Beim deutschen Biokraftstoff-Unternehmen Verbio klären sich die Wolken und wichtige staatliche Entscheidungen wurden getroffen. Die Verbio-Aktie ist einer der größten Gewinner des Iran-Konfliktes. Seit Ende Februar stieg sie von 26 € auf bis zu 46 €. Mittlerweile korrigierte sie wieder und steht am Montag aktuell bei 39,10 €. Was bedeuten die staatlichen Regelungen für die Aktie?
Wichtige Gesetze beschlossen
Lange Zeit litt das Bio-Unternehmen unter einem unfairen Wettbewerb. Die Billigimporte kamen hauptsächlich aus China. Zudem kam es vor, dass die Zertifikate gefälscht waren. Statt Rapsöl wurde billigeres Palmöl verwendet. Die Biogasbranche beklagte diesen Umstand und forderte die EU auf, das zu ändern.
Mit dem Beschluss der RED III (Erneuerbare-Energien-Richtlinie) wurde der Missstand beendet. Die Richtlinie schafft klare Verhältnisse für einen fairen Wettbewerb von Biokraftstoffen. Bio-Energien werden deutlich gestärkt. Zudem werden die THG-Quoten (Treibhausminderungsquote) aufgewertet.
Die Umsetzung der neuen RED III dürfte sich positiv auf die Branche auswirken.
Gebäudemodernisierungsgesetz fördert Absatz von Biomethan
Unter der Ampel-Regierung wurde der Schwerpunkt bei neuen Heizungen auf Luftwärmepumpen gelegt. Die jetzige Regierung machte das wieder rückgängig und setzt auf Technologieoffenheit. Somit können auch wieder Öl- und Gasheizungen installiert werden.
Allerdings müssen die Heizungen so ausgelegt sein, dass später auch Bio-Öl, Biogas oder Wasserstoff eingesetzt werden kann. Ab 2029 müssen die Öl- und Gaslieferanten mindestens 10 % Bioprodukte zusetzen. Das fördert den Absatz von Biomethan und Bio-Öl.
Was bedeutet das für Verbio?
Der viel kritisierte Missbrauch bei den Billigimporten wurde mit der neuen Richtlinie beseitigt. Die Produkte von Verbio werden wieder wettbewerbsfähiger.
Ein wichtiger Aspekt ist der Verkauf von THG‑Quoten. Hierdurch wird ein wesentlicher Umsatzanteil generiert.
EBITDA-Prognose angehoben
Ursprünglich wurde ein EBITDA im hohen zweistelligen Millionenbereich erwartet. In dem Halbjahresbericht wurde die Prognose konkretisiert; jetzt wird ein Wert im oberen zweistelligen Millionenbereich erwartet.
In den ersten sechs Monaten verbesserte sich die Ertragslage deutlich. Ursachen hierfür waren einerseits gestiegene Absatzmengen sowie höhere Preise. Auch die THG-Quoten trugen dazu bei. Das operative EBITDA stieg von 14 auf 45,5 Millionen €. Der Nettoverlust reduzierte sich von 26,4 auf 0,7 Millionen €. Auf Jahressicht dürfte ein Nettogewinn anfallen.
Was bedeutet das für die Aktie?
Bereits vor dem Iran-Angriff konnte die Aktie sich bis auf 26 € deutlich verbessern. Mit dem Beginn des Iran-Konflikts stieg der Kurs dann in der Spitze auf 46 €. Ursache hierfür waren stark gestiegene Preise für Benzin, Diesel und Gas. Bioenergien werden dadurch wieder interessanter.
Die Umsetzung der RED III wird sich positiv auf Umsatz und Ertrag auswirken. Besonders letzteres ist die Triebfeder für weitere Kurssteigerungen. Der Rücksetzer im April sorgt wieder für Potenzial. Bisher war ich in meinen Einschätzungen vorsichtiger, jetzt rechne ich wieder mit steigenden Kursen. Den fairen Wert sehe ich bei 45 €. Sollte der Iran-Konflikt beendet werden, ist kurzfristig mit sinkenden Kursen zu rechnen.
Die Analysten kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Mwb Research sieht den fairen Wert bei 50 €. Die Deutsche Bank, mit ihrem Zielkurs von 40,50 € hält die Aktie momentan für fair bewertet. Jefferies mit 25 € ist deutlich vorsichtiger. Allerdings wurde deren Analyse Anfang März erstellt.
Mein Fazit: Der Rücksetzer sorgt wieder für neues Potenzial. Anleger sollten immer wieder an Gewinn- oder Teilgewinnmitnahmen denken.
Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.
Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Verbio. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.
Verbio in Kürze
- Die Verbio SE ist einer der führenden Bioenergieproduzenten und gleichzeitig der einzige großindustrielle Hersteller von Biodiesel.
- Neben dem Hauptsitz in Leipzig befinden sich Produktionsstätten in Deutschland, Polen und den USA. In Indien ist eine Anlage im Bau.
- Das im SDAX gelistete Unternehmen wird mit rund 2,5 Milliarden € bewertet.
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