Die Vonovia-Aktie verabschiedete sich am Freitag auf einem 3-Jahrestief ins Wochenende. Nach dem Wahlsieg der Linken bei der Landtagswahl in Berlin steht zu befürchten, dass der Kurs des deutschen Immobilienkonzerns am Montag weiter in den Keller rauscht. Selbst ein neues 12-Jahrestief bei unter 17 € ist denkbar. Wie groß ist die politische Gefahr für Vonovia wirklich?
Wird Vonovia in Berlin enteignet?
Die Linke hat es am heutigen Wahltag geschafft, zum ersten Mal in der Geschichte zur stärksten Partei in Berlin aufzusteigen. Für Vonovia wird damit gelinge gesagt eine Horrorvorstellung zur Realität, denn die Partei setzt sich seit geraumer Zeit für die Vergesellschaftung (sprich Enteignung) großer Wohnungsbestände ein.
Insbesondere größere Bestände ab 3.000 Wohnungen will die Linke in Gemeineigentum überführen. Vonovia ist mit rund 130.000 Wohnungen die größte Immobiliengesellschaft in Berlin.
Eine Vergesellschaftung ist theoretisch im Grundgesetz in Artikel 15 verankert, aber juristisch extrem umstritten und in diesem Ausmaß zweifellos juristisches Neuland. Um Wohnungsbestände in dieser Größenordnung zu vergesellschaften, müsste das Land Berlin eine milliardenschwere Entschädigung zahlen. Angesichts der angespannten Haushaltslage des Landes Berlin wird von Experten bezweifelt, ob eine solche Hürde überhaupt praktisch zu überspringen ist.
Zudem wird die Linke nicht alleine in Berlin regieren können, sondern ist auf die Unterstützung anderer Parteien, wie der SPD und der Grünen, angewiesen. Diese beiden Parteien stehen einer Enteignung von Immobilienkonzernen weitaus skeptischer gegenüber. Es ist also durchaus denkbar, dass die Linke von dieser Forderung abrücken muss, um überhaupt eine Regierung im Roten Rathaus bilden zu können. Eine rasche Enteignung halte ich vor diesem Hintergrund für politisch und administrativ extrem unwahrscheinlich.
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Das könnte gefährlicher werden
Viel gefährlicher für Vonovia könnten andere Forderungen der Linken sein, um den Anstieg der Mieten in Berlin dauerhaft zu begrenzen. Die Partei fordert einen Mieterhöhungsstopp für ein Jahr und anschließend eine Begrenzung der Erhöhungen auf 1% pro Jahr. Außerdem sollen überhöhte Mieten stärker abgesenkt werden.
Diese Forderungen könnte Vonovias Mieterhöhungspotenzial in Berlin massiv begrenzen — mit extrem negativen Auswirkungen auf den Gesamtkonzern. Rund ein Viertel des gesamten Wohnungsbestandes des Immobilienkonzerns liegt schließlich in der Hauptstadt.
Hält das 12-Jahrestief?
Vor dem Start in die neue Handelswoche herrscht charttechnische Hochspannung bei der Vonovia-Aktie. Sie notiert aktuell nur noch hauchdünn über ihrem 12-Jahrestief bei ca. 17 €. Ein Durchbruch wäre eine weitere charttechnische Katastrophe.
Immer noch mit Vorsicht zu genießen
In meiner letzten Analyse der Vonovia-Aktie habe ich Anlegern vorgerechnet, dass sie inzwischen sehr günstig an der Börse bewertet ist. Der Immobilienbestand des Konzerns wird gegenwärtig bilanziell mit einem Abschlag von über 60% versehen.
Ich habe Anlegern aber ebenfalls geraten, das Wahlergebnis der Berliner Landtagswahl abzuwarten und nun ist es so negativ ausgefallen, wie es für Vonovia überhaupt nur sein konnte. Es ist davon auszugehen, dass die Vonovia-Aktie den Linken-Wahlsieg zum Wochenauftakt noch einmal mit einem ordentlichen Kursabschlag quittiert.
Auch nach einem weiteren Einbruch rate ich Anleger noch, die Finger von der Vonovia-Aktie zu lassen. Die Gespräche zur Bildung einer Koalition in Berlin dürften alles anderen als einfach werden. Mieten und der Immobilienmarkt werden das zentrale Thema in diesen Gesprächen sein.
Es wird sich zeigen, worauf sich die neuen Koalitionsparteien in Berlin werden einigen können. Ich fürchte jedoch, dass Vonovia in der Hauptstadt sehr schwierige Zeiten bevorstehen. Die Linken haben in den Wohnungsgesellschaften ihren Erzfeind gefunden. Sie werden alles daran setzen, ihn zu bekämpfen.
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Die Vonovia-Aktie ist auch nach der Berliner Wahl ein fallendes Messer, sowohl fundamental als auch charttechnisch. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Aktienkurs in den kommenden Tagen unter das bisherige 12-Jahrestief aus 2023 bei 17 € fällt.
Vonovia in Kürze
- Vonovia (WKN: A1ML7J) mit Sitz in Bochum verwaltet und vermietet Wohnungen in Deutschland, Österreich und Schweden.
- Durch die Übernahme des Konkurrenten Deutsche Wohnen im Jahr 2021 ist das Unternehmen zum größten Immobilienkonzern Europas avanciert mit ca. 550.000 Wohneinheiten.
- Vonovia ist Mitglied im DAX und aktuell rund 15,0 Milliarden € wert.
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