Vorsicht! Lieschen Müller kauft wieder!

Liebe Leser,

die Gruppe der Kleinanleger gilt an den Finanzmärkten in der Regel als die am schlechtesten informierte Gruppe. Weil sie von vielen wichtigen Punkten erst zu spät erfährt oder zu spät Kenntnis nimmt, kommt sie regelmäßig zu spät. Gekauft wird erst, wenn der Anstieg an den Märkten schon sehr weit fortgeschritten ist, und verkauft wird in der Regel auf dem Tief. Auch das ist für den alten Zyklus viel zu spät und für den neuen viel zu früh.

Im Moment ist erneut zu beobachten, dass die Privatanleger sich spiegelbildlich zu den Profis verhalten. Während die institutionellen Anleger Positionen abbauen und das Risiko in ihren Depots verringern, vergrößern die privaten Anleger ihre Engagements. Das gilt insbesondere für die USA.

Es findet dort gerade eine Distribution statt. Die Aktien wandern, wie André Kostolany es auszudrücken pflegte, von den starken in die schwächeren Hände. Das ist einer der Gründe, warum die US-Aktienmärkte derzeit Probleme haben, die spektakulären Aufwärtsbewegungen der letzten Monate im gleichen Tempo fortzusetzen.

Ein feiner Indikator für das Verhalten der Profis ist das Volumen der Aktien, die auf Kredit gekauft werden. Heute kann inzwischen jeder, der es will, Aktien auf Kredit erwerben. Dennoch wird dieses Mittel überwiegend von den institutionellen Anlegern gewählt.

Die Anleger agieren spiegelbildlich

Die privaten Investoren erhöhen ihr Risiko, indem sie mit CFDs, Optionsscheinen oder Zertifikaten am Markt operieren. Der Weg, Aktien über Kredite zu erwerben, wird dem gegenüber nur vergleichsweise selten gewählt. Aus diesem Grund ist die Gesamthöhe der Aktienkredite, das sogenannte Margin Debt, auch weiterhin ein guter Indikator für das Verhalten der Profis.

Hier ist seit Anfang des Jahres eine interessante Entwicklung zu beobachten. Obwohl der Markt wieder steigt, fällt das Volumen der Aktienkredite immer weiter zurück. Es ist bereits seit Mitte 2018 rückläufig. Zunächst fiel das Volumen der Wertpapierkredite aber zusammen mit dem Markt. Das ist heute anders als vor einem Jahr.

Seit Anfang 2019 fallen beide Entwicklungen auseinander. Der Aktienmarkt steigt, aber die Aktienkredite fallen. Normalerweise versuchen institutionelle Anleger durch die Aufnahme von Krediten ihre Performance zu heben. Man sollte deshalb erwarten, dass sie die Höhe ihrer Wertpapierkredite in Boomphasen weiter ausbauen.

Dass dieses klassische Verhalten im aktuellen Boom nicht mehr praktiziert wird, deutet darauf hin, dass viele institutionelle Anleger dem Aufschwung misstrauen. Sie reduzieren ihr Risiko und verkaufen ihre Aktie an die immer mutiger werdenden Kleinanleger.

Ist das der Anfang vom Ende des „ewigen“ Aufschwungs?

Oftmals in der Geschichte hat ein solches Verhalten auf das Ende einer Boomphase verwiesen. Ob es dieses Mal wieder so sein wird, bleibt abzuwarten. Interessant ist jedoch, dass der Boom derzeit spiegelbildlich zu seinen Anfängen verläuft.

Waren es in den Jahren 2009 bis 2013, also unmittelbar nach der Finanzkrise, vor allem die Privatanleger, die dem Aufschwung misstraut haben, sind sie es, die heute kaufen. Konträr dazu agieren die Profis. Sie haben 2009 bis 2013 nicht gezögert, ihr Risiko zu erhöhen, um am Aufschwung teilzuhaben. Aber sie sind jetzt die Ersten, die deutlich sichtbar, den Fuß vom Gaspedal nehmen.

[Finanztrends]

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