Die Hermle AG (WKN: 605283) ist Spezialist für hochwertige Bearbeitungszentren und Automatisierung. Was in Deutschland aktuell weniger gefragt ist – erkennbar auch an der Kursentwicklung der Hermle-Aktie –, weckt bei den Amerikanern Begeisterung. Ein Großauftrag des Unternehmens Hadrian sorgte in den letzten Monaten für eine starke Auslastung. Hadrian ist ein Hermle-Kunde und baut autonome Fabriken. Diese sollen Unternehmen aus der Luft- und Raumfahrt sowie der Verteidigungsindustrie dabei unterstützen, Raketen, Satelliten, Jets und Schiffe bis zu zehnmal schneller und bis zu zweimal kostengünstiger zu produzieren.
Hermle-Aktie: Die Fundamentalanalyse
Die Maschinenfabrik Berthold Hermle AG hat das Geschäftsjahr 2025 mit einem blauen Auge abgeschlossen. In einem Marktumfeld, das von massiven konjunkturellen Verwerfungen geprägt war, bewies der schwäbische Werkzeugmaschinen-Spezialist eine bemerkenswerte operative Widerstandsfähigkeit. Während die Inlandsnachfrage aufgrund der Krise in der Automobilindustrie und hoher Energiekosten massiv einbrach, konnte Hermle dies durch ein starkes Auslandsgeschäft kompensieren. Der Auftragseingang stieg vorläufig um 6 % auf 484 Mio. Euro. Besonders im zweiten Halbjahr sorgten internationale Großaufträge für ein „Zwischenhoch“, das die schwache Performance in Deutschland überlagerte.
Trotz der positiven Dynamik bei den Bestellungen sank das Betriebsergebnis (EBIT) um etwa 19 Prozent auf rund 69 Mio. Euro. Dieser Rückgang wird dennoch als Erfolg gewertet, da ursprünglich mit einem Einbruch um mindestens 25 % gerechnet wurde. Das Ergebnis wurde vor allem durch gestiegene Lohn- und Energiekosten sowie eine zeitweise unzureichende Kapazitätsauslastung belastet, die den Einsatz von Kurzarbeit und „Bremstagen“ erforderlich machte.
Für die Aktionäre bleibt die Hermle-Aktie ein verlässlicher Dividendenzahler, wenngleich die Ausschüttung der Ertragslage angepasst wird. Der Vorstand schlägt der Hauptversammlung, die am 1. Juli 2026 stattfindet, eine Dividende von 9,50 Euro je Stammaktie und 9,55 Euro je Vorzugsaktie vor. Im Vergleich zum Vorjahr (11,00 Euro bzw. 11,05 Euro) ist dies ein moderater Rückgang. Angesichts der soliden Eigenkapitalquote von über 70 % unterstreicht er jedoch die starke Finanzsubstanz des Unternehmens.
Was das Unternehmen tut, damit die Hermle-Aktie wieder steigt
Zwei Themen bestimmen die langfristige Agenda von Hermle: Der Aufsichtsrat hat den Generationswechsel eingeleitet. Benedikt Hermle (37) wird zum 1. November 2026 den Vorstandsvorsitz übernehmen. Gemeinsam mit den neuen Vorständen Jürgen Oswald (Finanzen) und Kai Bacher (Vertrieb) soll er das Unternehmen durch die Transformation führen.
Auf die Schwäche der klassischen Industrien reagiert Hermle mit einer verstärkten Internationalisierung und dem Ausbau des Servicegeschäfts. Zudem setzt das Unternehmen massiv auf die „Generation 2“ (GEN2) seiner Maschinen, die mit höherer Energieeffizienz und tieferer digitaler Integration punkten. Beispiele hierfür sind automatisierte Anlagen und intelligente Spanntechnik.
Damit navigiert Hermle erfolgreich durch die deutsche Industrieflaute. Dank einer „festungsähnlichen” Bilanz und der frühen Weichenstellung für die nächste Führungsgeneration ist das Unternehmen gut aufgestellt, um den strukturellen Wandel der Fertigungsindustrie anzuführen.
Aktuelle Bewertung unter dem langfristigen Schnitt
Das Verhältnis des Unternehmenswerts zum EBIT liegt aktuell bei 11 und damit leicht unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Das heißt, wenn sich die operative Gewinnentwicklung wieder erholt, kann sich auch die Bewertung erholen. Deshalb ist die Hermle-Aktie aus unserer Sicht weiterhin attraktiv bewertet.
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