich wir umgekehrt bei den statistischen Erhebungen, die aktuell vorgenommen wurden, von einer validen Rückmeldung ausgehen können.

Es sind und bleiben allerdings Notfallzulassungen.

Daher wird es aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoller sein, wenn Sie in diesem Segment Ihr Engagement, sofern Sie investieren wollen, auf die verschiedenen Unternehmen aufteilen. Vielleicht setzen Sie unterschiedliche Schwerpunkte, denn AstraZeneca, Moderna und auch BioNTech / Pfizer haben bereits lukrative Millionen-Verträge mit unterschiedlichen Regierungen abgeschlossen. Dennoch verteilen Sie auf diese Weise das Risiko. Zudem:

Die Haftungsbedingungen für AstraZeneca scheinen zumindest in Großbritannien am besten zu sein. Dazu wurde vor einigen Wochen veröffentlicht, dass die Regierung die Haftung übernehmen werde. Die Haftung innerhalb der EU scheint zumindest durch Zuschüsse der EU – die allerdings nicht hinreichend präzise dargelegt werden, auch vergleichsweise gut abgefedert zu sein. Wie die Haftung beispielsweise bei neuen Verträgen – dazu steht ein neuer Vertrag zwischen BioNTech / Pfizer und der britischen Regierung an – verteilt sein wird, ist bis dato für die Öffentlichkeit offen.

Hier lauern durchaus Haftungsrisiken für den Fall, dass es längerfristig zu schwerwiegenderen Schäden kommen sollte.

Auch deshalb empfehlen sich folgende Anlageregeln:

Arbeiten Sie mit strengen Stop-Loss-Limits, wenn Sie investieren. Unternehmen, die Impfstoffe gefunden haben und diese erfolgreich verkaufen, werden wahrscheinlich eh nicht stark verlieren. Kursverluste größeren Ausmaßes wären also ein alarmierendes Indiz. Setzen Sie auf mindestens drei verschiedene Unternehmen, wenn Sie keine besseren Wirkungs- und Risikohinweise haben als die Öffentlichkeit in diesen Fällen. Hier könne Sie durchaus unterschiedlich hoch investieren. Ziehen Sie die Limits von Zeit zu Zeit nach oben, um mögliche Gewinne sicherzustellen, falls es im Anschluss dazu zu Problemen kommen sollte. Vermeiden Sie Fonds oder ETFs auf Indizes bzw. Zertifikate aus diesem Segment. Diese Produkte werden kommen. Sie haben allerdings keinen Einfluss darauf, wie stark und warum die Unternehmen unterschiedlich gewichtet werden. Zudem sind Zertifikate auf Indizes konstruktionsbedingt ebenso wie ETFs auf solche Indizes jeweils zu 100 % investiert. Wenn Sie einzelne Aktien erwerben, dann können Sie jederzeit – auch anteilig – verkaufen.

Ich wünsche Ihnen ein erfolgreiches Invesment.

[Finanztrends]

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