Die Vossloh-Aktie befindet sich seit ihrem Hoch im Februar bei rund 85 € in einem deutlichen Abwärtstrend. Zwischenzeitliche Erholungen wurden immer wieder abverkauft. Am Dienstag notiert die Aktie aktuell bei 56,60 €. Hier stellt sich die Frage: Lohnt sich jetzt ein Einstieg?

Umsatzprognose gesenkt

Bereits Mitte Juli senkte Vossloh seine Jahresprognose. Ursache war vor allem, dass Leistungen aus bestehenden Rahmenverträgen geringer abgerufen wurden als ursprünglich erwartet.

Beim Umsatz wird nun eine Bandbreite von 1,51 bis 1,61 Milliarden € erwartet. Zuvor lag die Prognose bei 1,56 bis 1,66 Milliarden €.

Auch beim operativen EBIT wurden die Erwartungen reduziert. Statt 118,5 bis 131 Millionen € werden nun 100 bis 110 Millionen € erwartet. Im Vorjahr erzielte Vossloh ein operatives EBIT von 111 Millionen €.

Die niedrigere EBIT-Prognose steht unter anderem im Zusammenhang mit Abschreibungseffekten von 9,1 Millionen € aus der Übernahme von VTT Europa (Sateba), die im ersten Quartal abgeschlossen wurde.

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Rekordauftragslage

Der leicht reduzierten Jahresprognose stehen solide operative Kennzahlen aus dem ersten Halbjahr gegenüber.

Der Umsatz erhöhte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 21,9% auf 710 Millionen €. Dazu trug insbesondere die erstmalige Einbeziehung von VTT Europa bei.

Auf der Ergebnisseite wirkten sich die Übernahme und deren Folgekosten dagegen belastend aus. Die Abschreibungen von 9,1 Millionen € trugen dazu bei, dass das EBIT von 44,9 auf 32,4 Millionen € sank.

Zusätzlich wurde die Übernahme zu einem erheblichen Teil über Fremdkapital finanziert. Dadurch stiegen die Zinsaufwendungen und belasteten den Nettogewinn. Dieser reduzierte sich von 34,7 auf 13,5 Millionen €.

Besonders positiv entwickelte sich dagegen der Auftragseingang.

Der Auftragsbestand lag Ende Juni bei rund 1,1 Milliarden € und erreichte damit einen neuen Unternehmensrekord. Gleichzeitig stieg der Auftragseingang im ersten Halbjahr von 623,7 auf 828,5 Millionen €.

Insgesamt sind die Halbjahreszahlen trotz der Belastungen durch die Übernahme solide ausgefallen.

Vorstandsvorsitzender Oliver Schuster erklärte:

Unsere Rekordauftragslage zum Halbjahr ist ein starker Vertrauensbeweis unserer Kunden und unterstreicht die unverändert hohe Dynamik in unserem Marktumfeld.

Bewertung

Der bisherige Kursrückgang erscheint mir gemessen an der operativen Entwicklung relativ stark.

Die Übernahme von VTT Europa belastet kurzfristig zwar die Ertragslage. Abschreibungen, Integrationskosten und höhere Finanzierungskosten sind bei einer solchen Transaktion jedoch zunächst nachvollziehbar.

Entscheidend ist aus meiner Sicht die zukünftige Entwicklung. Und hier spricht insbesondere der Rekordauftragsbestand für Vossloh.

Der hohe Auftragseingang und der Auftragsbestand schaffen eine gute Grundlage für weiteres Umsatzwachstum. Wenn die übernommenen Geschäftsbereiche integriert und die daraus entstehenden Kostenbelastungen reduziert werden, sollte sich dies auch positiv auf die Ertragslage auswirken.

Die leicht reduzierte Jahresprognose wurde vom Markt dennoch negativ aufgenommen und führte zu dem deutlichen Kursrückgang.

Insgesamt halte ich den bisherigen Kursrückgang für übertrieben.

Gerade die schwächere Bewertung eröffnet aus meiner Sicht wieder deutlich bessere Einstiegsmöglichkeiten. Entscheidend bleibt allerdings, dass sich der hohe Auftragsbestand künftig tatsächlich in steigenden Umsätzen und Ergebnissen niederschlägt.

Ich sehe den fairen Wert der Aktie mittelfristig bei etwa 75 €. Ausgehend vom aktuellen Kurs von 57 € entspricht dies einem Kurspotenzial von rund +32%.

Ergänzend dazu: Für wachstumsorientierte Anleger bietet unser brandneuer Report „3 Top-Picks 2026“ wertvolle Einblicke in drei Technologie-Aktien, die das Potenzial haben, zu den großen Gewinnern des neuen Jahres zu werden.

ℹ Vossloh in Kürze

  • Vossloh ist ein international agierender Konzern rund um die Bahninfrastruktur. Auf dem chinesischen Markt ist der Konzern sogar als einziger ausländischer Anbieter tätig. Dies zeigt, wie leistungsstark die Produkte und Dienstleistungen des Konzerns sind.
  • Neben dem Hauptsitz im nordrhein-westfälischen Werdohl ist der Konzern mit Niederlassungen auf allen Kontinenten vertreten.
  • Das im SDAX gelistet Unternehmen wird an der Börse aktuell mit 1,1 Milliarden € bewertet.

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