Der Rolls‑Royce‑Aktienkurs ist in diesem Monat gefallen und befindet sich aufgrund der Eskalation des US‑Iran‑Kriegs in einer Korrektur. Er stürzte auf ein Tief von 1,108p ab, damit über 22 % unter dem bisher in diesem Jahr erreichten Höchststand. Dieser Rückgang könnte andauern und möglicherweise bis auf 1,000p reichen, da der Krieg das Zivilluftfahrtgeschäft belastet.

Rolls‑Royce‑Aktienkurs ist angesichts des US‑Iran‑Kriegs eingebrochen

Der Hauptgrund für den Rückgang des Rolls‑Royce‑Aktienkurses in diesem Jahr ist der andauernde Iran‑US‑Konflikt, der sich in den letzten Tagen beschleunigt hat. Die Huthi‑Rebellen im Jemen haben sich bereits an den Angriffen beteiligt und drohen die Öltransporte im Roten Meer zu beeinträchtigen, weshalb die Rohölpreise weiter gestiegen sind.

Daten der IATA zeigen, dass die Kerosinpreise in den vergangenen Wochen weiter gestiegen sind. Der durchschnittliche Preis für Flugzeugtreibstoff stieg auf $197 und damit um 105 % gegenüber dem Vormonat.

Infolgedessen gibt es Anzeichen dafür, dass der Flugverkehr, insbesondere im Nahen Osten, zurückgeht, da Iran seine Angriffe in der Region intensiviert hat. Besonders betroffen sind Airlines wie Etihad, Qatar und Emirates.

Weitere asiatische Fluggesellschaften stehen ebenfalls unter Druck, da die Treibstoffpreise in diesem Jahr stark gestiegen sind; die anhaltende Verknappung hat einige dazu gezwungen, Flüge zu streichen. 

Die Schwäche im Sektor wird sich wahrscheinlich in den kommenden Wochen fortsetzen, vor allem wenn sich der Krieg weiter zuspitzt. Das wiederum wird sich auf das Geschäft von Rolls‑Royce auswirken, das den Großteil seiner Erlöse aus langfristigen Serviceverträgen erzielt. 

Gleichzeitig könnten die Margen des Unternehmens unter Druck geraten, da die Kosten für wichtige Inputfaktoren sprunghaft ansteigen. So stiegen etwa die Aluminiumpreise am Montag, nachdem Iran eine große Schmelzanlage im Nahen Osten angegriffen hatte. Die Preise für Stahl und andere Metalle sind in den vergangenen Wochen ebenfalls gestiegen.

Diese Ereignisse könnten es dem Unternehmen erschweren, seine künftigen Ergebnisziele zu erreichen, da die Prognosen vor Ausbruch des Kriegs veröffentlicht wurden. 

Die jüngsten Ergebnisse zeigten, dass das Geschäft von Rolls‑Royce im vergangenen Jahr weiter gewachsen ist: Der Umsatz stieg auf £20 billion von £17.8 billion im Vorjahr. Der Bruttogewinn kletterte auf £5.1 billion, während die Betriebsmarge von 13.8 % auf 17.3 % zulegte.

Der Großteil dieses Wachstums kam aus der zivilen Luftfahrt, die über £10.38 billion erwirtschaftete, während das Betriebsergebnis auf £2.1 billion stieg. Das Verteidigungssegment erzielte £4.7 billion, ein Plus von 8 % gegenüber dem Vorjahr. Außerdem erwirtschaftete das Bereich Power Systems £4.89 billion, ein Anstieg von 19 % gegenüber dem Vorjahr.

Das Unternehmen geht davon aus, dass noch Wachstumsspielraum besteht: Das jährliche operative Ergebnis soll dieses Jahr zwischen £4 billion und £4.2 billion liegen, der Free Cashflow zwischen £3.6 billion und £3.8 billion. Dementsprechend dürften der anhaltende Krieg und seine Auswirkungen auf das Luftfahrtgeschäft relevant bleiben.

Positiv ist, dass das Unternehmen ähnliche Herausforderungen in der Vergangenheit bereits gemeistert hat, etwa nach Russlands Invasion in der Ukraine 2022. Damals fiel die Aktie von 146p auf ein Tief von 65p und erholte sich anschließend wieder.

Die Rolls‑Royce‑Aktie hat einige bedeutende künftige Katalysatoren, darunter den kleinen modularen Reaktor (SMR) und das Schmalrumpfsegment.

Technische Analyse des Rolls‑Royce‑Aktienkurses 

RR‑Chart | Quelle: TradingView 

Das Tages-Chart zeigt, dass die Rolls‑Royce‑Aktie in den letzten Wochen stark gefallen ist und von einem Allzeithoch von 1,420p im Februar auf aktuell 1,106p zurückgekommen ist. Sie ist unter die 50‑ und 200‑Tage gewichteten gleitenden Durchschnitte (WMA) gefallen.

Die Aktie brach zudem das wichtige Unterstützungsniveau bei 1,191p, dem Tief vom Februar dieses Jahres. Führende Oszillatoren wie der Relative Strength Index (RSI) und der Directional Movement Index (DMI) befinden sich weiterhin im Abwärtstrend.

Deshalb dürfte die Aktie voraussichtlich weiter fallen, möglicherweise bis zum wichtigen Unterstützungsniveau bei 1,000p, ehe ein erneuter Aufwärtstrend einsetzt. Dieser Kurs liegt zudem auf Höhe des tiefsten Schwungs vom November des Vorjahres.

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