Intel-, AMD- und Nvidia-Chips

Nvidias beeindruckende Quartalszahlen gaben den Halbleiteraktien am Donnerstag Auftrieb, nachdem der weltweit führende KI-Chiphersteller ein Umsatzwachstum von 70% für das Geschäftsjahr 2028 prognostizierte und signalisierte, dass die Nachfrage nach Infrastruktur für künstliche Intelligenz deutlich über dem aktuellen Angebot liege.

Der Philadelphia Semiconductor Index stieg um etwa 1.7%, während Aktien von Marvell Technology, Arm Holdings, SK Hynix und Broadcom ebenfalls zulegten.

Die Prognose gab Anlegern einen neuen Grund zu der Annahme, dass der KI-Investitionszyklus noch nicht am Ende sei und dämpfte damit die in den letzten Monaten geäußerten Befürchtungen, wonach die Ausgaben für Rechenzentren und KI-Computing-Infrastruktur irgendwann abflachen könnten.

Es zeigte sich jedoch eine interessante Divergenz unter den drei großen US-Chipherstellern, die in den Märkten für KI- und Rechenzentrumschips konkurrieren.

Intel-Aktien INTC stiegen um mehr als 3%, während AMD-Aktien um etwa 1% fielen.

Nvidia, AMD und Intel konkurrieren im Markt für KI- und Rechenzentrumschips: Nvidia führt bei GPUs und KI-Beschleunigern, AMD stellt mit seinen Instinct-Beschleunigern eine Herausforderung dar, und Intel tritt mit seinen CPUs und Gaudi-KI-Chips an.

Nvidias verstärkter Vorstoß in den CPU-Bereich hat den Wettbewerb mit etablierten Akteuren wie Intel und AMD verschärft.

Intel und AMD haben über Jahrzehnte Beziehungen zu Cloud-Anbietern und Hyperscalern aufgebaut, insbesondere im Bereich Server-CPUs.

Intels Partnerschaft mit Nvidia ändert die Ausgangslage

Während AMD Nvidias direktester Konkurrent bei KI-Beschleunigern bleibt, wird das Verhältnis zwischen Intel und Nvidia zunehmend kooperativ.

Nvidia hat $5 billion in Intel investiert und hält damit rund 4%.

Wichtiger noch: Die Unternehmen haben sich darauf geeinigt, mehrere Generationen gemeinsamer Produkte zu entwickeln, die Intels zentrale Prozessoren mit Nvidias KI‑ und Grafikchips über Nvidias proprietäre NVLink-Interconnect‑Technologie verbinden werden.

Das schafft eine ungewöhnliche Dynamik für Intel.

Anstatt nur zu versuchen, Nvidia bei KI-Beschleunigern zu verdrängen, kann Intel vom Wachstum von Nvidias KI-Systemen profitieren, indem es die CPUs liefert, die neben den GPUs eingesetzt werden.

Das erklärt den von Nvidia mitgetragenen Kursanstieg von Intel am Donnerstag.

Nvidias Zugewinne verdeutlichen AMDs Herausforderung

Parallel zur Ergebnisbekanntgabe am Mittwoch enthüllte Nvidia zudem eine tiefere Partnerschaft mit Amazon Web Services.

Das Unternehmen kündigte an, dass Amazon plant, 2 million zusätzliche Nvidia‑GPUs in der globalen AWS‑Infrastruktur einzusetzen, und dass die Zusammenarbeit in Bereichen wie KI‑Fabriken, CPUs, Netzwerktechnik, offenen Modellen, Datenverarbeitung und Robotik ausgeweitet wird.

In einem Interview mit CNBCs „Mad Money“ sagte Nvidia‑CEO Jensen Huang, Amazon könnte neben den GPUs auch „millionenfach CPUs“ kaufen.

Nvidia baut sein eigenes CPU‑Geschäft mit Vera aus und tritt damit in direkten Wettbewerb zu Intel und AMD, den beiden etablierten Marktführern bei Serverprozessoren.

Das könnte der Auslöser für die Kursbewegung von AMD am Donnerstag gewesen sein.

Gartner‑Analyst Kevin Knox hat bereits erklärt, dass AMD derzeit das zu schlagende Unternehmen bei Enterprise‑KI‑Server‑CPUs sei.

Berichten zufolge hält AMD etwa 33% des Server‑CPU‑Marktes, verglichen mit 66.8% für Intel, wobei AMD Marktanteile gewinnt und Beziehungen zu großen Hyperscalern pflegt.

Trotzdem reagiert AMDs Aktie weiterhin empfindlich auf Entwicklungen bei großen KI‑Kunden.

Anfang des Monats fielen die Kurse, nachdem Elon Musk sagte, SpaceX habe Nvidia als exklusiven KI‑Infrastrukturpartner ausgewählt.

AMD hatte zudem vom Beschluss Amazons profitiert, die geplanten Investitionen für 2026 von etwa $200 billion auf rund $220 billion zu erhöhen.

Die jüngste AWS‑Ankündigung könnte daher die Befürchtungen verstärkt haben, dass Nvidia einen wachsenden Anteil der KI‑Ausgaben der Hyperscaler erobert.

AMDs KI‑Ambitionen wachsen weiter

Unterdessen positioniert sich AMD zunehmend als Anbieter kompletter KI‑Infrastruktur und nicht nur als Hersteller von GPUs.

Die Helios‑Plattform kombiniert Instinct‑Beschleuniger, EPYC‑Prozessoren, Pensando‑Netzwerktechnik und ROCm‑Software in einem rack‑skalierbaren System.

Der Ansatz soll es Kunden ermöglichen, die Infrastruktur zum Trainieren und Betreiben fortgeschrittener KI‑Modelle bereitzustellen, ohne einzelne Komponenten selbst zusammenstellen zu müssen.

AMDs wachsende Kundenbasis wird ein wichtiger Teil dieser Strategie.

Anthropic hat sich verpflichtet, in Helios‑Systemen bis zu 2 gigawatts der MI450‑Serie einzusetzen.

OpenAI und Meta haben jeweils Verträge über bis zu 6 gigawatts an AMD‑GPUs, während Microsoft groß angelegte Helios‑Deployments auf Azure plant. Oracle wird ebenfalls zu den Kunden gezählt, die AMDs rack‑skalierbare Infrastruktur einsetzen.

Benchmark reagierte, indem es das Kursziel für AMD von $485 auf $685 anhob und erklärte, „die Kundenkarte lasse sich immer schwerer wegdiskutieren.“

Roth MKM‑Analyst Suji Desilva zeigte sich ebenfalls „erfreut über die technischen Vorteile“ von Helios.

Das Unternehmen erhöhte sein Kursziel von $500 auf $650 mit der Begründung, dass AMDs Kombination aus GPUs, CPUs und Netzwerktechnik Hyperscalern und führenden KI‑Unternehmen in großem Umfang unterstützen könne.

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