Die Walmart-Aktie ist nach den jüngsten Quartalszahlen deutlich unter Druck geraten und verzeichnete den stärksten Tagesverlust seit 2022. Trotz des Kurseinbruchs bleibt das operative Geschäft robust, während die hohe Bewertung und ein schwächerer kurzfristiger Ausblick die entscheidenden Fragen für Anleger aufwerfen.

Starke Zahlen, aber…

Im zweiten Quartal steigerte Walmart den Umsatz um knapp sechs Prozent auf 187,94 Milliarden Dollar und übertraf damit die Markterwartungen von 186,77 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte sogar um 19 Prozent auf 0,81 Dollar zu und lag damit klar über den erwarteten 0,74 Dollar.

Auch operativ zeigte sich ein solides Bild. Der Umsatz in den USA stieg um 3,5 Prozent auf 125,2 Milliarden Dollar, während die vergleichbaren Umsätze um 2,6 Prozent zulegten. Die Zahl der Transaktionen erhöhte sich um 1,5 Prozent, der durchschnittliche Einkaufswert um 1,1 Prozent. Besonders dynamisch entwickelte sich das Onlinegeschäft mit einem Plus von 24 Prozent.

Noch stärker wuchs das internationale Geschäft. Der Umsatz stieg um knapp 13 Prozent auf 35,2 Milliarden Dollar, währungsbereinigt waren es fast acht Prozent. China verzeichnete dabei ein währungsbereinigtes Wachstum von rund 21 Prozent. Auch der internationale Onlinehandel legte mit 19 Prozent kräftig zu.

Sam’s Club entwickelte sich ebenfalls positiv. Der Umsatz ohne Treibstoff erhöhte sich um 4,5 Prozent, die vergleichbaren Umsätze stiegen um 4,4 Prozent. Gleichzeitig wuchs der Onlineumsatz um 26 Prozent und die Einnahmen aus Mitgliedschaften um sechs Prozent.

Preissenkungen belasten kurzfristig das Wachstum

Der größte Belastungsfaktor für die Aktie ist der Ausblick auf das dritte Quartal. Walmart erwartet ein Umsatzwachstum von drei bis 3,75 Prozent und liegt damit deutlich unter den Markterwartungen von knapp sechs Prozent. Beim bereinigten Gewinn je Aktie rechnet das Unternehmen mit 0,62 bis 0,64 Dollar, während Analysten bislang 0,68 Dollar erwartet hatten.

Hinter dem schwächeren Ausblick steht vor allem die Entscheidung, rund 2,9 Milliarden Dollar aus Zollrückerstattungen für niedrigere Preise zu verwenden. Damit will Walmart die Einsparungen an die Kunden weitergeben. Kurzfristig belastet diese Strategie Umsatzentwicklung und operative Marge, langfristig könnte sie jedoch die Kundenbindung stärken und zusätzliche Marktanteile bringen.

Trotz des schwächeren dritten Quartals hob Walmart die Jahresprognose an. Für das Gesamtjahr wird nun ein bereinigter Gewinn je Aktie von 2,80 bis 2,87 Dollar erwartet. Beim Umsatz rechnet der Konzern mit einem Wachstum von vier bis fünf Prozent. Zuvor lagen die Prognosen bei 2,75 bis 2,85 Dollar Gewinn je Aktie und 3,5 bis 4,5 Prozent Umsatzwachstum.

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Bewertung bleibt die größte Hürde

Walmart hat sich in den vergangenen Jahren als widerstandsfähiger Einzelhändler etabliert. Das Unternehmen gewinnt zunehmend auch einkommensstärkere Kunden und kombiniert niedrige Preise mit höherwertigen Lebensmitteln, einem breiten Sortiment und schnellen Lieferangeboten.

Der aktuelle Kursrückgang macht die Aktie allerdings nicht automatisch günstig. Walmart wird derzeit mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 36 für das laufende Geschäftsjahr und rund 32 für das kommende Geschäftsjahr bewertet. Damit bleibt die Aktie trotz des Kursverlusts anspruchsvoll bewertet.

Die langfristigen Perspektiven bleiben dennoch solide. Walmart dürfte von seiner Größe, seiner starken Marktposition und der zunehmenden Bedeutung des Onlinehandels profitieren. Gleichzeitig müssen Anleger berücksichtigen, dass ein großer Teil dieser positiven Entwicklung bereits im Aktienkurs enthalten ist.

Amazon bietet eine günstigere Wachstumsstory

Für langfristig orientierte Anleger bleibt Walmart ein qualitativ hochwertiges Unternehmen. Die geplanten Preissenkungen könnten kurzfristig auf die Margen drücken, gleichzeitig aber die Kundenbindung stärken und Marktanteile sichern.

Für eine attraktive Einstiegsgelegenheit spricht der Kursrückgang jedoch nur eingeschränkt. Angesichts der weiterhin hohen Bewertung erscheinen andere große Handelskonzerne mit stärkerem Wachstum attraktiver. Besonders Amazon bietet aus dieser Perspektive eine Kombination aus höherem Wachstum und einer vergleichsweise günstigeren Bewertung.

Walmart liefert operativ weiterhin starke Ergebnisse, doch der verhaltene Ausblick zeigt, dass die geplanten Preissenkungen kurzfristig ihren Preis haben. Der Kursrückgang verbessert die Ausgangslage, macht die Aktie angesichts der hohen Bewertung aber noch nicht zu einem klaren Kauf.

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ℹ Walmart in Kürze

  • Walmart (WKN: 860853) ist der weltweit größte Einzelhandelskonzern und zählt zu den umsatzstärksten Unternehmen der Welt.
  • Der Konzern betreibt aktuell knapp 11.000 Filialen in 19 Ländern sowie einen Online-Shop.
  • In seinen großflächigen Supermärkten vertreibt Walmart fast alle Produkte des täglichen Bedarfs.
  • Walmart ist Mitglied im US-Leitindex Dow Jones, im S&P 500 und Nasdaq 100 und hat einen Börsenwert von rund 825 Milliarden US$.

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