In den letzten Wochen konnte sich die Volkswagen-Aktie mit Mühe und Not knapp über der 70 €-Marke halten. Doch am Montagmorgen ist der Autokonzern mit einem Minus von -2% einmal mehr das Schlusslicht im DAX. Was drückt schon wieder auf den Kurs der Wolfsburger und müssen sich Anleger nun wieder Sorgen vor dem nächsten Mehrjahrestief machen?
Das muss bei VW passieren
Der VW-Konzern steht vor entscheidenden Wochen. Es geht um nicht weniger als den größten Konzernumbau der Geschichte — besser gesagt, um die größte Konzernverkleinerung und -vereinfachung der Geschichte.
Mit seinem „Zielbild 2030“ hat der VW-Vorstand skizziert, wohin die Reise der Wolfsburger gehen soll. VW strebt an, bis 2030 die globale Nummer 1 unter den technologisch führenden Volumenherstellern sowie das attraktivste Automobilunternehmen der Welt zu sein.
Um dieses Ziel zu erreichen, muss so einiges passieren, vor allem in Sachen Komplexitätsreduktion. Volkswagen hat sich über die Jahrzehnte zu einem Mammutunternehmen mit viel zu vielen Werken, zu vielen Modellen und zu vielen Plattformen entwickelt.
Deshalb steht dem Konzern nun eine Radikalkur in Sachen Komplexitätsreduktion bevor. Mehrere schlecht ausgelastete Werke in Deutschland sollen dauerhaft geschlossen werden und die Modellpalette schrittweise um bis zu 50% gestrafft werden. Gleichzeitig will die VW-Führung die Varianten- und Ausstattungsoptionen in den Modellen um bis zu 75% reduzieren, um Fertigungskosten drastisch zu senken. Hinzu kommt die Harmonisierung von Plattformen, Elektronikarchitekturen und Software sowie der Abbau von Doppelstrukturen.
Diese Komplexitätsverringerung wird nicht ohne schmerzhafte Einschnitte bei der Belegschaft gehen. Der Vorstand spricht bislang von einem Stellenabbau von bis zu 100.000 Mitarbeitern. Diese Zahl dürfte bewusst hoch gegriffen sein, um am Ende vielleicht die Hälfte zu erreichen.
Ab morgen finden in mehreren Volkswagen-Werken Betriebsversammlungen statt, auf denen der Vorstand seine Pläne vorstellen und den Mitarbeitern Rede und Antwort stehen wird. Es dürften keine Wohlfühltermine für VW-Chef Blume werden.
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Charttechnischer Ausgang ungewiss
Seit Anfang Juli hat sich die charttechnische Lage der Volkswagen-Aktie etwas beruhigt. Die Marke von 70 € erwies sich bislang als solider Boden, der mehreren Angriffen standhielt.
Aber eine Erholung gelang dem DAX-Titel auch nicht. Bei 77 € war in den letzten Wochen Schluss. Angesichts der Nachrichtenlage könnte die VW-Aktie in den nächsten Tagen noch einmal ihr Mehrjahrestief testen. Ausgang ungewiss.
Ehrgeizige Pläne
Die Pläne des VW-Managements sind ehrgeizig — auch in finanzieller Hinsicht. Nach dem Zielbild 2030 will der Autokonzern bis 2030 eine operative Umsatzrendite von 8 bis 10% erreichen. Das ist ein Wert, der momentan sogar für die deutschen Premiumhersteller BMW und Mercedes-Benz nicht zu schaffen ist.
Gleichzeitig will VW innerhalb von fünf Jahren im Automobilbereich einen Netto-Cashflow von mehr als 60% des operativen Ergebnisses erreichen. Auch das ein durchaus ambitioniertes Unterfangen.
Die Uhr tickt
Mit einem Forward-KGV von nicht einmal 4 ist die Volkswagen-Aktie sehr günstig bewertet. Viele Anleger mögen bei dieser Bewertung zum Schluss kommen, dass man mit dem deutschen Autotitel eigentlich kaum was falsch machen kann.
Ich komme zu einer anderen Schlussfolgerung. Trotz ihrer niedrigen Bewertung empfehle ich die Volkswagen-Aktie nach wie vor nicht zum Kauf.
Ich befürchte, dass die historische Transformation von Volkswagen schlichtweg zu langsam verläuft und dem Konzern wertvolle Zeit verloren geht. Chinesische Hersteller geben nicht nur auf ihrem Heimatmarkt Vollgas und haben den Wolfsburger massiv Marktanteile in den letzten Jahren abgenommen.
Nein, sie werden das in den kommenden Jahren auch auf dem deutschen und europäischen Heitmatmarkt von VW tun. Die Deutschen müssen ebenfalls Vollgas geben, um ihre Wettbewerbsfähigkeit bei E-Autos unter Beweis zu stellen. Die Chinesen werden ihnen diese Zeit kaum geben.
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Für mich ist es noch zu früh, in einen möglichen Turnaround der Volkswagen-Aktie zu investieren. Ich gehe davon aus, dass es in den kommenden Wochen zu massiven Auseinandersetzungen zwischen dem Vorstand und der Gewerkschaft kommen wird. Diese Kämpfe werden den Konzern sehr wertvolle Zeit kosten.
Noch schlimmer: Sie werden unter dem Strich die notwendigen Pläne des Managements möglicherweise so stark verwässern, dass VW auch in den kommenden Jahren kaum wettbewerbsfähig ist — zumindest nicht an der Börse.
Volkswagen in Kürze
- Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
- Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
- Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und aktuell ca. 41 Milliarden € wert.
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