Bei Deutschlands größtem Automobilkonzern stehen die Zeichen derzeit auf Sturm. Stellenabbau, mögliche Werksschließungen und ein schwieriges Marktumfeld belasten den Volkswagen-Konzern. Die VW-Vorzugsaktie bewegte sich zuletzt in einem Korridor zwischen 70 und 75 €. Am Donnerstag notiert sie aktuell bei 73,20 €. Damit liegt der Kurs deutlich unter dem Niveau von rund 100 € zu Jahresbeginn. Hier stellt sich die Frage: Bietet das aktuelle Kursniveau langfristig orientierten Anlegern wieder Einstiegschancen?

Kampf um die zukünftige Struktur

Es vergeht derzeit kaum ein Tag, an dem es keine neuen Nachrichten über den Volkswagen-Konzern gibt.

Das grundlegende Problem liegt in den unterschiedlichen Interessen der beteiligten Gruppen. Auf der einen Seite stehen die Eigentümer, auf der anderen Seite der Betriebsrat und die Gewerkschaften.

Aber auch innerhalb der Eigentümerstruktur gibt es unterschiedliche Interessen.

Die Familien Porsche und Piëch dürften vor allem an einer langfristig attraktiven Wertentwicklung und entsprechenden Dividendenausschüttungen interessiert sein. Das Land Niedersachsen, das rund 20% der Stimmrechte hält, verfolgt dagegen insbesondere das Ziel, Arbeitsplätze und Standorte zu sichern.

Diese unterschiedlichen Interessen stehen teilweise in einem erheblichen Spannungsverhältnis zueinander.

Konzernchef Oliver Blume stellt derzeit an verschiedenen VW-Standorten seine Pläne für die zukünftige Ausrichtung des Konzerns vor. Im Mittelpunkt steht dabei die Anpassung der Produktionskapazitäten und umfangreiche Kostensenkungen.

Neben einem deutlichen Stellenabbau stehen dabei auch mögliche Werksschließungen zur Diskussion. Berichten zufolge könnten mehrere deutsche Standorte von den geplanten Maßnahmen betroffen sein.

Der Betriebsrat und die Gewerkschaften kritisieren die Pläne entsprechend deutlich und setzen sich für den Erhalt von Arbeitsplätzen und Standorten ein.

Konzernchef Oliver Blume bezeichnete die Lage des Unternehmens zuletzt als sehr ernst.

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Umsatzprognose gesenkt

Die anhaltenden Probleme beim Absatz veranlassten den Konzern dazu, seine Umsatzprognose zu senken.

Statt eines erwarteten Umsatzwachstums von 0 bis 3% rechnet Volkswagen nun mit einer Entwicklung zwischen -3 und 0%.

Die Prognose für die operative Rendite von 4 bis 5,5% wurde dagegen bestätigt.

Da die operative Rendite im ersten Halbjahr bei 3,8% lag, deutet dies darauf hin, dass der Konzern für das zweite Halbjahr mit einer Verbesserung der Profitabilität rechnet.

Das Erreichen dieser Ziele dürfte allerdings wesentlich davon abhängen, ob die geplanten Kostensenkungen und Restrukturierungsmaßnahmen erfolgreich umgesetzt werden können.

Bewertung

Der Kursrückgang der VW-Vorzugsaktie spiegelt die derzeit schwierige Situation des Konzerns wider.

Die Anpassung der Produktionskapazitäten und die geplanten Kostensenkungen sind aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbare Maßnahmen. Gleichzeitig ist auch die Position der Gewerkschaften verständlich, da ein umfangreicher Stellenabbau und mögliche Werksschließungen erhebliche soziale Folgen hätten.

Für den weiteren Kursverlauf wird daher auch entscheidend sein, ob zwischen Management, Arbeitnehmervertretern und Eigentümern eine langfristig tragfähige Einigung erzielt werden kann.

Die Lage bei Volkswagen ist aus meiner Sicht ohne Zweifel kritisch. Eine existenzielle Krise sehe ich derzeit jedoch nicht.

Der Konzern verfügt weiterhin über eine starke Markenbasis, eine breite internationale Aufstellung und erhebliche finanzielle Ressourcen.

Trotz der aktuellen Probleme bleibe ich für die Volkswagen-Vorzugsaktie zuversichtlich. Kurzfristig dürfte allerdings kaum mit einem deutlichen Kursanstieg zu rechnen sein. Zu groß sind derzeit die Probleme. Mittelfristig sehe ich die Perspektiven dagegen positiver.

Für die Aktie spricht weiterhin auch die vergleichsweise hohe Dividendenrendite. Selbst bei einer möglichen Reduzierung der Ausschüttung könnte die Rendite auf dem aktuellen Kursniveau für viele Anleger weiterhin attraktiv bleiben.

Für langfristig orientierte Anleger bietet das aktuelle Kursniveau aus meiner Sicht daher interessante Einstiegschancen.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

ℹ VW in Kürze

  • Die Volkswagen AG, kurz VW, (WKN: 766400) ist ein weltweit führender Hersteller von Automobilen und Nutzfahrzeugen mit einem Portfolio von zehn Automarken. Neben der Kernmarke VW gehören unter anderem Audi, Skoda, Seat, Bentley und Porsche zum Konzern.
  • Neben dem Hauptsitz in Wolfsburg unterhält der Konzern weltweit Produktionsstätten.
  • Die Marktkapitalisierung der Vorzugsaktie liegt bei ca. 41 Milliarden €.

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